Der schrecklich grelle Schein der Prominenz

Am Beispiel Jolie und Pitt: Das Geschäft mit den Reichen und Schönen ist ein Märchen, das besser nicht gut ausgeht.

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Kunst & Kultur in Österreich und auf der ganzen Welt Bernhard Flieher

Dass Angelina und Brad - so viel Nähe muss gestattet sein, waren die beiden doch weltweit in den Wohnzimmern zu Gast - sich trennen, wenn also auch dieses Traumduo als Paar scheitert, ist das nichts Besonderes. Auch nur Menschen - obwohl beide längst einen Heiligenschein im Promi-Universum tragen.

Bitter ist ja bloß, dass für viele bedenkenlose Anhimmler zu solcher Erkenntnis eine Trennung oder wirkliche Tragödien notwendig sind. So funktioniert das eben in einer Welt, in der ganze Branchen - von TV-Sendern über Hochglanzmagazine bis zu Casting-Shows - vom Verkauf der Prominenz leben. Und freilich leben sie auch davon, dass sich Möchtegern-Prominente selbst zum Verkauf anbiedern. Für Jolie und Pitt gilt das nur bedingt. Beide sind gute Schauspieler, engagieren sich für wichtige Probleme dieser Welt. Und doch sind die beiden Role-Models im Geschäft mit der Prominenz, das nichts als Projektionsflächen für andere erzeugt, deren Träume in kleinen Zweizimmerwohnungen in schäbigen Vororten dauernd an einer viel zu niedrigen Decke platzen.

Eine durchkapitalisierte Welt, die stets das Nochneueste anpreist, obwohl das Allerneueste doch gerade erst auf den Markt gekommen ist, funktioniert längst auch in der Promi-Welt. Dort werden dann halt Menschen und alle trivialen Informationen über sie, alles, was man eigentlich gar nicht wissen will, was man ganz bestimmt nicht wissen braucht, dem man aber im durchgestylten Ablenkungsfeuer kaum mehr auskommt, zu einer lukrativen Ware.

Im kaufenden Publikum schlummert nämlich offensichtlich diese Sehnsucht nach etwas Besserem, das oft mit Reichtum und Schönheit verwechselt wird - erst recht in Zeiten, da Reichtum und Wohlstand für immer weniger übrig bleiben. Das Glitzern von Königshäusern, der scheinbar schwerelose Lebensstil von Hollywood-Ikonen und Firmenbesitzern - das wird massenhaft serviert als wunschloses Glück. Wenn das Unerreichbare, das Überschöne und Obszönreiche bröckelt wie Make-up nach einer durchzechten Nacht, taugt es noch einmal als Verkaufsschlager auf dem Markt der Trivialität.

Bei feinfühliger Betrachtung aber ist alles - der helle Schein und später die Heldendämmerung - Blendwerk in einer wild gewordenen und offenbar nach größtmöglicher äußerer Ablenkung lechzenden Welt. Frau Jolie und Herr Pitt - das war zu schön, um wahr zu sein. So wie ein Märchen, als das die Geschichte dieser beiden und so vieler anderer rasend gut verkauft wurde. Aber es ist kein Märchen, sondern das Leben - dessen Wahrheit spielt für die meisten nicht im Rampenlicht, sondern in dessen Schatten.

Aufgerufen am 26.09.2018 um 08:49 auf https://www.sn.at/kultur/der-schrecklich-grelle-schein-der-prominenz-1041352

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