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"Every Thing Will Be Fine": Wenders lässt den jungen Franco leiden

James Franco ist als Autor in der Schaffenskrise von drei Frauen umgeben, und das in 3D.



Möglicherweise schläft James Franco nicht. Zumindest ist unklar, wann er dafür Zeit finden sollte: Der 36-Jährige macht Kunst. Er schreibt an seiner Dissertation. Er führt Regie. Er schreibt Zeitungsartikel und Literatur und Gedichte. Und er spielt in durchgedrehten Komödien wie "The Interview" mit, in Historiendramen, in Blockbustern und jetzt auch in Wim Wenders gefühligem 3D-Drama "Every Thing Will Be Fine", das am Freitag ins Kino kommt. Darin gibt Franco einen Schriftsteller in der Schaffenskrise, der drei verständnisvolle Frauen (Charlotte Gainsbourg, Rachel McAdams, Marie-Josée Croze) braucht, um endlich zu Künstlertum und Menschenfreundschaft zu finden. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig. Oder doch nicht?

SN: "Every Thing Will Be Fine" ist ein ungewöhnlicher Film: ein Drama um einen Schriftsteller und drei Frauen, in 3D. Was hat Sie daran gereizt?

Franco: Vor allem, dass Wim die Regie gemacht hat. Ich bin seit vielen Jahren Fan seiner Arbeit. Er hat mich kontaktiert, und ich sagte, ich sei interessiert. Er ist dann ein paar Tage später nach New York geflogen, um mich zu treffen. Ich habe an dem Tag an der New York University unterrichtet, und er kam in meine Klasse und gab meinen Studierenden Tipps für ihre Drehbücher. Damals habe ich immer wieder Interviews für das "Playboy Magazine" geführt und hab ihn ein paar Stunden interviewt. Das Gespräch wurde gerade erst im deutschen "Interview Magazine" in Deutschland wieder abgedruckt. Und nach diesem gemeinsamen Tag war mir klar, dass ich mitmachen wollte.

SN: Dieser Typ, den Sie da spielen, ist ziemlich egozentrisch, ein gequälter Künstler. Ist Ihnen sein Verhalten vertraut?

Ja und nein. Tomas tut ein paar Dinge, die mich zornig gemacht haben, er ist so kalt in Beziehungen. Er ist ein einsamer Typ, und vielleicht gab es in meinem Leben auch eine Phase, in der ich mich sehr isoliert habe. Ich war da ein Getriebener, meine Arbeit kam vor allem anderen. Aber inzwischen bemühe ich mich, warmherziger zu sein und mich auch für andere zu interessieren.

Das ist mir wichtig. Tomas kämpft genau damit. Ich möchte ihm nicht ähnlich sein in diesem Aspekt. Aber er ist fixiert auf seine Arbeit, und darin finde ich mich wohl wieder.
SN: Weil Sie auch als Autor arbeiten?

Ja. Sie wissen ja, das Schreiben ist im Vergleich zum Filmemachen eine isolierte Tätigkeit. Ich weiß also, was es bedeutet, zu sitzen und zu schreiben und daran zu leiden.

SN: Tomas sucht die Einsamkeit, um Inspiration zu finden. Tun Sie das auch?

Nein. Wenn ich eine Deadline habe, miete ich mir ein Hotelzimmer und bleibe, bis ich fertig bin. Gerade erst musste ich das Konzept für meine Dissertation abgeben, da hab ich das so gemacht. Aber ich geh für so etwas nicht hinaus in die Wälder.

SN: Im Film wird Tomas zum besseren Schriftsteller, nachdem er eine Tragödie verursacht hat. Ist das nicht unmoralisch?

So etwas ist immer heikel, gerade wenn es um sensible Ereignisse geht, die einen nicht nur selbst betreffen. Was darf man verwenden, was soll man sogar verwenden, und auf welche Weise? Meine Schreiblehrerin, die Kurzgeschichtenautorin Amy Hempel, hat immer gesagt: "Wenn du Sorge hast, was du schreibst, ist zu nah an der Realität und könnte jemanden kränken, schreib es trotzdem. Du musst es nicht veröffentlichen, aber schreib es auf." Dieser Regel folge ich. Das Ergebnis ist, dass ich einiges geschrieben habe, was ich nicht herausbringen will. Aber zumindest habe ich es aufgeschrieben, und ich habe die Idee nicht abgemurkst, bevor sie eine Chance hatte zu leben.

SN: Erst im Jänner kam die umstrittene Nordkorea-Komödie "The Interview" ins Kino, bei der Berlinale waren Sie mit dem opulenten historischen Drama "Queen of the Desert" von Werner Herzog, und nun dieser Film hier. Wie wählen Sie die Projekte aus?

Ich mache nur mit, wenn mich etwas interessiert. Auch die größeren Filme sind immer Projekte, an denen ich aus künstlerischen oder anderen Gründen interessiert bin, nicht nur wegen der Gage.

Für "The Interview" mit Seth Rogen habe ich viel mehr Geld bekommen als etwa bei diesem Film hier. Aber ich bin trotzdem genauso stolz darauf, und die kreative Arbeit war genauso befriedigend. Aber es ist wichtig, beides zu tun: Es soll ein Film fürs Publikum sein und einer für mich, sozusagen.

Das mache ich auch so, weil ein vergleichsweise kleiner Film wie dieser von Wim Wenders eben genau deswegen Geldgeber findet, weil ich Ja gesagt habe. Diese Macht habe ich, weil ich eben Hollywoodfilme gemacht habe wie "Spiderman" oder "Planet der Affen: Prevolution". Die Balance ist wichtig, wenn ich so weiterarbeiten will.

Kino: Every Thing Will Be Fine, Drama, Deutschland/Kanada/Frankreich/Schweden/Norwegen 2015. Regie: Wim Wenders. Mit James Franco, Charlotte Gainsbourg, Rachel McAdams, Marie-Josée Croze, Robert Naylor, Peter Stormare. Start: 3. April.

Quelle: SN

Aufgerufen am 15.08.2018 um 09:18 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/every-thing-will-be-fine-wenders-laesst-den-jungen-franco-leiden-2605153

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