Bildende Kunst

Museum der Moderne: Fotografie zeigt, wie man in Bildern denken kann

Bilder großer, internationaler Fotografen verweisen in Salzburg auf Pioniertaten einer österreichischen Foto-Institution.

Michael Schuster, Hartmut Skerbisch: „Alle haben Alles gesehen“. SN/mdm, schuster, skerbisch
Michael Schuster, Hartmut Skerbisch: „Alle haben Alles gesehen“.

Fast könnte man glauben, es sei ein Slogan für unsere von Bildern überflutete Gegenwart: "Alle haben Alles gesehen", steht neben der Kamera, die vier Blickrichtungen gleichzeitig im Auge hat. Doch die Serigrafie von Michael Schuster und Hartmut Skerbisch, die ab heute, Samstag, als eine von mehr als 500 Fotoarbeiten im Salzburger Museum der Moderne (MdM) auf dem Mönchsberg zu sehen ist, verweist auf ein Projekt der beiden Künstler aus den 1980er-Jahren. Die Ausstellung will einen Rückblick auf mehr als vier Jahrzehnte leisten, in denen die Camera Austria in Graz entscheidend zur Entwicklung einer österreichischen Fotografiegeschichte beitrug - als "Labor für Fotografie und Theorie", wie es im Untertitel der Schau heißt. Auch als Plakatmotiv habe sich die Arbeit von Schuster und Skerbisch da angeboten, sagte MdM-Direktor Thorsten Sadowsky am Freitag. Für einen "kritischen und selbstreflektiven Blick auf das Medium Fotografie" sei die Camera Austria seit ihrer Gründung als Avantgarde-Institution in den 1970er-Jahren stets gestanden.

Auf einem Bild, das zu einer Schwarz-Weiß-Serie des italienischen Fotografen Luigi Ghirri gehört, ist eine zerknitterte Zeitung zu sehen. "Wie kann man in Bildern denken?", steht als Überschrift auf ihrem Titelblatt. Das Bild gehöre zu ihren Lieblingsarbeiten, sagte Christine Frisinghelli, Mitbegründerin der Camera Austria und Gastkuratorin der Salzburger Schau. Mit Fragen nach dem Wesen der Fotografie hat sich die Institution ja nicht nur in Ausstellungen befasst, sondern auch mit Symposien und der Herausgabe ihrer Zeitschrift. Ghirri sei Symbol für die frühe internationale Strahlkraft der Camera Austria, sagte Kuratorin Christiane Kuhlmann: Derzeit ist dem Fotografen (1943-1992) im Madrider Museum Reina Sofía eine große Retrospektive gewidmet. Vor vier Jahrzehnten zeigte die Camera Austria seine erste Einzelschau außerhalb Italiens. In den 90er-Jahren konnte man in Graz auch Nobuyoshi Arakis Fotografien erstmals außerhalb Japans sehen. Werkstrecken von Araki, Nan Goldin, William Eggleston, Jo Spence oder Camera-Austria-Gründer Manfred Willmann tragen ebenfalls zur beachtlichen Größe der Ausstellung bei, die viel Wert auf das Aufzeigen der Beziehungsgeflechte zwischen den Künstlern zur Institution sowie untereinander legt. Für Theoriefreunde ist auch Material zum Nachlesen aufgelegt.

Die Beziehungen zwischen Camera Austria und Salzburg lassen sich indes nicht nur über Otto Breicha aufschlüsseln, der 1974 in Graz die erste Überblicksausstellung zur künstlerischen Fotografie verwirklichte und als Direktor des Rupertinums den Grundstock zur Salzburger Fotosammlung legte. Auch in der Sammlung des Bundes, die in Salzburg bewahrt wird, sind viele Camera-Austria-Künstler vertreten.

Ausstellung:"Camera Austria International, Labor für Fotografie und Theorie", bis 3. 3. 2019.

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