Kultur

"Der Carneval in Rom" in Baden wiederbelebt

Eine Woche vor Weihnachten bricht Faschingsstimmung im Stadttheater der Bühne Baden aus: Regisseurin Monika Steiner hat die Operette "Der Carneval in Rom" von Johann Strauß wiederentdeckt und die Handlung in die Fünfzigerjahre verlegt, pastellfarbene Vespa inklusive. Die Premiere am Samstagabend wurde freundlich akklamiert.

Das 1873 - ein Jahr vor der "Fledermaus" - am Theater an der Wien uraufgeführte Werk erreichte noch im selben Jahr insgesamt 54 Vorstellungen und schaffte es in weiterer Folge auf rund 70 Bühnen zwischen Basel und New York. Dann geriet es in Vergessenheit und wurde vor zwölf Jahren an der Staatsoperette Dresden erfolgreich aus der Versenkung geholt. Die Badener Produktion ist offenbar die erste in Österreich seit dem Ableben des Komponisten.

Die Geschichte von der verliebten Marie (Jerica Steklasa), die in einem Tiroler Bergdorf ihrem Angebeteten, dem Maler und Schwerenöter Arthur (Sebastian Reinthaller) nachtrauert, ihm schließlich - als junger Mann verkleidet - nach Rom nachreist und ihn dort zurückerobert, ist wohl etwas schnulzig, die Musik hingegen gar nicht. Anspruchsvolle Arien, wohlgesetzte Ensembleszenen, schmissige Intermezzi - da handelt es sich durchaus um Strauß'sche Qualität.

Hinzu kommen weitere Buffo-Paare: die kokette flirtsüchtige Gräfin Falconi (stimmlich hervorragend: Barbara Payha) und ihr eifersüchtiger Gemahl (Stephen Chaundy) sowie der Maler Robert Hesse (Sebastian Huppmann) und sein wichtigtuerischer Freund Rafaeli (einmal mehr darstellerisch brillant: Beppo Binder) bilden eine reizvolle Konstellation.

Passende Ingredienzien für eine musikalische Komödie sind somit vorhanden, die bunte, stilsichere Ausstattung (Friedrich Despalmes) mit einem schwenkbaren Oval, jeweils Bild- oder Brunnenrand, und die flotte, mit Slapstick-Elementen versetzte Choreografie (Michael Kropf) tun ein Übriges zur optischen Attraktivierung. Franz Josef Breznik sorgt im Orchestergraben für angemessene Tempi.

Die Inszenierung braucht anfangs ein wenig Anlauf, um in die Gänge zu kommen, doch dann geht's fein dahin. Reinthallers Auftritt als sonnenbebrillter verkleideter Kapuzinermönch, der gefälschte Reliquien ans leichtgläubige Volk verscherbelt, zählt wohl zu den Höhepunkten des Abends. Dass der Refrain ("Nimm ihn hin, er sei dein, und mein Segen obendrein") seinerzeit zum Schlager wurde, lässt sich gut nachempfinden. Summa summarum eine verdienstvolle Wiedererweckung - vielleicht findet dieses lange vergessene Opus ja doch noch den Rückweg ins Operettenrepertoire. Überhaupt, wenn ihm so viel redliches Bemühen zuteil wird wie in Baden.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.09.2018 um 04:06 auf https://www.sn.at/kultur/der-carneval-in-rom-in-baden-wiederbelebt-599308

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