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"Maps to the Stars": Es schaudert in Hollywood

Ein 13-Jähriger erlebt als Kinderstar in Hollywood andere Seiten der Metropole als die berühmten. Evan Bird spielt diesen Buben abseits vom Glamour.

Klatsch, Gier, Glamour: David Cronenbergs "Maps to the Stars" ist ein wilder Film aus dem Bauch von Hollywood, eine Familiengeschichte irgendwo zwischen Sunset Boulevard und Mulholland Drive, garniert mit Inzest und Brandstiftung.

Julianne Moore spielt eine intrigante alternde Diva und Robert Pattinson einen Chauffeur mit Schauspielambitionen. Und der beeindruckende 13-jährige Evan Bird spielt den Kinderstar Benjie, der seinen ersten Drogenentzug hinter sich hat. Im SN-Interview erzählt der Jungschauspieler, was er von den Medien hält und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

SN: Worum geht es in diesem Film?

Bird: Es gibt die helle Seite von Hollywood, den Reichtum, die großen Villen, den Sonnenschein. Und dieser Film handelt von der Düsternis, die nicht einmal die Presse sieht. Es geht um die kaputte Seite Hollywoods.

SN: Hast du diese Seite erlebt?

Nein, ich habe mein bisheriges Leben in Vancouver verbracht, in einer Dreizimmerwohnung, mit meiner Mum, meinem Dad und meiner kleinen Schwester. Ich bin ein ganz normaler Bub.

Na gut, bis darauf, dass ich Schauspieler bin, seit ich acht bin. Ich weiß, dass ich großes Glück habe, einen Beruf zu haben, den ich mag und bei dem ich auch viel Geld verdienen kann. Aber ich komme aus keiner reichen Familie, meine Eltern haben ganz normale Jobs.

SN: Das scheint es ja zu sein, was bei Benjie so falsch läuft.

Ja, seine Eltern sind zwar reich und setzen ihm keine Grenzen, aber sie lieben ihn nicht wirklich. Das läuft oft so in diesem Geschäft, etwa bei dem Jungen aus "Kevin allein zu Haus", Macaulay Culkin: Seine Eltern haben sein ganzes Geld für sich ausgegeben und er ist in die Drogensucht gekippt.

So etwas Ähnliches passiert auch Benjie. Ich bin aber noch nie jemandem wie ihm begegnet. Klar hört man von Skandalen, zum Beispiel um Justin Bieber, und das hat mich hier auch inspiriert. Ich sehe ja, wie solche Kids in den Medien dargestellt werden.

SN: Ist jemand wie Justin Bieber ein verwöhnter Idiot oder auch Opfer der Umstände?

Ich versuche, das von beiden Seiten zu sehen. Natürlich ist es seine Entscheidung, wie er agiert. Aber umgekehrt: Wer würde sich nicht so verhalten? Wenn du in dem Alter schon so viel Geld hast und nicht weißt, was du damit anfängst, weil du keine guten Berater hast - klar, das steigt einem zu Kopfe.

SN: Du bist kein Kind Hollywoods, David Cronenberg ist Kanadier und hat noch nie in Hollywood gedreht. Wäre dieser Film ohne diesen Blick von außen überhaupt möglich gewesen?

Das Drehbuch stammt ja von Bruce Wagner, er lebt in Hollywood, es ist also schon auch eine Innenansicht. Aber David hat am Drehbuch mitgearbeitet, dadurch gibt es auch den Blick von außen. Die Kombination macht wohl den Reiz aus.

SN: Wie geht es nun weiter, wirst du Schule und Filmarbeit kombinieren?

Alle sagen mir, ich solle die Schule zur Priorität machen. Aber ganz ehrlich, ich sehe nicht, wozu das gut sein soll, ich lerne dort nicht einmal was. Ich konzentriere mich lieber auf meine Karriere, ich glaube, das ist das Klügere, auch wenn alle das Gegenteil behaupten. Schließlich geht man doch zur Schule, um eines Tages einen Job zu finden, und wenn ich jetzt schon im Job Erfolg habe, muss ich da doch nicht durch, oder?

Die Highschool muss ich wohl abschließen. Aber danach will ich mich auf die Arbeit konzentrieren.

SN: Und was passiert, solltest du doch keinen langfristigen Erfolg haben?

Dann ist die Schule mein Plan B. Ich könnte zum Beispiel zur Berufsschule gehen und Elektriker werden, warum nicht? Aber ich hoffe doch, dass es klappt.

Film: Maps to the Stars, Satire, Deutschland, Frankreich, Kanada, USA 2014. Regie: David Cronenberg. Mit: Robert Pattinson, Julianne Moore, John Cusack, Evan Bird. Start: 12. September.




Quelle: SN

Aufgerufen am 21.08.2018 um 11:18 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/maps-to-the-stars-es-schaudert-in-hollywood-3202654

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