Kultur

Bund verschenkt Gemälde: 186 Kunstwerke gehören nun dem Land

Nach Salzburg heimgeholte Exponate reißen aber keine Lücken in die Sammlungen des Bundes.

186 Kunstwerke aus den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums und des Belvederes in Wien, von denen sich ohnehin fast alle in Salzburg befanden, sind am Freitag in das Eigentum des Landes rückübertragen worden. Der formelle Akt in der Residenz anlässlich des 2016 gefeierten Jubiläums "Salzburg 200 Jahre bei Österreich" besiegelte, was aus der Sicht des Landes ohnehin den Salzburgern gehörte.

Zur Vertragsunterzeichnungen mit Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) waren Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) sowie die Generaldirektorinnen des Kunsthistorischen Museums (KHM), Sabine Haag, und des Belvederes, Stella Rollig, nach Salzburg gekommen. Bei den unentgeltlich übertragenen Exponaten handelt es sich vorwiegend um Gemälde, die in den Prunkräumen der Residenz und in Museen in Salzburg aufbewahrt sind und laut Haslauer einen hohen Identifikationswert für Salzburg haben.

Haslauer streut Drozda Rosen

Zur Auswahl der Kunstwerke, die mit der Säkularisierung des Erzstiftes Salzburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst in den Besitz der Monarchie und dann des Bundes gerieten, war ein Kommission eingesetzt worden. Bis man sich auf eine repräsentative Werksliste geeinigt hatte, waren "konstruktive Verhandlungen" erforderlich. "So etwas ist nicht ganz einfach. Es bedarf einer Vorbereitung. Drozda hatte großes Verständnis für unser Anliegen", streute Haslauer dem Kulturminister heute bei einer Pressekonferenz im Thronsaal der Residenz Rosen.

Drozda wiederum sprach von einem "gemeinsamen, symbolträchtigen Schritt". Die Bilder passten "perfekt" nach Salzburg und würden auch keine Lücken in die Sammlungen des Bundes reißen. Man sei auch deshalb dem Anliegen des Landes nachgekommen, da die über viele Jahrhunderte gewachsenen Sammlungen des Bundes "inhaltlich lückenlos und zusammenhängend erhalten bleiben".

Den finanziellen Wert der Exponate - ein Großteil entstammt dem Kunsthistorischen Museum, 17 Werke dem Belvedere - konnten die Teilnehmer der Pressekonferenz nicht beziffern. Der Bund hat keine Schätzung vorgenommen. Zahlreiche ausgewählte Gemälde zeigen historische Salzburger Persönlichkeiten, auch Erzbischöfe, und Landschaftsansichten. Einige der Künstler sind anonym geblieben.

Als bedeutende Exponate hervorgehoben wurden bei der Pressekonferenz etwa der im Auftrag von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau entstandene "Arche Noah Zyklus" mit fünf großformatigen Bildern von Kaspar Memberger (1555-1618). Dieser gehört künftig zu den Beständen der Residenzgalerie. Von Bedeutung sind auch vier Salzburg-Ansichten des Künstlers Albrecht Christoph Dies aus dem Bestand des Belvederes, wovon zwei in Salzburg waren und zwei aus dem Ausland, aus Lima und Johannesburg, zurückgeholt wurden.

Kulturgüter werden digital erfasst

Im Rahmen der Verhandlungen mit dem Bund wurde auch beschlossen, eine bisher fehlende wissenschaftlich fundierte Dokumentation der Kulturgüter des Landes Salzburg, die bis zum Ende der Monarchie in Bundesbesitz gelangt sind, zu initiieren. In den kommenden fünf Jahren werden daher Wiener und Salzburger Experten an einer "digitalen Kulturgüterdatenbank" arbeiten, damit eine eindeutige Identifizierung und Dokumentation der betroffenen Objekte sichergestellt ist. Der Bund und das Land Salzburg werden dieses Projekt mit je 35.000 Euro pro Jahr unterstützen. Dazu wurde von Haslauer und Drozda ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnet.

Generaldirektorin Haag meinte, das Kunsthistorische Museum könne als Kompetenzzentrum für wissenschaftliche Erforschung des kulturellen Erbes der Republik einen grundlegenden Beitrag leisten. Belvedere-Generaldirektorin Rollig erklärte, dass an das Land Salzburg übertragene Werke in Salzburg "sicherlich gut aufgehoben" seien.

Obwohl nun ein Teil Salzburger Kultur wieder nach Hause gekommen sei und auch andere Kulturgüter wie die Festung Hohensalzburg und die Neue Residenz in das Eigentum des Landes gehen, sei die Vermögensauseinandersetzung mit dem Bund, etwa auch mit den Bundesforsten, noch nicht beendet, erklärte Haslauer.

(APA)

Aufgerufen am 18.06.2018 um 12:12 auf https://www.sn.at/kultur/bund-verschenkt-gemaelde-186-kunstwerke-gehoeren-nun-dem-land-662608

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