Bildende Kunst

Der Streit um Schieles Bilder geht weiter

Ein New Yorker Gericht sprach zwei Schiele-Blätter, die vor zwei Jahren beschlagnahmt worden waren, den Erben nach Fritz Grünbaum zu.

Egon Schiele, „Frau mit schwarzer Schürze“. SN/sotheby's
Egon Schiele, „Frau mit schwarzer Schürze“.

Die Nachwirkungen der nationalsozialistischen Diktatur betreffen nicht nur Liederbücher, die Raubzüge der Nazis in jüdischen Kunstsammlungen beschäftigen bis heute die Gerichte. Am vergangenen Donnerstag traf ein New Yorker Gericht die Entscheidung, zwei Blätter von Egon Schiele, die vor zwei Jahren in New York beschlagnahmt worden waren, nachdem sie der Londoner Galerist Richard Nagy auf einer Kunstmesse angeboten hatte, an die Erben nach Fritz Grünbaum zu restituieren. Laut "New York Times" will Nagy gegen die Gerichtsentscheidung berufen.

Bei den beiden Blättern handelt es sich um Schieles "Frau mit schwarzer Schürze" und "Frau, das Gesicht verbergend". Und wie so vieles in Sachen Grünbaum-Restitution ist auch dieser Fall kompliziert. Denn beide Schiele-Bilder gehörten zum Konvolut, das Mathilde Lukacs, die Schwägerin des von den Nazis im KZ ermordeten Kabarettisten Fritz Grünbaum, an die Galerie Klipstein & Kornfeld in Bern verkauft hatte. Zwischen 1955 und 1956 verkaufte Mathilde Lukacs insgesamt 113 Kunstwerke an Klipstein & Kornfeld. Das Problem ist, dass einzelne Werke der Sammlung Grünbaum nicht dokumentiert sind.

Richard Nagy etwa beteuerte schon 2015, dass es keinen Beweis gebe, dass Grünbaum jemals eines der beiden Schiele-Blätter besessen habe. Im Konvolut befand sich auch Schieles Gemälde "Tote Stadt III", das später an den New Yorker Kunsthändler Otto Kallir ging und im Tausch in den Besitz des Kunstsammlers Rudolf Leopold kam. Aufgrund des Verdachts, NS-Raubkunst zu sein, wurde es 1998 bei einer Ausstellung in New York beschlagnahmt, bereits ein Jahr später aber wieder an die Leopold-Museum-Privatstiftung zurückerstattet.

Der Anwalt der Erben nach Fritz Grünbaum, Raymond Dowd, meldete sich am Montag in einer Aussendung mit einer Kritik an der österreichischen Provenienzforschung: "Bis heute weigert sich der österreichische Staat, den Anträgen auf Restitution der jedenfalls zehn Werke aus der Sammlung Grünbaum, unter anderem ,Tote Stadt III' (Leopold Museum) und ,Sitzender weiblicher Rückenakt mit rotem Rock' (Albertina), stattzugeben."

Die Causa "Tote Stadt III" ist längst geklärt, das Leopold Museum beobachte dennoch den aktuellen Stand genau und harre auf den exakten Richterspruch. Wie Klaus Pokorny, der Sprecher des Leopold Museums, auf Anfrage sagte, sei die Provenienzforschung im Hause aktiv. Neben dem "hauseigenen" Forscher Alfred Fehringer arbeiten derzeit noch die beiden "externen" Provenienzforscher Sonja Niederacher und Michael Wladika im Auftrag des Bundeskanzleramts an der systematischen Erforschung des Bestands. Abgesehen davon, dass die private Sammlung Leopold nicht dem Kunstrückgabegesetz unterliegt, habe schon die sogenannte Michalek-Kommission die Ansprüche der Grünbaum-Erben zurückgewiesen.

Als Schieles "Frau mit schwarzer Schürze" 2004 - ohne erhobene Besitzeinsprüche - zur Auktion kam, gab Sotheby's die Reihe der Besitzer an: "Viktor Fogarassy, Graz / Galerie Würthle, Wien (bis 1979) / Serge Sabarsky, New York (erworben 1979) / erworben aus dessen Nachlass vom derzeitigen (ungenannten) Besitzer". Laut Einschätzung von Klaus Pokorny könnte der Galerist Richard Nagy beim Berufungsprozess um die beiden Blätter sogar Chancen haben.

(SN)

Aufgerufen am 20.04.2018 um 07:13 auf https://www.sn.at/kultur/bildende-kunst/der-streit-um-schieles-bilder-geht-weiter-26465830

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