Bildende Kunst

Jüdisches Museum lädt zum Foto-"Rendezvous in Wien"

25 Jahren nach Harry Weber und zehn Jahre nach Josef Polleross widmet das Jüdische Museum Wien ab Mittwoch erneut einem jüdischen Fotografen eine eigene Ausstellung. Diesmal steht Ouriel Morgensztern im Mittelpunkt. Die gut 50 Bilder des gebürtigen Franzosen, der seit 20 Jahren in der Bundeshauptstadt lebt, bieten nicht nur einen Einblick in das gegenwärtige Leben der hiesigen jüdischen Gemeinde, sondern laden auch zu einer Reise nach Südfrankreich, Israel und Ruanda.

Ouriel Morgenszterns Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde in Wien SN/jüdisches museum wien
Ouriel Morgenszterns Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde in Wien

Die Liebe habe Wien vor knapp zwei Jahrzehnten zur Wahlheimat von Morgensztern, geboren 1976 in Paris, werden lassen, berichtete Museumsdirektorin und Kuratorin Danielle Spera am Dienstag in einem Pressegespräch: "Seither begleitet er die jüdische Gemeinde in Wien." Co-Kuratorin Astrid Peterle nannte ihn "einen der beliebtesten und meist beschäftigten Fotografen" in der Community, dessen Aufnahmen "ein Close-up auf die unterschiedlichen Nuancen des jüdischen Lebens" darstellen.

Insofern ist es fast verwunderlich, dass dieser Aspekt nur rund ein Viertel der räumlich sehr klein gehaltenen Schau ausmachen. Etwa ein Dutzend Bilder - entstanden in den vergangenen Jahren - erzählen vom Alltag, von Festen und Ritualen der jüdischen Gemeinde. Sie zeigen ein Purim-Fest im Stadttempel, einen Tora-Schreiber bei der Arbeit, eine Hochzeit oder eine Bar Mizwa in der Ohel Avraham Synagoge in Döbling.

Der Rest der Ausstellung ist anderen Facetten gewidmet. Viel Platz nehmen die schwarz-weißen Architektur- und Landschaftsfotografien ein. Morgensztern knipste dabei nicht nur die streng geometrische Betonbauten Tel Avivs in harten Kontrasten, sondern auch den weicher gezeichneten ländlichen Raum Südfrankreichs. Dort verbrachte er den großen Teil seiner Kindheit, bevor er über Abstecher nach New York und in einen Kibbuz in Israel schließlich in Wien seinen Lebensmittelpunkt fand.

Die geografische Breite der Fotos ist also auch eine Referenz an das Weltbürgertum ihres Schöpfers, auf das Spera hinwies. Dazu kommen noch zwei Handvoll farbenfroher Aufnahmen aus dem (schulischen) Alltag in Ruanda. Spera erklärte, dass man beim gemeinsamen Durchblättern der Arbeitsmappe von der Vielfalt des Oeuvres "so gefangen genommen" worden sei, "dass wir gesagt haben, wir zeigen alles und machen ein 'Rendezvous in Wien'." Teilnehmen daran kann man bis zum 27. März 2022.

(S E R V I C E - "Ouriel Morgensztern. Rendezvous in Wien" im Jüdischen Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, ab Mittwoch und bis 27. März 2022, Ausstellungskatalog 19,90 Euro; www.jmw.at)

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