Kultur

"Downsizing": Ein Mann schrumpft sich reich

Die Welt verbessern oder lieber doch das eigene Leben? Im Film "Downsizing" greift Matt Damon zu schrägen Methoden - und trifft auf einen geschrumpften Christoph Waltz.

Ein Haus mit drei Schlafzimmern, Pool, Garten und zwei Autos sind nur für wenige, privilegierte Menschen bezahlbar. Hat die Villa allerdings Puppenhausformat, sieht die Sache anders aus: In der Satire "Downsizing" von Autor und Regisseur Alexander Payne ("Sideways") hat eine norwegische Forschergruppe eine Methode gefunden, Menschen gefahrlos auf etwa zwölf Zentimeter Körpergröße zu schrumpfen, die damit nur noch wenige Promille ihrer bisherigen Ressourcen verbrauchen.

Es ist eine unerhörte Innovation, die weltweit mit Begeisterung aufgenommen wird. Denn möglicherweise ist das Schrumpfen der letzte Ausweg: Die menschengemachte Umweltzerstörung ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass die Menschheit in absehbarer Zeit aussterben wird, ein Alternativplan muss also her. Und warum sollen die Menschen nicht im Miniformat überleben?

Wobei, Umweltretten schön und gut. Aber als die Technik Marktreife erreicht, zählen andere Argumente: Geschrumpfte Menschen brauchen nicht nur einen Bruchteil an Ressourcen, sondern auch viel weniger Geld - und sind dadurch mit einem Schlag steinreich, mit dem Bonus eines guten Gewissens. Das überzeugt auch den Normalo-Amerikaner Paul (Matt Damon), denn seine Frau (Kristen Wiig) hätte gern ein luxuriöses Haus, und das lässt sich in Miniaturversion mit einem Durchschnittsgehalt leichter finanzieren.

Der Akt der Verkleinerung ist pure, witzige Science-Fiction, was darauf folgt, zerfasert etwas in mehrere gesellschaftskritische Nebenstränge, denn wie sich schnell herausstellt, bleiben Probleme im Miniaturformat verhältnismäßig gleich groß: Auch eine Mini-Modellstadt muss geputzt werden, auch Mini-Alte brauchen jemanden, der sie versorgt. Auch hier gibt es Arme, Menschen, die von Müll leben, es gibt dieselben himmelschreienden Klassenunterschiede wie in der normal großen Welt.

Und während Paul immer dem nacheifert, was die Mehrheitsmeinung als vorbildlich vorgibt, und dafür dann Belohnungszuckerl erwartet, stößt er unerwartet bald auf Hindernisse: Eine vietnamesische Bürgerrechtskämpferin (Hong Chau), die von ihrem Regime zwangsweise verkleinert worden war, muss sich im Minimundus als Putzfrau verdingen, trotz massiver Folterverletzungen. Paul versucht halbherzig, ihr zu helfen, aber als sie sich auf ihn zu verlassen beginnt, passt ihm das gar nicht. Dass sie sich dann nicht unterordnet, wie es der weiße Amerikaner von nichtweißen Frauen tendenziell gewöhnt ist, irritiert ihn, der sich zunehmend als mutloses Würstel herausstellt. Wenn ihn niemand als Held anzuerkennen gewillt ist, freut ihn die Sache mit dem Weltretten irgendwie doch nicht.

Prestige ist das Hauptmotiv für Pauls Handeln, Anspruchsdenken und Privilegien sind sein Motor, in einem Film, der streckenweise etwas zu demonstrativ mit der Moralkeule winkt. Vor allem ist "Downsizing" aber enorm unterhaltsam, entzückend sind etwa Christoph Waltz und Udo Kier als schmierige Geschäftsleute. "Das hier ist der Wilde Westen, Baby", zwinkert Waltz dem braven Matt Damon zu und zündet sich eine Zigarre an.

An "Downsizing" reizt vor allem die Absurdität, dass ein drastischer Akt im Namen der Nachhaltigkeit erst recht von Größenwahn und Geldgier angetrieben ist. Der Film entlarvt, wie wenig Lebensentscheidungen von Idealismus motiviert sind, und wie selbstsüchtig die Gründe in Wahrheit sind. Und er macht dabei großen Spaß.

Film: Downsizing. USA 2017. Regie: Alexander Payne. Mit Matt Damon, Christoph Waltz, Udo Kier. Start: 18. 1.

Quelle: SN

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