Kultur

Der Heizer im Rockkraftwerk: AC/DC-Gründer Malcolm Young ist tot

Simple Riffs, mit denen die Weltherrschaft erlangt wird: Mit dem Tod von Malcolm Young verliert die Rockwelt einen Mann, der pralles Leben in jeden Ton bringen konnte.

Malcolm Young war einer der Gründer der legendären Rockgruppe SN/APA (www.picturedesk.com)/Steve
Malcolm Young war einer der Gründer der legendären Rockgruppe

Malcolm Young trat selten ganz nach vorn. Er brauchte auf der Bühne nicht viel Platz - im Gegensatz zu Sänger Brian Johnson oder zu seinem Bruder Angus an der Gitarre.

Und weil er nicht viel Platz braucht, weil er kein grelles Blendlicht braucht, das ihn groß macht, steht Malcolm Young so exemplarisch für Macht seiner Band - und diese Band heißt AC/DC. AC/DC steht für die Verdichtung jeder einfachen Dinge, die die Rockmusik so groß und mächtig und bedeutend und unverzichtbar machen.

Ein klares Riff. Ein fester, harter Rhythmus. Ein paar eindringliche Zeilen. Und ab geht der Rock'n' Roll Train.

Nun ist der Mann tot, der im Heizkessel dieser Dampflok schuftete. Am Samstag wurde auf der Homepage der australischen Band bekanntgegeben, dass Malcolm Young nach einigen Jahren der Demenz verstorben ist. Er wurde 64 Jahre alt. Die Rockmusik verliert endgültig einer ihrer wichtigsten Gitarristen.

Abhanden gekommen war uns Malcolm ohnehin schon vor drei Jahren, als er sich nach einem Schlaganfall und dem Beginn der Demenz von der Band zurückziehen musste.

Die Stimme dieser Band war (und blieb es für viele immer) Bon Scott, der im Februar 1980 starb. Die Gallionsfigur, der Mann an der Rampe war Angus Young, der Mann in der Schuluniform, der mit Mitte 60 immer noch so über die Bühnen fegt, als wäre er gerade 20.

Doch das Herz dieser Band, das Kraftwerk, das die Fahrten auf dem Highway zu Höllenfahren werden ließ, war Malcolm Young. Er schlug die Akkorde präzise wie ein Uhrwerk und doch klang nichts mechanisch, wurde alles mit Blut und Leben erfüllt.

"Heute müssen wir mit tiefer Traurigkeit mitteilen, dass Malcolm Young nicht mehr bei uns ist", schreibt die Band auf Facebook. "Zusammen mit Angus war er der Schöpfer von AC/DC, und mit seiner enormen Hingabe war er die treibenden Kraft in der Band."

Und besser als mit dem Ausdruck "treibende Kraft" lässt sich überhaupt nicht beschreiben, was Malcolm Young für AC/DC und - wegen des Einflusses dieser Band - auch auch für ganze Heerscharen von Rockgitarristen darstellt.

"Als Gitarrist, Songwriter und Visionär war er ein Perfektionist und ein einzigartiger Mann", steht auf der Homepage weiter.

Malcolm hatte die Band 1973 mit seinem Bruder Angus und Freunden gegründet. Ein dutzend Mal haben Bandmitglieder gewechselt. Als nach schwerem Alkoholexzessen Bon Scott am 19. Februar 1980 gestorben war, schien es das Ende zu sein.

Wenige Monate später aber produzierte AC/DC mit dem neuen Sänger Brian Johnson ihr bislang immer noch erfolgreichstes Album "Back in Black". Das lag vor allem auch an der Konstanz, mit der Malcolm und auch Angus an ihrem Stil fest hielten. Sie machen keine Spielchen. Alles ist auf den Endzweck ausgerichtet, in dem Rhythmus- und Melodielinie auf der Basis relativ simpler Rockriffs zu einer unzertrennlichen und so auch unausweichlichen Einheit wurde.

Wie es mit der Band weitergeht, weiß keiner. Nach dem Abschied von Malcom Young vor drei Jahren hatte seine Cousin Steve den Job übernommen. Dann hatte Sänger Brain Johnson schwere Hörproblem bekommen und es war Axl Rose für ihn eingesprungen. Aber das ist alles nur die Hälfte wert, auch wenn es immer noch gut klingt.

Angus Young schrieb nun der Homepage als letzten Gruß für seinen Bruder: "Job well done". So hart das klingt: Vielleicht ist es Zeit, es zu lassen. Vielleicht reicht, was AC/DC für uns getan hat. Und es sollte alles damit enden, dass wir Malcolm Young nun eine Gitarre in das Grab legen, die ohnehin auf immer klingen wird.

Aufgerufen am 19.12.2018 um 12:29 auf https://www.sn.at/kultur/der-heizer-im-rockkraftwerk-ac-dc-gruender-malcolm-young-ist-tot-20653507

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