Kultur

"Don Camillo & Peppone": Ideologiekampf im Italopopgewand

Italopop statt Agitprop: Die "Don Camillo & Peppone"-Verfilmungen von Giovannino Guareschis Romanen gehören zu den Klassikern der italienischen Filmkomödie. Im Wiener Ronacher erlebte der humorvolle Kampf zwischen einem Dorfpfarrer und einem kommunistischen Bürgermeister nun seine Erstaufführung als Musical - als schmissiges Musiktheater mit mediterranem Aroma.

"Don Camillo & Peppone" wird im Ronacher gespielt.  SN/APA/ROLAND SCHLAGER
"Don Camillo & Peppone" wird im Ronacher gespielt.

Verantwortlich für die Transponierung des Schwarz-Weiß-Kinoklassikers in Farbe und auf die Bühne ist mit Michael Kunze als Librettist und Dario Farina als Komponist ein routiniertes Duo. Während Kunze hinter Hitproduktionen wie "Elisabeth" oder "Tanz der Vampire" steht, heimste Farina mit Italohits wie Al Bano & Romina Powers "Felicita" Erfolge ein. Und auch bei "Don Camillo & Peppone"-Nummern wie "Heimat" scheint der Pastapop aus Farinas Feder nur allzu deutlich durch.

So kommt das neue VBW-Musical mit seiner Mischung aus 80er-Jahre-Italohits, Swing und Mambo, Synthiepop und vielen Chorarrangements weit weniger pathetisch oder dramatisch daher als viele der großen Erfolge der Vereinigten Bühnen Wien. Weniger die großen Orchesterarrangements von "Elisabeth" oder "Rebecca" stehen im Vordergrund als vielmehr die mitreißenden Einzelnummern.

Im Zentrum steht auch in der Bühnenfassung der Ideologiekampf zwischen dem streitbaren Pfarrer Don Camillo und dem frisch gewählten, kommunistischen Bürgermeister Peppone im kleinen, italienischen Dorf Boscaccio des Jahres 1947 - ohne dabei Aktualisierung oder Bezüge zum Zeitgeschehen zu setzen. Wo die Sympathien des Kreativduos Kunze/Farina liegen, scheint dabei relativ klar, ist doch Don Camillo die unzweifelhafte Hauptfigur des Abends, der auch die präsenteren Nummern zugestanden werden. Der Wahl-Wiener Andreas Lichtenberger tritt hier in die Fußstapfen des großen Komikers Fernandel und dominiert mit wirkmächtigem Bariton die Szenerie.

Frank Winkels hat es da als roter Gegenspieler etwas schwer, sich das nötige Gehör zu verschaffen. Am Ende werden jedoch alle Streithähne versöhnt, als sich Gina, Tochter eines reichen Grundbesitzers, mit ihrem armen Geliebten Mariolino in bester Romeo-und-Julia-Manier umbringen will. Hier entwickeln die beiden Nachwuchssänger Jaqueline Reinhold und Kurosch Abbasi jedoch eine so große Fallhöhe der stimmlichen Leistung zuungunsten des Dorfromeos, dass sich die Chemie auf musikalischer Ebene nicht so recht einstellen will. Dafür stellt Femke Soetenga als ebenso resolute wie charmante Lehrerin eine echte Entdeckung für die VBW dar.

Die wirkliche Überraschung des Abends ist aber Musicaldoyenne Maya Hakvoort. Die 50-Jährige spielt in der Rahmenhandlung die zur Greisin gealterte Gina so frappant überzeugend, das der Zuschauer nur durch die jugendliche Stimme im vermeintlich überreifen Körper einen Hinweis auf das wahre Alter der Figur erhält.

Die Koproduktion mit dem Theater St. Gallen, dem im vergangenen April das Recht der ersten Nacht in Form der Uraufführung zugestanden wurde, setzt dabei auf Kulissen, die vom Himmel des Bühnenturms in Rekordzeit herabschweben und so filmisch-schnelle Szenenwechsel erlauben. Auch verantwortet Regisseur Andreas Gergen, Salzburgs Operndirektor, der wieder einmal für eine VBW-Inszenierung verantwortlich zeichnet, nette Regieideen wie kleine Katzen- und Hundepuppen als bewegliche Mitspieler im Geschehen. Alles in allem stellt "Don Camillo & Peppone" so einen mitreißenden, unpathetischen Musicalabend dar, der den Konflikt zwischen links und rechts ins Menschliche auflöst.

Quelle: APA

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