Kultur

Bundestheater bilanzieren mit 14 Mio. Euro Gewinn

Der Bundestheaterkonzern schließt das Geschäftsjahr 2015/16 mit einem Bilanzgewinn von 14 Millionen Euro ab. Nach Subventionserhöhung, Immobilienverkäufen und Mehreinnahmen bei Tickets hat man trotz des Schuldenbergs aus dem Burgtheater "in Pflicht und Kür gepunktet", berichtete Geschäftsführer Christian Kircher bei einer Pressekonferenz am Montag. Die Budgetplanung ist nun bis 2019 fix.

Bundestheater-Geschäftsführer Christian Kircher.  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Bundestheater-Geschäftsführer Christian Kircher.

Dass der Gewinn, der bis Herbst 2019 die steigenden Personalkosten decken und damit aufgebraucht werden soll, etwa gleich hoch ist wie die mit 2016 erfolgte Erhöhung der Basisabgeltung, steht in keinem direkten Zusammenhang: 46,7 Millionen Euro hat man etwa aus den Immobilienverkäufen, darunter das Stöcklgebäude im Hanuschhof, lukriert und teilweise auf die Töchter aufgeteilt, auch die Ticketerlöse sind in allen Häusern gestiegen, holding-weit auf 53,56 Millionen Euro (51,6 in Saison 2015/15). Einsparungen beim Personal betrafen den ganzen Konzern, vor allem aber das Burgtheater.

"Das Burgtheater ist gesund, aber man sieht noch das blaue Auge", fasste Kircher die Situation an der von den Malversationen der Vorgänger-Direktion in Bedrängnis gebrachten Sprechbühne zusammen. Von 2013 bis 2016 konnte der Verlust von 19,6 Millionen Euro auf ein Minus von 1,6 Millionen Euro (Stand 31. August) reduziert werden. "Die Ersparnis entspricht etwa einem Drittel des Jahresbudgets", so Kircher, der vor allem dem neuen Leitungsduo Karin Bergmann und Thomas Königstorfer Rosen streute.

Ein solcher "außerordentlicher Sparkurs" bedeute massive Einschnitte, die "einem Künstlerherz wehtun", für die Zukunft wolle man daher dringend wieder mehr Spielraum für neue Produktionen schaffen - heuer waren es 20. Etwa ein Drittel der Geldlücke hat das Haus jedenfalls durch eigene Anstrengungen geschlossen, zwei Drittel wurden von der Holding beigesteuert. Die Patronatserklärung, mit der die Holding im März 2014 das Bestehen des Burgtheaters sicherstellte, konnte im Februar 2016 widerrufen werden. Offen sind nach wie vor die rechtlichen Verfahren gegen die frühere Direktion, das zivile Verfahren wartet auf das strafrechtliche, seitens der Staatsanwaltschaft gibt es aber noch keinen Zeitplan.

Neben der "Pflicht der Aufarbeitung der Vergangenheit", die Kircher zu einer nüchtern formulierten Frohbotschaft veranlasste - "Ich darf berichten, dass der mittelfristige Fortbestand der Bundestheater gesichert ist" - hat man sich nicht zuletzt im Austausch gegen die Subventionserhöhung auch Leistungsvereinbarungen für die Zukunft auf die Fahnen geschrieben. Im Juni wurden diese sowohl mit dem Bundeskanzleramt als auch mit den Töchtern abgeschlossen, enthalten sind Punkte wie die stärkere Steuerung und Vereinheitlichung im Berichtswesen durch die Holding oder die Evaluierung der Auslastung von Ensembles und Spielstätten.

Sich in künstlerische Fragen einzumischen, "werde ich mich hüten", gestand Kircher. "Wenn ich etwas länger im Amt bin, werde ich da vielleicht einmal als Sparringpartner gesehen." Über Gagen und Engagements habe er nur dann zu diskutieren, wenn deswegen die Budgets steigen." Mit dem Subventionsgeber ist vereinbart, auf jeden Fall drei Jahre lang mit der angepassten Subvention von derzeit 162,9 Millionen Euro pro Kalenderjahr auszukommen, also im Herbst 2019 mit Null zu bilanzieren. "Als Ziel haben wir, auch ein viertes Jahr zu schaffen", so Kircher optimistisch. Danach muss eine weitere Erhöhung verhandelt werden, macht doch allein die Steigerung der Personalkosten jährlich 3,4 Millionen Euro aus. Weitere Immobilienverkäufe sind nicht möglich. "Jetzt ist wirklich das Tafelsilber übrig."

Die Bilanzen der einzelnen Häuser weisen durchgehend positive operative Ergebnisse (Betriebserfolg) aus, die Kartenerlöse wurden bei allen drei Bühnen gesteigert, während die Besucherzahlen nahezu unverändert sind. Der Rückgang der Sitzplatzauslastung um 5,34 Prozent am Burgtheater (auf 76,13 Prozent) ist etwa zur Hälfte der auf Rechnungshof-Anregung erfolgten Umstellung der Berechnungsformel geschuldet. Im Folgenden einige Jahresergebnisse in Tabellenform.

(APA)

Aufgerufen am 22.06.2018 um 05:21 auf https://www.sn.at/kultur/bundestheater-bilanzieren-mit-14-mio-euro-gewinn-334381

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