Bildende Kunst

Fotografisches Werk von Manfred Willmann in der Albertina

Die laut Direktor Klaus Albrecht Schröder "mit Sicherheit schwermütigste Ausstellung, die wir hier gemacht haben", eröffnet am Donnerstag in der Albertina: In sechs umfangreichen Werkgruppen wird das fotografische Werk von Manfred Willmann präsentiert, der in seinen Serien zwischen autobiografischer Introspektion und dem Sichtbarmachen sozialer Strukturen im ländlichen Raum changiert.

Das Spektrum der quadratischen, scharf geblitzten Farbfotografien des Steirers reicht dabei von einem ausblutenden Schweinskopf im Wasserkübel über von spätem Schnee überraschte Tulpen bis hin zu reich gedeckten Tischen oder auf dem Feld arbeitenden Menschen. Kuratorin Anna Hanreich zeichnet dabei Willmanns "einzigartige Bildsprache" nach, in dem sie die rund 270 Abzüge in thematischen Gruppen anordnet.

"Für mich besteht diese Ausstellung eigentlich nicht nur aus sechs Serien, sondern vielleicht aus 20", sagte schmunzelnd der 1952 in Graz geborene Künstler bei der Presseführung. Die Besonderheit der Arbeiten, die von den späten 1970er Jahren bis heute reichen, liegt für Hanreich in den "engen Bildausschnitten, in der Fokussierung auf Details und Eigenheiten", in denen der Künstler oft nicht die "darstellungswürdigen Motive in den Vordergrund rückt".

Das Ländliche

Auch, wenn das Ländliche das allumspannenden Thema der Fotos ist, spielt Willmann die Heimatfotografie stets gegen das Aufzeigen einer nicht intakten Welt aus: "Die Welt ist schön" (1981-1983), nennt sich eine der Serien, in der sich Aufnahmen von Resten eines Festmahls, vertrocknete Zimmerpflanzen oder Porträts von Freunden finden. In "Das Land" (1981-1993) stehen unverputzte Häuser neben grasenden Kühen oder Aufnahmen aus dem Hühnerstall.

Ebenfalls aus den 1980ern stammen jene Fotos, die unter dem Titel "Für Christine" von seiner Ehefrau Christine Frisinghelli entstanden sind, mit der gemeinsam Manfred Willmann ab 1976 das Fotografie-Programm der Künstlervereinigung Forum Stadtpark und später die Fotozeitschrift Camera Austria aufbaute.

Willmann setzt auf Blitzlicht

Die anfangs von Schröder angesprochene Schwermütigkeit entsteht dabei für ihr durch die "unmittelbare physische Präsenz" der Personen, Tiere und Objekte, die "keinen Raum für Metaphysik lässt". Seine Motive existierten "im Moment der Fotografie als Sinnbild der Vergänglichkeit der Welt". Manfred Willmann, der schon früh auf Farbfotografie setzte und bewusst auf Blitzlicht setzt, hat auch eine Reihe von digitalen Fotos geschaffen, die in den beiden Serien "2018/2017" und "Blitz & Enzianblau" zu sehen sind. Einzig die Serie "Schwarz und Gold" (1979-1981) versammelt frühe Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die sich in ihrer Bildsprache jedoch kaum vom späteren Werk in Farbe unterscheiden. Auch hier stehen Wiesen, (tote) Tiere und die Landbevölkerung im Vordergrund.

Quelle: APA

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