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"Lucy": Eine Superheldin wie wir

In Luc Bessons Actionfilm "Lucy" wird Scarlett Johansson durch eine Droge zum Übermenschen.



Betrogen, gequält, geschlagen und erniedrigt: Lucy (Scarlett Johansson) ist nur eine von vielen begehrenswerten Frauen im Actionkino, die als Opfer inszeniert werden. In dem Film "Lucy", der am Donnerstag startet, ist sie als Touristin in Taiwan unterwegs. Gerade erst hat sie die Bekanntschaft eines netten Typen mit Cowboyhut gemacht. Der allerdings zwingt sie zu einem Treffen mit Drogenbossen, Lucy wird verprügelt, und Zeugin eines Mordes. Und wacht am nächsten Tag auf mit einem Verband um den Bauch: Ihr wurde ein Paket einer neuen Superdroge zwischen die Gedärme gepackt.

Will sie ihre gefährliche Fracht wieder loswerden, muss sie nach Paris fliegen, wo die Abnehmer mit dem Skalpell warten. Doch dann wird das Paket mit den Drogen undicht.

Was nach dem Albtraum jeder Fernreisenden klingt, ist nur der Beginn eines Actionfilms von Luc Besson: Als die Droge in Lucys Hirn zu wirken beginnt, entwickelt sie erstaunliche Kräfte: Verständnis für Quantenphysik, Schmerzunempfindlichkeit, telekinetische Fähigkeiten - Lucy wird unfreiwillig zur Superheldin. Sie beginnt Wissen aufzusaugen wie die naive Leeloo in Luc Bessons "Das fünfte Element" (1997), ist rachsüchtig wie "Nikita" (1990) und dabei unschuldig und zornig wie die kleine Mathilda in "Léon - Der Profi" (1994).

Nach den testosterongesteuerten Liam-Neeson-Vaterfiguren ("96 Hours") und Gangstern mit Moralkodex ("Transporter") ist sie seit Langem wieder einmal eine Frauenfigur im Luc-Besson-Universum, die Spaß macht. Den pseudowissenschaftlichen Hintergrund für die Wirkung der Droge liefert Morgan Freeman als Professor, der die Mär erforscht, der zufolge der Mensch nur zehn Prozent seines Hirnpotenzials nutzt, und ganz erstaunt ist, als er eines Tages Lucy am Telefon hat, die ihm erläutert, er sei auf dem richtigen Weg, aber seine Studien noch in den Kinderschuhen.

Damit stellt sich "Lucy" dem direkten Vergleich mit dem Johnny-Depp-Vehikel "Transcendence", das in Österreich Ende April ins Kino kam und durch seinen Bierernst auffiel: Wo Depp als digitalisierter Wissenschafter zwischen Weltverbesserung und Allmachtswahn schwankt, verliert Johansson als ganz normale Frau mit Superhirn nie ihre Selbstironie. Als Racheengel, im Operationskittel mit der bloßen Faust und im kleinen Schwarzen mit der Halbautomatik macht sich "Lucy" gar nicht erst die Mühe, mehr zu sein als exquisit alberne Unterhaltung, ein Vollblut-B-Movie mit hochklassigen Schauspielern. Johansson bricht Klischees auf Johansson zementiert den Sonderstatus, den sie mit den Rollen als emotional intelligente Computerstimme in "Her" und als männerverzehrender Alien in "Under the Skin" erreicht hat. Ihr liebreizendes Äußeres und ihre rauchige Stimme sind die Werkzeuge einer klugen, vor allem aber humorvollen Schauspielerin, die Lust hat, Klischees zu brechen, und damit Beifall erntet.

Der Erfolg des Films - bei einem Budget von 40 Millionen Dollar hat er bereits zwei Wochen nach US-Start mehr als das Dreifache eingespielt - spiegelt einen Trend, wonach Frauen als aktive Kinoheldinnen tatsächlich Geld bringen und große Produktionsstudios das endlich auch erkennen. Sogar Sylvester Stallone versucht auf diesen Zug aufzuspringen: Er plant auf seine "Expendables"-Filmserie rund um abgehalfterte 80er-Jahre-Actionhelden nun eine "Expendabelles"-Fortsetzung, in der "einige der tödlichsten weiblichen Agenten der Welt sich als Nobelcallgirls ausgeben müssen". Dass Stallone keine andere Möglichkeit eingefallen ist, die Fähigkeiten von Agentinnen zu nutzen, ist dann aber doch ziemlich von gestern.

Film: Lucy. Actionthriller, USA/F 2014. Regie: Luc Besson. Mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik, Amr Waked u. a. Start: 14. 8.

(SN)

Aufgerufen am 25.05.2018 um 01:25 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/lucy-eine-superheldin-wie-wir-3282127

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