Kultur

Der Depp und das Weiße Haus

Donald Trump jr. legt sich mit Johnny Depp an und möchte, dass der Schauspieler keine Arbeit mehr bekommt. Doch ist er stark genug, sich einem Piraten in den Weg zu stellen?

Wer will sich einem wie Johnny Depp in den Weg stellen? SN/Grant Pollard/Invision/AP
Wer will sich einem wie Johnny Depp in den Weg stellen?

Zunächst das Zweifellose: Johnny Depp gehört zu den Hochbegabten unter den Schauspielern. Johnny Depp spielt alles so, dass sich selbst durch kleine Gesten Welten öffnen können. Dazu braucht er als Jack Sparrow, Pirat der Karibik, bloß das Gesicht verziehen. Johnny Depp ist Rockstar und Cowboy und Freibeuter.
Nun scheint es aber, als kommandiere er sein Lebensschiff auf Schlingerkurs. Und die Stürme der Klatschmedien wehen die Frage daher: Wie lange wird sich dieses Abenteuer noch ausgehen? Johnny Depp schlingert.
Die Frau ist weg. Das kostete viel Geld. Er soll pleite sein. Vor Gericht kommen interne und private E-Mails an die Öffentlichkeit. Geklagt hatten Depps ehemalige Businessberater.

Disney soll Depp verbannen

Nun hat er auch das Weiße Haus - oder besser: dessen Ableger - zum Feind. Donald Trump jr. möchte, dass Johnny Depp keine Arbeit mehr bekommt. Jedenfalls beim Filmstudio Disney, wo die erfolgreiche "Pirates of the Caribean"-Serie entstand
Wenn ein Pirat von der Staatsmacht ins Visier genommen wird, kann das zur Legendenbildung beitragen. Hier kommt Keith Richards ins Spiel. Depp ist eine Art legitimer Thronfolger von Keith Richards auf der Kommandobrücke der letzten Unangepassten. Und es ist nicht nur ein Faible für das gleicht Outfit - Ohrringe, Lederfetzen, Kopftuch, Unheil versprechende Ringe, unrasiert - das diese beiden verbindet. Richards war ja lange Zeit auch eine Art Staatsfeind. Einmal wurde er wegen Verstoßes gegen Rauschmittelverbote in Toronto verhaftet. Gesetzesverstoß liegt bei Depp keiner vor. Ihm wird indirekt unauffällig gedroht. Donald Trump jr. schrieb am Wochenende: "Ich würde glauben, es wird schwer für Disney, ihn zu halten." Dazu gab es den Hashtag #FireDepp".
Was war eigentlich passiert?

Ein Witz über einen Mord klingt nie gut

Depp hatte vergangene Woche auf einem Filmfestival im englischen Glastonbury einen Witz über einen Mordanschlag auf Donald Trump gemacht, allerdings ohne Trump dabei zu nennen. "Wann war das letzte Mal, dass ein Schauspieler einen Anschlag auf einen Präsidenten verübt hat?", sagte Depp. Seine Frage spielte offenbar auf den Anschlag auf den ehemaligen Präsidenten Abraham Lincoln durch den Schauspieler John Wilkes Booth im Jahr 1865 an.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, war empört, dass die Aussage so wenig Empörung hervorgerufen hatte. Und Depp entschuldigte sich auch: "Es kam nicht wie beabsichtigt rüber, und ich beabsichtigte keine Bosheit", sagte der 54-Jährige dem Magazin "People". Depps Aussage basiert wohl auf seiner Haltung als Freigeist. Er misstraut dem System, in dem er sich bewegt, zutiefst. Depp wollte witzig sein. Das ist dieser Satz nicht. Dennoch steht der Satz für eine Haltung, mit der er sonst leicht Sympathie bekommt: Nichts gefallen lassen, von nichts und niemandem. So wie die Piraten.

Johnny Depp als letzter Pirat

Gefährlich waren die Piraten, und zumindest in vielen literarischen Aufbereitungen waren sie der endgültige Traum von Freiheit und Abenteuer. "Das war auch die Idee, warum ich diese Rolle gern spielen wollte", sagte Depp auf die Frage, warum er die Rolle des Jack Sparrow annahm. Der getweeteten Präsidenten-Sohn-Ratschlag für Disney lässt sich fast als Notwehr gegen einen unheimlich populären Gegner lesen. Nur wenn der verschwindet hat man Ruhe. Disney schweigt übrigens zu dem Vorschlag. Probleme hatte es für Disney mit Depp aber angeblich schon bei den Dreharbeiten zum fünften Teil "Pirates of the Caribbean" gegeben, der im Mai in den Kinos gestartet war. Und es war in verschiedenen Meldungen zu lesen, dass Disney ohnehin gar nicht mehr an Depp interessiert sei.

Ein Überheld auf schwerer See

Der Überheld bewegte sich also in schwerer See. Der Tweet von Trump jr. ist dabei vielleicht sein kleinstes Problem. Im Vergleich zu den Reaktionen auf andere Kurznachrichten aus dem Umfeld der Weißen Hauses, gab es auf die Aussage von Trump jr. wenig Reaktion. Gerade einmal 15.000 Menschen zeigten Sympathie für seinen Tweet. Bei anderen Meldungen sind das schnell einmal 50.000. Sein Vater Donald Trump hat auf Twitter eine Gefolgschaft von zirka 33 Millionen Menschen. Da kommen die 15.000 "Gefällt-mir-Angaben" für die auf Depp bezogene Aussage recht unscheinbar daher.

Das mag auch daran liegen, dass Depp wahrgenommen wird als einer der letzten großen Stars, deren Ausstrahlung nicht allein von der Leistung auf der Leinwand abhängt und dem man eine übers Ziel geschossen Aussage leicht verzeiht.

Wer Depp gefährlich werden kann

Depp sei einer "der Letzten von Hollywoods Star-Generation", sagte Christian Huber vom Wiener Filmmuseum kürzlich in einem Interview. Nicht nur "Präsenz und Charisma, sondern auch Talent" habe er und so rage Depp "als etwas Besonderes heraus". Dieses Besondere trotzt dann auch üblichen Konventionen. Daher besteht auch weniger die Gefahr, dass Trump jr. einen wie Depp aufhält. Die Frage ist eher, ob Depp nicht selbst den Kurs verliert?

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Aufgerufen am 16.08.2018 um 05:41 auf https://www.sn.at/kultur/der-depp-und-das-weisse-haus-13684156

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