Bildende Kunst

Löwe vor den Gefängnismauern: Peter Doig in der Secession

Vor etwa 15 Jahren kehrte Peter Doig nach Trinidad zurück. Der schottische Maler, der zu den wichtigsten Vertretern der figurativen Malerei gehört, hatte auf der Karibik-Insel Teile seiner Kindheit verbracht. In der Wiener Secession zeigt Doig ab Freitag erstmals in Österreich ganz neue Gemälde. Aus Trinidad, wo er heute wieder lebt. Alltagsszenen, die über Alltag hinausreichen.

Neue Ausstellung in der Secession SN/APA/BARBARA GINDL
Neue Ausstellung in der Secession

"Vielleicht geht es darum, wie die größere Welt mit einem kleinen Ort verbunden ist", sinnierte Doig bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Die große Welt kennt der Maler, der bereits als Heranwachsender quer um den Globus seinen Wohnsitz hatte, zu genüge. Seit 2002 lebt er nach jahrzehntelanger Abwesenheit wieder fix in Trinidad, in der Nähe von Port of Spain. Das farbherzliche Karibik-Flair seiner sämtlich 2019 fertiggestellten neuen Gemälde ist bestechend, hält aber einem Kratzen an der Oberfläche freilich nicht stand. Die freundlichen, intensiven Gelbtöne der Wände referieren alle auf dasselbe Gebäude: Das zentral gelegene Gefängnis.

Er sei von dessen Form und Lage fasziniert gewesen bei seiner Rückkehr, so Doig. Bevor er wusste, was es barg. Dann sah er eine Ausstellung von Kunstwerken, die Inhaftierte geschaffen hatten. Es gelang ihm, das Gefängnis - für lebenslange Strafen und Todeskandidaten - zu besuchen, und mit den Künstlern zu sprechen. "Menschen, die nicht fortkönnen, haben einen anderen Blick auf Expression", so Doig. Seine eigenen Gemälde erzählen diese Geschichte nicht - sie ist nur "das Unterfutter" dieser jüngsten Schaffensphase. Und das Gelb der Mauern im Hintergrund das Gravitationszentrum eines Inselalltags.

Ein Polizist, der einen alten Mann im Rollstuhl über die Straße führt. Männer in Badehose. Immer wieder: der Löwe, Symboltier der Rastafari als messianischer "Löwe von Juda", wie er durch die Stadt streift. Gelb vor gelb vor gelb und ein blauer Himmel. Die Ruhe einer Insel, die auch ausweglos ist. Die Farbe, die in ihrer unmissverständlichen Intensität einem abstrakten Gemälde zu entstammen scheint und stattdessen wie ein Filmstill neugierig macht auf eine nie erzählte Geschichte. Neben der Ausstellung entstand mit der Secession auch ein Buch mit Skizzen der gezeigten Bilder.

Wie immer eröffnet die Secession ein Ausstellungs-Tripel und zeigt neben der Schau im Hauptraum auch Kabinetts-Personalen in Unter- und Obergeschoß. In diesem Fall sind sie der brasilianischen Künstlerin Fernanda Gomes gewidmet, die dem Tiefgeschoß einen filigranen Organismus aus einfachen, gefundenen Materialien als raumspezifische Installation eingeschrieben hat, sowie der US-Amerikanerin Martine Syms, deren Sound- und Fotocollagen von Detroit, dem traditionsreichen Zentrum afroamerikanischer Kultur, berichten.

Quelle: APA

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