Bildende Kunst

"Face it!": Wien Museum stellt Maskenfotos am Bauzaun aus

Vom Augustin-Verkäufer, einem AHS-Lehrer bis hin zur Modedesignerin: Eine französische Fotografin hält 18 Menschen und ihr Erleben der Coronapandemie fest. Das Gemeinsame: die Maske, die fortan unseren Alltag begleitet. Das Wien Museum eröffnet am Mittwochabend am Bauzaun eine kostenfreie Fotoschau.

Tonicas Gesicht ziert eine schwarze Stoffmaske mit der Aufschrift "Black lives matter". Elio trägt Schutzkleidung, Handschuhe, Schutzbrille und eine im Frühjahr vielfach vergriffene FFP3-Maske. Arbeitet er in einer Covid-Station im Krankenhaus? Der Augustin-Verkäufer Ernö dagegen hat eine Einwegmaske vor dem Gesicht. Sein Blick ist fragend, ernsthaft. Das sind nur drei von 18 Porträts, die die Fotografin Elodie Grethen im Auftrag des Wien Museums festgehalten hat. Ab Donnerstag werden sie Corona-konform unter freiem Himmel am Rande der hauseigenen Großbaustelle am Karlsplatz gezeigt — und sind Zeugen der vergangenen Monate.

Im März 2020 war unsere Gesellschaft von einen Tag auf den anderen mit zuvor unbekannten Herausforderungen konfrontiert. Freiheiten wurden eingeschränkt, die Gesundheit und die Versorgung mit dem Allernötigsten stand an oberster Stelle. Leben, Arbeit, Schule verlagerte sich für viele in die eigenen vier Wände. Andere wiederum in sogenannten systemrelevanten Berufen mussten noch mehr arbeiten als zuvor. Die Fotografien von Grethen entstanden im Zeitraum von April bis Juni und zeigen das sichtbarste Zeichen der Pandemie - das Tragen von Gesichtsmasken. Sie zeigen Personen aus unterschiedlichem Umfeld, vom Rettungssanitäter bis zur Modedesignerin. Parallel zu den Aufnahmen wurden Interviews über das persönliche Erleben der Situation geführt: Fühlt man sich sicher oder bedroht? Welche Schutzmaßnahmen erachtet man als sinnvoll? Wie wirkt sich die Pandemie auf Beruf und Privatleben aus?

Künstlerin fordert zum Hinsehen auf

Die französische Künstlerin und Fotografin Elodie Grethen (geboren 1988) lebt und arbeitet sowohl in Wien als auch in Frankreich. Sie studierte Fotografie an der Friedl-Kubelka Schule für künstlerische Fotografie in Wien. 2017 veröffentlichte sie ihr Buch "Tokyo Stories", das in dem Jahr als eines der schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet wurde.

In ihren Arbeiten bewegt sie sich nach eigenen Angaben zwischen "Intimität" und "Zugehörigkeit", dem Spannungsfeld zwischen ihrer eigenen Position und ihrer Umgebung. In der Porträt-Serie "Face it!", die ab Donnerstag am Bauzaun öffentlich zu sehen ist, legt Grethen die Erfahrungen der 18 Menschen mit dem Lockdown offen. Die bewusst frontale Komposition fordert die Betrachter auf, sich mit den Lebenswelten der Menschen auseinanderzusetzen. Unterschiede wie Gemeinsamkeiten werden so auf eine ausdrucksstarke Weise offenkundig.

Wie das Wien Museum den Corona-Alltag dokumentiert

Mitte März verhängte die Bundesregierung den Lockdown. Das traf Museen wie Theater und viele Bereiche des öffentlichen Lebens. "Man fragt sich als Museum natürlich sofort, wie man so etwas dokumentiert", erklärte Peter Stuiber, Kurator der kleinen Freilichtausstellung "Face it!", am Mittwoch bei einem Pressetermin. Drei Projekte seien schließlich daraus entstanden. Neben dem Aufruf an Wienerinnen und Wiener, Objekte aus dem Corona-Alltag für die Sammlung zur Verfügung zu stellen, wurden zwei Fotoaufträge vergeben. Einerseits ging es um das bildliche Festhalten der leeren Stadt, andererseits um Personenporträts mit Maske.

"Wir haben aber gemerkt, wie schnell das schon wieder historisch ist", sagte Stuiber im Hinblick auf die Veränderungen, die seither einhergingen. Bereits einige Monate später erscheine die erste Phase des Stillstands kaum noch vorstellbar, erinnerte sich Stuiber an eine der ersten Aufnahmesituationen im März. "Wir sind mit einem Handy-Stick, völlig maskiert und mit dem Abstand von mindestens einem großen Elefanten im leeren Innenhof eines Gemeindebaus gestanden. Leute haben aus den Fenstern geschaut und sich wahrscheinlich gefragt: 'Dürfen die das überhaupt?' Wären wir fünf Minuten länger geblieben, hätte wahrscheinlich jemand die Polizei gerufen."

Ausstellung: "Face it!", Elodie Grethen, Wien Museum Open Air, Karlsplatz, Bauzaun, 1040 Wien, ab 10. September bis 10. Jänner 2021, Eintritt frei.

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