Kultur

"Die beste aller Welten": Was ist das für eine Mutter?

"Die beste aller Welten" ist ein Filmwunder aus Salzburg-Liefering. Nun kommt das Drama ins Kino. Die SN sprachen mit Hauptdarstellerin Verena Altenberger.

Aufwachsen zwischen Drogendealern und Junkies, Sozialarbeitern und Volksschulfreunden und in langen romantischen Sommernächten an der Salzach: Es ist seine eigene Kindheit, die der erst 25-jährige Regisseur Adrian Goiginger in "Die beste aller Welten" verfilmt hat, als Sohn einer heroinsüchtigen jungen Frau, im Problemviertel Liefering.

Den kleinen Adrian spielt der begabte St. Johanner Volksschüler Jeremy Miliker. Doch es ist kein trister Problemfilm geworden, sondern einer voller Humor und Hoffnung. Und es ist eine Liebeserklärung an eine Mutter, die ihren inneren Dämon immer wieder niederringt.

Gespielt wird diese Frau fulminant von der Dorfgasteinerin Verena Altenberger, die seit letztem Jahr in der RTL-Fernsehserie "Magda macht das schon" eine polnische Altenpflegerin spielt (derzeit wird die zweite Staffel gedreht). Bei der Diagonale wurde Altenberger für ihre Leistung in Goigingers Film als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Nun kommt der Film ins Kino.

Das Mutter-Sohn-Verhältnis zwischen Jeremy und Ihnen ist der Kern des Films. Wie ist das so gut gelungen? Ich habe Jeremy früh kennen gelernt, fast ein halbes Jahr vor Drehbeginn. In der Zeit haben wir uns mindestens zwei Mal die Woche getroffen, mit dem Regisseur Adrian Goiginger, aber auch ganz privat. Wir waren in Salzburg zum Beispiel im Haus der Natur oder einfach Fußballspielen und nach und nach haben wir auch Filmszenen gespielt. Einmal war er zum Beispiel bei mir, und als er Mittagessen wollte, hab ich gesagt: "Ich hab jetzt aber kein Geld, mit dem wir uns was kaufen können, aber wir könnten Pfandflaschen zurückbringen. Dann geht es sich vielleicht aus." Das haben wir auch gemacht. Unterwegs schauten wir, ob wir noch mehr Flaschen finden und haben von dem Geld dann Nudeln und Ketchup gekauft. Das war ein großes Rollenspiel, das uns beiden aber auch Spaß gemacht hat.

Sie hatten zu Vorbereitung Briefe, Tagebücher und Videoaufnahmen von Adrian Goigingers Mutter Helga zur Verfügung. Haben Sie darüber hinaus noch recherchiert, was Drogensucht ausmacht? Ja, und bei so einer Recherche wird man durchaus auch mit eigenen Vorurteilen konfrontiert. Ich wollte einerseits Drogensucht und die Gründe dafür verstehen, andererseits auch den offenen Blick behalten. Ich habe mich dabei von außen nach innen vorgearbeitet: Ich habe mit Ärztinnen gesprochen, um zu verstehen, was da körperlich passiert, wenn sich jemand gerade einen Schuss gesetzt hat oder auf Entzug ist. Ich war bei Drogenberatungsstellen und habe Kontakte zu Exjunkies gesucht, die mir von ihren Erfahrungen erzählt haben. Aber ich habe mir nicht vorstellen können, wie der Alltag eines Junkies aussieht, wie es diese Frau acht Jahre lang geschafft hat, heroinabhängig zu sein und trotzdem ihren Buben jeden Tag in der Früh zu wecken und in die Schule zu schicken. Die Extreme hat man ja vor Augen, aus Dokus oder weil man jemanden am Bahnhof in der Ecke liegen sieht.

Das ist ja eine Besonderheit dieses Films: Diese Lebensrealität zu zeigen, ohne voyeuristisch oder spekulativ zu sein Dieser Alltag hat mir aber noch gefehlt, und dann habe ich mir gedacht, ich muss wirklich in die Szene gehen. Ich selbst habe überhaupt keine Drogenerfahrungen und keinerlei Anknüpfungspunkte, deshalb bin ich dann zum Salzburger Hauptbahnhof, habe die Leute angesprochen.

Durch die Vorrecherchen habe ich schon einen ganz guten Blick gehabt dafür. Ich bin also hin, und habe gesagt: "Ich spiele in einem Film mit, bei dem der Regisseur selbst aus dem Milieu kommt. Das soll kein Film mit Zeigefinger sein, sondern einer, der offen zeigt, wie das passiert." Die meisten haben mir dann ihre Geschichten erzählt, haben mich sogar zu sich nach Hause eingeladen. Im Endeffekt habe ich da dann eine Art Netzwerk aufgebaut und war wochenlang immer wieder zu Besuch in den WGs unterwegs, wo ich aus- und eingehen konnte. Das war so ein großes Glück, dass die mich haben teilhaben lassen.

Ein Teil dieses Vertrauens hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass Sie Salzburger Dialekt können, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Das trägt auch sehr zur Glaubwürdigkeit des Films bei. Ja, sicher. Die Helga ist grundsätzlich relativ weit entfernt von mir, ich habe kein Kind, ich habe keine Drogenerfahrungen. Aber irgendwie habe ich doch ihre Charakterzüge nachvollziehen können. In meiner Wahrnehmung ist sie ein eher warmer Mensch. Da ich auch nicht besonders extrovertiert bin, habe ich mich in den Grundzügen durchaus wiedererkennen können.

Die gemeinsame Sprache war da sicherlich hilfreich, denn wir haben gerade in den Szenen mit meinem Film-Sohn Jeremy viel improvisiert, die Szene laufen lassen, um zu sehen, was passiert. Wenn der Film auf Hochdeutsch oder auf Englisch gewesen wäre, dann wäre diese Selbstverständlichkeit weg gewesen. So aber hat das wunderbar funktioniert.

Kino: "Die beste aller Welten", Drama, Österreich 2017, Regie: Adrian Goiginger, mit Verena Altenberger, Jeremy Miliker, Lukas Miko, Michael Pink. Start: 8. September
Salzburg-Premiere mit Regieteam und Schauspielern: Das Kino, Freitag, 8. September, 18 und 20.30 Uhr.

Quelle: SN

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