Kultur

Feministin Dacia Maraini für österreichisches Burkaverbot

Die "Grande Dame" der italienischen Literatur, die Schriftstellerin und Feministin Dacia Maraini, begrüßt das in Österreich geplante Verbot der Vollverschleierung.

Der Fundamentalismus verschlechtert die Lage der Frauen zusehends.  SN/APA (AFP)/FADEL SENNA
Der Fundamentalismus verschlechtert die Lage der Frauen zusehends.

"Burka ist ein wahres Gefängnis, das keineswegs in unseren Ländern zugelassen werden darf. Ein Verbot in Österreich ist zu begrüßen", sagte die Schriftstellerin im Gespräch mit der APA in Rom.

Bei einer Demonstration gegen die Vollverschleierung in Rom habe sie einmal eine Burka getragen und dabei direkt die Erfahrung gemacht, wie umständlich es sei, vollverschleiert leben zu müssen. "Es ist fürchterlich. Man erstickt, man sieht nichts, man hört nichts. Es ist außerdem gefährlich, weil man stets stolpern könnte. Man kann nur vorwärts richtig gehen. Kein Wunder, dass Frauen, die eine Burka tragen, grundsätzlich zu Hause bleiben müssen und nur in Begleitung auf die Straße gehen können", kommentierte die 80-jährige Autorin.

Laut Maraini habe sich die Lage der Frauen in den islamischen Ländern wegen des aufsteigenden Fundamentalismus wesentlich verschlechtert. "1969 habe ich erstmals Afghanistan besucht, ein wunderbares Land, in dem die Frauen vollkommen unverschleiert gingen. In vielen anderen Ländern hat sich die Lage der Frauen wegen des Fundamentalismus drastisch verschlechtert. Gegen dieser Lage müssen die Frauen rebellieren, auch wenn es natürlich nicht einfach ist. "

Die Situation der Frauen habe sich in den letzten Jahren auch im Westen verschlechtert. Immer wieder seien Frauen Opfer von Gewalt durch Lebenspartner. "Die Kultur, laut der die Frau ein Besitz des Mannes ist, ist in der Natur des Menschen verankert. Trotz der Emanzipation der Frauen sind bestimmte Formen archaischer Kultur immer noch nicht ausgemerzt", sagte die Autorin.

Die 1936 im toskanischen Fiesolo geborene Maraini erlangte mit Werken wie "Die stumme Herzogin" (1992) und "Stimmen" (1995), in denen starke Frauenfiguren im Vordergrund stehen, internationale Bekanntheit. Am 21. Februar erscheint im Wiener Folio-Verlag Marainis jüngster Roman "Das Mädchen und der Träumer".

Quelle: APA

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