Film & TV

"Future Baby": Kinder kriegen ohne Zufall

Eine österreichische Doku erkundet den aktuellen Stand der Fortpflanzungsmedizin.

Der Mann im weißen Mantel breitet die Arme aus: "Warum sollten wir ein Risiko eingehen?" Er ist Fortpflanzungsmediziner und sieht das Problem pragmatisch. Wenn Erbgut kontrolliert werden kann, wenn Krankheiten ausgeschlossen werden können: "Why gamble?" Er verwendet das Wort für Glücksspiel, in der Doku "Future Baby" von Maria Arlamovsky, die am Freitag ins Kino kommt.

Ursprünglich ging es in seiner Profession darum, Paaren mit Kinderwunsch trotz Komplikationen Nachwuchs zu ermöglichen, doch immer mehr wird die Sache mit der Fortpflanzung eine medizinisch-technische Angelegenheit, in der ethische Bedenken einem vermeintlichen Recht auf Elternschaft und einer medizinischen Begeisterung für die Machbarkeit gegenüberstehen.

Auf ihrer Recherche besucht Regisseurin Arlamovsky Fruchtbarkeitskliniken in Spanien, Kalifornien und Israel, befragt Fortpflanzungsmedizinerinnen und Ethikprofessorinnen, Laborantinnen und Eizellenspenderinnen, Ärzte und in vitro gezeugte Menschen. Da beklagt eine junge Frau, ihren Samenspendervater nicht zu kennen, eine Eizellenspenderin erklärt, anderen Frauen ein Kind ermöglichen zu wollen, eine spanische Ärztin erläutert, wie sorgenfrei eine Zukunft mit genetisch geprüften Kindern sein könnte, und ein israelischer Fortpflanzungsmediziner erzählt, derzeit trügen drei thailändische Leihmütter Embryonen aus einem südafrikanischen Ei und einem israelischen Spermium aus.

Am längsten verweilt Arlamovsky bei einem US-amerikanischen Paar: Sie kann keine Kinder bekommen, seine Samen sind gesund, also haben sie gemeinsam die Eizelle eines 19-jährigen brasilianischen Models ausgesucht, und das Kind wird nun von einer alleinerziehenden Mutter in Mexiko ausgetragen, die das Geld braucht. Bis zur Geburt darf Arlamovsky dabei sein, wenn Kamera und Smartphone den ersten Schrei des Babys dokumentieren. Arlamovskys Kamera sucht immer wieder den Blick der Leihmutter, die sich freut über das gesunde Kind, und die lacht und nach dem kleinen Fuß greift. Was bedeutet das, seine Bauchhöhle an einen kleinen Fremdling zu vermieten? "Future Baby" ist ein Panorama zu vielen Aspekten moderner Fortpflanzungstechnik.

Aber es wäre spannend gewesen, diese Situation genauer zu erkunden, die für viele gesunde junge Frauen in armen Ländern längst Einkommensquelle und Lebensrealität ist.

Film: Future Baby. Doku, Österreich 2016. Regie: Maria Arlamovsky. Start: 15. 4.

(SN)

"Future Baby": Kinder kriegen ohne Zufall SN/filmladen
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Aufgerufen am 24.02.2018 um 03:17 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/future-baby-kinder-kriegen-ohne-zufall-1566037

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