Kultur

Festival der Regionen kommt mit "ungebetenen Gästen"

"Ungebetene Gäste" haben sich vom 30. Juni bis zum 9. Juli im oberösterreichischen Marchtrenk angekündigt. Der "Reiseleiter", das Festival der Regionen, ist freilich in der Stadtgemeinde im Umland von Wels willkommen. Doch weil das Thema "immer noch und bedauerlicherweise hoch aktuell ist", wählte der künstlerische Leiter Gottfried Hattinger diesen Titel, erklärte er am Mittwoch in Linz.

Aber auch die Geschichte dieses Durchzugortes ist eng mit dem Flüchtlingsthema verwoben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen Heimatvertriebene und volksdeutsche Flüchtlinge. Die Zahl der Einwohner verdreifachte sich auf rund 8.000, führte Hattinger, der heuer zum letzten Mal das Festival inszeniert, aus. Mittlerweile leben knapp 13.000 Menschen in dem "wirtschaftlich, sozial und kulturell prosperierenden Marchtrenk" - ungebetene Gäste wurden Teil der Gemeinschaft.

Mit den Aspekten von Kommen und Gehen befassen sich dann auch alle 28 Projekte - ausgewählt aus 280 Einreichungen - sowie mehr als 100 Akteure. Der aktuellen politischen Linie folgend beginnt alles mit einer Volksbefragung: "Soll die Kunst kommen oder bleiben, wo der Pfeffer wächst" von Ingke Günther und Jörg Wagner. Denn, so das Credo des Festivals, der direkte Dialog mit der Bevölkerung und ihr Einbinden in den zeitgenössischen Event bleibt auch heuer gewahrt. Auch wenn, wie der Festivaleiter anmerkte, unabhängig vom Ausgang der Befragung "wir auf alle Fälle bleiben".

Das Wahrzeichen des Ortes, der Wasserturm, wird gleich zweifach bespielt. Miriam Hamann verwandelt ihn mit einer Lichtinstallation in einen Leuchtturm, der den richtigen Weg weisen soll. Katarina Matiasek ist im Archiv der Akademie der Wissenschaften in Wien auf acht Sprachaufnahmen von italienischen Kriegsgefangenen in Marchtrenk aus dem Jahr 1918 gestoßen, die als ein tonales Werk im Inneren des Turms zu hören sein werden. Die heimische Schauspielerin Andrea Märzinger wiederum wird an den Festivaltagen zu den unterschiedlichsten Zeiten als Anhalterin am Straßenrand stehen und darauf warten, wer den Kontakt zu der unbekannten Autostopperin aufnimmt.

Für zwei Projekte sucht der Künstler Willi Dorner Freiwillige. Am 18. März gibt es ein Fotoshooting auf einem Feld, bei dem Grundrisse der typischen Nachkriegshäuser von rund 70 Personen nachgestellt werden sollen. Und für eine Choreografie am 1. Juli benötigt Dorner etliche Tänzer und Turner.

Das Festival der Regionen findet seit 1993 alle zwei Jahre in unterschiedlichen Orten in Oberösterreich statt. Ziel sei es laut den Organisatoren, für zeitgenössische Kunst und Kultur zu sensibilisieren und regionale Initiativen in ihrer Kulturarbeit zu stärken.

Quelle: APA

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