Kultur

Conchitas "illustrer Liederabend" in Linz ohne viel Glanz und Glamour

Ein deutliches Lebenszeichen hat Conchita Freitagabend im Linzer Brucknerhaus von sich gegeben, wenngleich sie nicht mehr so dick aufträgt.

Archivbild SN/heinz bayer
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Die Dragqueen ist männlicher geworden, weniger aufgebrezelt, und auch ihr Schöpfer Tom Neuwirth tritt ins Rampenlicht. Gemeinsam gaben sie einen "illustren Liederabend" ohne viel Glanz und Glamour, begleitet vom Brucknerorchester. Der Saal tobte.

Schon beim vergleichsweise unspektakulären ersten Auftritt auf die Bühne in goldener, weiter Hose und Rüschenhemd, das später gegen ein blaues Samt-Sakko eingetauscht wurde, erhielt Conchita Standing Ovations. Was in dem knapp eineinhalbstündigen Programm von "Love.Respect.Conchita" folgte, war die bekannte Hommage an ihre Vorbilder wie Shirley Bassey, Cher, Nancy Sinatra und Prince - dieses Mal aber eingebettet in einen orchestralen Rahmen. Ihre Stimme kann da ohne weiters mithalten, auch wenn man vor der Pause den Eindruck hatte, dass Gesang und Musik öfters gegen- als miteinander gingen.

Erst im zweiten Teil des Abends mischte die Tontechnik besser ab, somit wurden die Songtexte akustisch verständlich. Nicht alle waren nämlich hinlänglich bekannt, denn Conchita präsentierte auch neue, von ihr mitgeschriebene Nummern. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Album, aus dem sie zwei bisher "fertige" Songs wählte, die aber möglicherweise "noch nicht fertig sind": "Waters run deep" und "The Truth". Vor allem der zweite, den sie in Berlin komponiert habe, "liegt mir sehr am Herzen" - er könnte locker als James-Bond-Titel durchgehen.

Natürlich würdigte die Dragqueen auch gebührend den Eurovision Song Contest, mit dem sie den Durchbruch vor "zweieinhalb Jahren oder so?" schaffte. Ihrer Mutter, die im Publikum saß und sich von ihrem Kind Lieder in Deutsch wünsche, sang sie von Trude Herr "Morgens bin ich immer müde" vor. Diese Nummer coverte die deutsche Band Laing für die Bundes-Vorentscheidung zum Contest 2013 und landete auf Platz zwei. Als Dank an alle "Alltagshelden" wählte sie die Siegesnummer von 2015 aus Schweden "Heroes" und als Zugabe schmetterte sie ihren Gewinner-Hit "Rise Like a Phoenix".

Danach waren die Zuschauer im ausverkauften Brucknerhaus nicht mehr zu halten, minutenlanger Applaus und Fußgetrampel begleiteten Conchitas Abgang von der Linzer Orchesterbühne. Und das, obwohl die Performance des Abends nicht so ganz zu der bisher zur Schau gestellten Diva passte. Ohne Pomp und große Worte von einer Kunstfigur, die mit ihrer Erscheinung ein Zeichen "für respektvollen Umgang mit allen Menschen" setzen will. In Linz wirkte sie beinahe ein wenig unmotiviert. Ob das an der problematischen Tontechnik lag oder daran, dass sich Tom Neuwirth langsam aber sicher wirklich von Conchita verabschiedet und ein neues Alter Ego geboren wird, bleibt offen.

Quelle: APA

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