Kultur

"Certain Women": Eine Stimme fürs Indianerland

US- Schauspielerin Lily Gladstone über eine neue amerikanische Indianerbewegung und die Proteste von Standing Rock.

Lily Gladstone ist eine Entdeckung: In "Certain Women" spielt sie eine stille Rancharbeiterin, die sich in eine Lehrerin (Kristen Stewart) verliebt. Doch über die Schauspielerei hinaus hat Gladstone ein Anliegen, das ihr Leben bestimmt: Wie ihre Filmfigur hat auch sie indianische Vorfahren, und hat sich im Protest gegen die DakotaAccess Pipeline engagiert, die quer durch das Reservat Standing Rock gebaut werden soll und das dortige Trinkwasser gefährdet. Die Blockade gegen die Ölpipeline wurde letzte Woche endgültig niedergeschlagen. Bei der Viennale war Gladstone noch voller Zuversicht, und sprach vom Erwachen einer neuen indianischen Bürgerrechtsbewegung.

"Certain Women" ist der erste international erfolgreiche Film, in dem Sie eine Hauptrolle spielen. Was ist Ihr künstlerischer Hintergrund.
Lily Gladstone: Ich hab schon als Kind die Liebe zum Theater entdeckt.Jahrelang bin ich hauptsächlich mit meinem Theater durch alle US-Staaten getourt, mit einer aufklärerischen Ein-Frau-Show, in der es um soziale Gerechtigkeit geht. Sie handelt von historischen Traumata, wie von den Internaten, in denen junge Indigene zwangsweise zur Schule gehen mussten, und von indianischen "Code Talkers" im Zweiten Weltkrieg (die Navajo-Sprache wurde vom US-Militär als unknackbarer Code genutzt, Anm.). Ich habe auch an vielen kleinen Schulen gespielt, in denen dieser Teil der amerikanischen Geschichte nicht auf den Lehrplan steht.

Das ist eine gewaltige Verantwortung, das Interesse junger Leute dafür zu wecken.
Ja, noch dazu weil unsere Geschichte so komplex ist. In "Certain Women", spiele ich die Rancharbeiterin Jamie, aber ebenso vertraut ist mir die Lehrerin Beth, die Kristen Stewart da spielt, weil auch ich viel in abgelegenen Kleinstädten gespielt und unterrichtet habe.

Es gibt im Film diesen Moment, als Jamie in Beths Unterricht von der Idee erfährt, dass Schülerinnen tatsächlich auch Rechte haben. Als sie sich in Beth verliebt, kommt dieses Interesse vor allem daher, dass hier zum ersten Mal jemand die Zwangserfahrung ihrer Leute ernst nimmt. Ich weiß auch aus meiner eigenen Familie vom schmerzhaften Vermächtnis dieser Internatserfahrung, und dass viele Leute dadurch traumatisiert wurden. Das ist mir sehr wichtig, meine halbe Familie hat mit Bildung zu tun.

Und Sie haben das in anderer Form ja auch?
Genau, deswegen liebe ich das Geschichtenerzählen. Einer meiner liebsten Lehrer, der Aktivist und Dichter John Trudell, war ein wichtiger Teil der Amerikanischen Indianerbewegung (AIM) in den Tagen, bevor sie militant wurde. Ich hab einmal mit ihm darüber gesprochen, dass unserer Generation eine gemeinsame indigene Bewegung fehlt. Das war lange vor den Protesten in Standing Rock, und er hat mir damals gesagt: "Meine Generation hat dafür gearbeitet, dass ihr eine Stimme habt. Und die glaubwürdigste Stimme ist die Kunst."

Ist Standing Rock so etwas wie ein Neugründungsanlass einer amerikanischen Indianerbewegung geworden?
Ja, aus dieser Tragödie heraus ist unserer Generation eine Wiedervereinigung gelungen. Die neue Bewegung ist friedlich und sehr fokussiert auf den Schutz des Wassers im Standing Rock-Reservat. Es sind jetzt die ganz jungen Leute, die hier federführend sind. Es ist spannend, was aus dieser Bewegung entsteht.

Film: Certain Women, Drama. USA 2016. Regie: Kelly Reichardt. Mit: Kristen Stewart, Michelle Williams, Lily Gladstone. Start: 3. 3.

(SN)

Bilder zum Film „Certain Women“ SN/park circus/filmcasino
Bilder zum Film „Certain Women“
Bilder zum Film „Certain Women“ SN/park circus/filmcasino
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 SN/park circus/filmcasino
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Bilder zum Film „Certain Women“
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Bilder zum Film „Certain Women“
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Bilder zum Film „Certain Women“
Bilder zum Film „Certain Women“ SN/park circus/filmcasino
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Bilder zum Film „Certain Women“

Aufgerufen am 25.11.2017 um 04:59 auf https://www.sn.at/kultur/certain-women-eine-stimme-fuers-indianerland-39091

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