Bildende Kunst

Zwei Retter einer Schlange bitten um Hilfe

Abgebissen, abgeschlagen und abgefallen. Jedenfalls hat eine wichtige Schlange ihre Zunge verloren.

Die Schlangenretter Siegbert Stronegger und Heinz Wiesmüller auf der Stiege im Toscaninihof.  SN/neumayr fotografie/christian leopold
Die Schlangenretter Siegbert Stronegger und Heinz Wiesmüller auf der Stiege im Toscaninihof.

Der Wille ist da, doch es fehlt ein Foto. Daher wenden sich zwei Salzburger mit einer Bitte an die Öffentlichkeit: Wer hat ein Foto des unbeschädigten Kopfs der größten Schlange der Stadt? Oder wer weiß, wo so ein Foto zu finden wäre?

Dieses Foto ist nötig, um in einer Rettungsaktion fortzuführen, was beider berufliches Lebenswerk bestimmt hat: das Engagement für Kunst und Kultur. Siegbert Stronegger war bis 2011 Direktor des ORF-Landesstudios Salzburg und davor dort viele Jahre Kulturchef. Heinrich Wiesmüller war - neben der Leitungsfunktion im Bankhaus Spängler - im Vorstand des Kunstvereins, später im Direktorium der Salzburger Festspiele, dann deren Präsident und schließlich im Kuratorium. Jetzt sorgen sich die beiden um jene Schlange, der sie bei fast täglichen Fußwegen über den Mönchsberg ins zermarterte Gesicht blicken. Statt der einst keck gestreckten Zunge ragt aus dem Maul nur noch ein rostiger Metallstift, der einst den verlorenen Teil dieser Skulptur fixiert hat. "Der statisch so wichtige Eisendorn steht da wie ein Mahnmal", klagt Siegbert Stronegger.

Nicht nur die beiden Herren haben sich zur Schlangenrettung verbündet, sie haben auch einen wichtigen Partner gefunden. Der aufs Restaurieren spezialisierte Steinmetz Erich Reichl, der auf dem Mönchsberg wohne, sei mit im Bunde, berichtet Siegbert Stronegger. Zu dritt seien sie willig, es zu finanzieren und zu vollbringen: der Schlange so die Zunge zurückzugeben, wie dies im Original vorgesehen gewesen sei. "Als Bürger der Stadt, die noch dazu Zeit dazu haben, nehmen wir uns der Sache an. Wir würden es gern in Ordnung bringen."

Aber wie war das Original? Dies zu wissen und nachzuweisen ist unabdingbar, um von Bundesdenkmalamt und sonstigen Behörden das Plazet für eine neue Zunge zu bekommen.

Die zunächst als leicht erachtete Suche - die Schlange dürfte 60 bis 70 Jahre lang gezüngelt haben - hat Siegbert Stronegger bisher in Sackgassen geführt. Weder im Archiv der Salzburger Festspiele noch im Archiv der Stadt Salzburg, wo sich dessen Leiter Peter Kramml höchstselbst ans Stöbern gemacht habe, sei Zeichnung, Skizze oder Foto zu finden. Er habe zwar Fotos von Ende der 70er- oder Anfang der 80er-Jahre zu Gesicht bekommen, wo sich jene Kinder dazugestellt hätten, die als Statisten im Inneren einer anderen legendären Schlange bei den Salzburger Festspielen mitgewirkt hätten: in Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung von "Die Zauberflöte" in der Felsenreitschule. Doch seien diese Fotos nicht genau genug, um die gesunde Zunge auszumachen. Auch andere bisher entdeckte Fotos seien zu unscharf, berichtet Siegbert Stronegger. Das jüngste, deutliche Bild zeige den Kopf schon zungenlos: Es sei aus 2010.

Auf der Suche nach Länge und Form der Zunge wurde deutlich, wie wenig über diese Stiege bekannt ist, außer dass sie laut Reinhard Medicus' 2021 erschienenem Buch "Salzburgs Stadtberge und Stadtgärten" im Zuge des Neubaus von Kleinem Festspielhaus samt Toscaninihof 1937/38 ungefähr dort errichtet wurde, wo seit 1654 die Peterswachtstiege hinaufgeführt hatte. Seit 1983 ist sie nach ihrem Architekten Clemens Holzmeister benannt. Laut Salzburg-Wiki wurde sie 2010 um 150.000 Euro saniert.

Siegbert Stronegger erzählt die Anekdote von Wilhelm Holzbauer, Architekt des Hauses für Mozart: Als dieser als achtjähriger Bub erstmals diese gigantische Stiege gesehen habe, die an der Hauswand entlanglaufe, dann in dieses Haus eindringe und danach als Teil des Felsen emporklettere, habe er beschlossen, Architekt zu werden.

Aber sonst? Gibt es ein Bildprogramm? Als sicher gilt, dass die Schlange aus mit groben Steinen vermischtem und somit dem Konglomerat ähnlichem Beton ein Werk des Bildhauers Jakob Adlhart ist, der auch die Maske am Eingang zum Faistauer-Foyer sowie die Reliefs am Bühnentor im Toscaninihof geschaffen hat.

Siegbert Stronegger peilte also den Nachlass Jakob Adlharts an: Er habe Kontakt mit dessen Sohn, einem Halleiner Architekten, aufgenommen. Dieser habe ihm - bevor er Ende November 2021 gestorben sei - versichert, im Nachlass nichts entdeckt zu haben. Auch bei einstigen Mitarbeitern von Clemens Holzmeister sei er nicht fündig geworden.

Daher richtet das Triumvirat der Schlangenretter jetzt ein Ersuchen an alle: Wer kennt ein authentisches Bild, das die Zunge im Schlangenkopf vor dem oberen Absatz der Holzmeister-Stiege zeigt?

Hinweise bitte an Siegbert Stroneggers Mailadresse: sigstron@salzburg.co.at

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