Kultur

Cinderella hört den Klang der Seele

Die elfjährige Alma Deutscher spielt Geige und Klavier - aber sie komponiert auch. Ihre Oper "Cinderella" wurde in Wien uraufgeführt.

Alma greift musizierend sogar ins Geschehen ein – mit Theresa Krügl (Cinderella).  SN/ohpera/rolf bock
Alma greift musizierend sogar ins Geschehen ein – mit Theresa Krügl (Cinderella).
(v.l.) Lorin Wey (Prinz), Gregor Einspieler (König), ), Florian Stanek (Minister). SN/APA/CHRISTA FUCHS
(v.l.) Lorin Wey (Prinz), Gregor Einspieler (König), ), Florian Stanek (Minister).
(v.l.) Theresa Krügl (Cinderella), Lorin Wey (Prinz), Anna Voshege, Katrin Koch (Stiefschwestern). SN/APA/CHRISTA FUCHS
(v.l.) Theresa Krügl (Cinderella), Lorin Wey (Prinz), Anna Voshege, Katrin Koch (Stiefschwestern).
Theresa Krügl (Cinderella), Alma Deutscher.  SN/APA/CHRISTA FUCHS
Theresa Krügl (Cinderella), Alma Deutscher.

Wer elfjährige Kinder zu Hause hat, aufgepasst! Wer weiß denn schon genau, was in solch zarten Wesen schlummert? Da ist etwa eine Elfjährige namens Alma Deutscher, die wirkt auf den ersten Blick völlig normal, ist entzückend, zugänglich, spielt gern mit ihrer Springschnur - und schreibt Musik. Was heißt Musik: Am Donnerstag wurde eine dreistündige Oper von Alma Deutscher uraufgeführt. Im Casino Baumgarten ging die mit Spannung erwartete Premiere über die Bühne, und man durfte verblüfft sein. Auch wenn Erwachsene beim Libretto geholfen haben - die Musik ist allein von Alma.

Nach diesen drei Stunden kriegt das unbeschwerte Kind, das sogar leibhaftig im Bühnengeschehen mit blitzsauberem Ton als Geigerin auftauchte und sich am Klavier Passagen vorbehalten hatte und das vor allem sich so offensichtlich und herzlich über die Standing Ovations freute, doch so etwas wie die rätselhafte Aura eines Aliens.

"Alma ist ein Genie", hat kürzlich Zubin Mehta vollmundig gesagt, der den Ehrenschutz übernommen hatte. Er empfahl seinem Freund Barenboim, sich das Kind anzuhören. "Daniel war verblüfft, ließ aber Almas Vater holen, um ihm viele Fragen zu stellen." Barenboim hat Erfahrung als Klavierwunderkind. Dass Alma Deutscher nicht zur Schule geht, sondern zu Hause privat unterrichtet wird, "da waren wir anderer Ansicht", sagt Zubin Mehta. Almas Vater Guy Deutscher hat am Libretto mitgearbeitet. Ist er ein Leopold à la Papa Mozart? Vielleicht, da muss man wohl abwarten.

Die Idee, das Märchen von "Cinderella" aufzugreifen und in ihrem eigenen (Musik-)Kosmos zu verankern, hatte Alma. Im Königreich Transylvanian wächst das sehr musikalische Mädchen Cinderella nach dem frühen Tod der Mutter beim Vater, einem Operndirektor, auf. Leider heiratet dieser eine gealterte Primadonna, die zwei Töchter in die Ehe mitbringt, und stirbt ebenfalls. Unter den drei furchtbaren Zicken, muss man wohl sagen, hat Cinderella kein leichtes Leben.

Am Königshof wiederum geht es mit der Gesundheit des Königs bergab, der Prinz soll übernehmen - doch der schreibt lieber Gedichte. Und eine Braut bräuchte er auch. Der Minister hat die Idee: ein Ball, dazu ein Gesangswettbewerb, alles käme zusammen. Im Hause von Cinderella bricht nach der Einladung ein Wettkampf unter den Stiefschwestern aus, während Cinderella ausgesperrt bleiben soll. Zufälligerweise begegnen der gutmütige Prinz und die gutherzige Cinderella einer alten Frau mit Feeneigenschaften. Im Besitz der Verse des Prinzen komponiert Cinderella ein zu Herzen gehendes Lied. Der Ball ist ein Desaster, der Prinz muss seine unbekannte Angebetete suchen und findet sie über ihre Musik, den "Klang der Seele", wie er sagt. Und wenn sie nicht gestorben sind . . .

Die Möglichkeiten im Casino Baumgarten sind beschränkt, die Bühne wird mit Projektionen bebildert, Regisseur Dominik Am Zehnhoff-Söns setzt auf Grelligkeit bei den Figuren. Stiefmutter (Catarina Coresi) und Stiefschwestern (Anna Voshege und Katrin Koch) treiben das auf die Spitze. Ein nettes Paar sind Therese Krügl als Cinderella und Lorin Wey als Prinz, Sopran und Tenor, was sonst. Auch die anderen Figuren sind angemessen besetzt, ein junges, engagiertes Ensemble. Das Orchester leitet Vinicius Kattah mit Nachdruck.

Das muss man der blutjungen Komponistin lassen: Sie hat bei allen Reminiszenzen an Frühklassik und Romantik in ihrem Singspiel jegliche Banalität in ihrem harmonischen Kosmos vermieden und theatermäßig instrumentiert. Kommt etwa die Stiefmutter, klingt es fast nach Königin der Nacht. Cinderella hat eine rührende Ballade, es gibt sogar ein Schlussoktett. Eines ist jedenfalls sicher: Alma Deutscher ist wahrlich ein Phänomen.

Oper:"Cinderella" von Alma Deutscher. Ensemble Oh!pera. Casino Baumgarten. Noch 4. und 5. 1.

(SN)

Aufgerufen am 13.12.2017 um 03:40 auf https://www.sn.at/kultur/cinderella-hoert-den-klang-der-seele-568876

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