Bildende Kunst

Goldener Löwe für Litauens Beitrag bei Kunstbiennale Venedig

Litauen hatte in Venedig im Vorfeld eigentlich nicht als Preisanwärter gegolten. Doch die internationale Jury hat am Samstag mit ihrer Vergabe eines Goldenen Löwen an "Sun & Sea (Marina)" einen herausragenden Länderbeitrag der diesjährigen Biennale prämiert, der auf unterhaltsame Weise und mit viel Liebe zum Detail Fragen der heutigen Zeit thematisiert.

Litauens "Sun & Sea" machte das Rennen um den Goldenen Löwen SN/andrej vasilenko/biennale arte
Litauens "Sun & Sea" machte das Rennen um den Goldenen Löwen

Die Regisseurin Rugile Barzdziukaite (1983), die Autorin Vaiva Grainyte (1984) und die mit Musik arbeitende Künstlerin Lina Lapelyte (1984) haben für ihr Projekt einen klassischen touristischen Sandstrand im Erdgeschoß eines großen Lagerraums aufgebaut und dabei auf nichts vergessen: Am Strand, auf den die Ausstellungsbesucher von einer Galerie hinabblicken, sonnenbadet ein Pensionist, lesen Erwachsene Urlaubslektüre, zeichnet eine Jugendliche, spielen kleine Kinder mit Bällen und schläft auch ein Hund. Hinzu kommen völlig realistische Accessoires.

Abwechselnd beginnen die Darsteller, mehrheitlich professionelle Sänger, das zu singen, was normale Touristen auf einem normalen Strand im Lauf eines lieben langen Tag von sich geben würden. Im Stil eines politisch engagierten Singspiels in der Tradition von Bertolt Brecht werden etwa 50 Minuten lang Lieder über Hundekot und Sonnenbrand intoniert, ein Intellektueller singt über globalisierte Warenströme, ein anderer Urlauber kritisiert den Verzehr von Garnelen, die gesungene Rede ist aber auch vom Klimawandel.

Nicht nur bei der Jury, auch beim Biennale-Eröffnungspublikum stieß diese Arbeit am Samstag auf Wohlgefallen: Da viele Besucher das Treiben am Sandstrand lange beobachten wollten, mussten Interessierte teils bis zu eineinhalb Stunden Schlange stehen, um die prämierte Arbeit zu sehen.

Neben der Entscheidung über den besten Länderpavillon überraschte aber auch die Entscheidung für den besten Künstler der von Ralph Rugoff kuratierten Hauptstellung "May You Live in Interesting Times". Die Jury prämierte den US-Amerikaner Arthur Jaffa (1960): Während ein Video des Afroamerikaners in den Giardini sich mit Rechtsradikalen beschäftigt, die an eine Überlegenheit der weißen Rasse glauben, ist er im Arsenal mit riesigen Rädern von Monstertrucks vertreten. Die Ketten, die über die Räder gespannt sind, sollen dabei an Unterwerfung und Widerstand erinnern, die Objekte selbst wirken wie ein Denkmal für eine krisengeschüttelte US-Automobilindustrie.

Quelle: Apa/Dpa

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