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Dämonen in Neon

Mit zwei Rädern gegen Cyborgs und Blutdrachen: "Trials of the Blood Dragon" ist exzellenter Trash und eine knallbunte Hommage an das Kino der 80er Jahre.

Aufsehenerregende Tricks, Bildschirm füllende Explosionen, futuristische Settings und fantastische Parcours: Mit diesen Zutaten begeistert die Trials-Reihe seit Jahren ihre Anhänger. Für Fans der Rennspiel-Serie gibt es jetzt ein ganz besonders abgedrehtes Schmankerl: Ähnlich wie schon beim irrwitzigen Spin-off "Far Cry: Blood Dragon" (2013) hat Ubisoft jetzt auch "Trials" eine 80er-Jahre-Neonbehandlung verpasst. "Trials of the Blood Dragon" heißt das Ergebnis - es ist extrem hysterisch, laut, grell und voller Klischees und gerade deshalb ein Riesenspaß. Im Grunde ist das Game ein einziger Gag.

Wir schreiben das Jahr 2019. Es tobt der 4. Vietnamkrieg. Blutdrachen ziehen durch die Straßen. Wie Godzilla machen sie ganze Häuserblocks platt. Mitten in dieser Neon-Hölle ziehen zwei ultra-coole Jugendliche, beides Sprösslinge des legendären Rex Power Colt, mit ihren Bikes los, um die Welt zu retten.

Kassettendecks, ausgelatschte Sneakers, Stirn- und Schweißbänder. Dazu Action-Figuren, B-Movie-Poster, alberne Comic-Zwischensequenzen und Fake-Werbeclips. "Blood Dragon", das ist Punk in seiner Urform. Wild, schrill und anarchisch. Mit Cyborgs, Laserkanonen, Riesenspinnen, Drachen und diabolischen, wenn auch etwas debilen Bösewichten. Ein absolutes Action-Feuerwerk mit Schlachtfeldern in Vietnam, Tokio, in der Hölle und natürlich auch im Weltall, so wie es sich für ein ordentliches Grindhouse-Feature gehört.

Spielerisch ist das aber durchaus hochwertig: Dank einer simplen, weitgehend intuitiven Fahrphysik lassen sich mit dem Bike steile Klippen und komplexe Parcours meistern. Überall knallt es und Funken fliegen durch die Luft. Einmal rast der Spieler wie einst Indiana Jones mit einem Kohlewagen durch ein Bergwerk, ein anderes Mal darf man mit einem gepanzerten Ungetüm Wände durchbrechen. Zwischendurch springt der Spieler mit dem BMX-Fahrrad bei hellem Mondschein durch die Nacht - wie einst Elliott mit seinem E.T.

Von spektakulären Sprüngen über tiefe Schluchten und feindliche Kampfhubschrauber bis hin zu schwierigen Hindernissen, die Geschick und einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn erfordern: Langeweile kommt bei den kurzen Episoden in "Trials of the Blood Dragon" nicht auf. Zudem lauert am Ende oft ein fieser Boss.

Der Balanceakt zwischen Geschwindigkeitsrausch, aberwitzigen Stunts, Tricksprüngen und Passagen, die viel Präzision erfordern, gelingt perfekt. "Trial & Error", also die Kunst der Fehlversuche, ist Programm: Was sonst eher frustriert, motiviert hier dazu, es wieder und wieder zu versuchen - bis der Sprung dann endlich gemeistert ist.

Überflüssig sind nur die Missionen, in denen die Protagonisten nicht per Pedale sondern per pedes, also zu Fuß unterwegs sind. Anders als die Fahrten auf dem Bike sind diese Abschnitte eher lieblos und schwach, auch weil sich die Figuren nur schwer steuern lassen.

Fazit: "Trials of the Blood Dragon" ist ein knalliger Trip in die 80er Jahre - nicht ohne Makel, aber das gehört bei einer Hommage an das Trash-Kino vermutlich dazu.

Info
Trials of the Blood Dragon
Ubisoft
USK: 12
Download

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.09.2018 um 02:43 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/daemonen-in-neon-1085110

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