Film & TV

"Dido Elizabeth Belle": Adelig und dennoch nicht frei

Mitreißend: Das historische Sklaverei-Drama "Dido Elizabeth Belle".

In der Residenz von Lord Mansfield in Schottland hängt ein Doppelporträt. Es ist einzigartig in der englischen Kunst des 18. Jahrhunderts. Es zeigt ein elegant gekleidetes hellhäutiges Mädchen, das die Hand ausstreckt nach einer verschmitzt lächelnden, dunkelhäutigen jungen Frau. Das Außergewöhnliche: Beide Frauen sind gleichberechtigt dargestellt. Die rechte ist Lady Elizabeth Murray, die linke ihre Cousine Dido Elizabeth Belle. Von ihr handelt der gleichnamige Film, der nun ins Kino kommt. Belles Biografie ist echtes Drama: Geboren als Tochter der Sklavin Maria Belle und des britischen Aristokraten John Lindsay wird sie als kleines Mädchen nach England geholt, wo sie bei Lindsays Onkel, dem Earl of Mansfield, aufwachsen soll. Abgeschirmt von der höfischen Gesellschaft wird Dido (Gugu Mbatha-Raw) hier eine ebenso kultivierte Erziehung zuteil wie ihrer Cousine Elizabeth. Doch wenn Besuch kommt, wird ihr sozialer Status deutlich: Sie ist bei Tisch nicht willkommen, und wenn sie doch gesichtet wird, flüstern die Gäste entsetzt: "Du meine Güte, ich hatte keine Ahnung, wie schwarz sie ist!" So zumindest erzählt es Regisseurin Amma Asante in ihrem intelligenten Kostümdrama.

Zu den privaten Spannungen kommt eine politische Affäre: Didos Großonkel, der Earl of Mansfield, muss als oberster Richter im Betrugsfall um das Sklavenschiff "Zong" entscheiden. Der Fall gilt heute als Anfang vom Ende der Sklaverei im britischen Imperium.

In der von Misan Sagay klug dramatisierten und fiktionalisierten Version von Didos Biografie passieren der Gerichtsfall und das Erwachsenwerden von Dido parallel, dazu kommen eine schön erfundene Liebesgeschichte und die komplexe Beziehung zwischen Dido und ihrer Cousine, die sich als mittellose Frau gegenüber ihrem künftigen Ehemann selbst in der Rolle einer Sklavin wiederfindet. Ob die historische Dido so selbstbewusst und belesen war wie ihre Filmversion, ist heute nicht mehr zu sagen. Das berühmte Porträt, das sie an der Seite ihrer Ziehschwester zeigt, legt es nahe.

Film: Dido Elizabeth Belle. Biopic, UK 2013. Regie: Amma Asante. Mit Gugu Mbatha Raw, Emily Watson. Start: 15. 8.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.08.2018 um 04:38 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/dido-elizabeth-belle-adelig-und-dennoch-nicht-frei-3281983

Schlagzeilen