No Man´s Sky

Unendlich lange Weiten

Ach du liebe Zeit! Wer das Weltraumspiel "No Man´s Sky" genießen will, braucht viel Freizeit - und die Gabe, sich auch ohne Handlungsstrang dauerhaft motivieren zu können.

"Don´t Believe The Hype", wussten schon Public Enemy in den 80er-Jahren. Einem Hype sollte man immer mit einer gesunden Portion Skepsis gegenübertreten - das gilt auch für die Verheißungen der Marketingmaschine. Im Fall des Weltraumspiels "No Man´s Sky" war das besonders schwer: Nicht etwa, weil das kleine Entwicklerstudio Hello Games große Werbeagenturen beschäftigte, die stets zur richtigen Zeit neues Material veröffentlichen - um die Masse bis zum Verkauf bei Laune zu halten. Nein. Fast die gesamte Promotion von "No Man´s Sky" wurde inhouse abgewickelt, was den Machern und folglich auch dem Projekt Authentizität und Vertrauenswürdigkeit bescherte.

Als Gamer musste man den Hype um dieses kleine Indie-Wunder einfach glauben. Ein Spiel, das die Branche, ja unser gesamtes Spielverhalten verändern könnte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, auch ob des genialen Konzepts: Über 18 Trillionen frei erkundbare Planeten - 18.446.744.073.709.551.616 um genau zu sein. Gigantische Weltraumschlachten. Eine schier grenzenlose Vielfalt an fremden Planeten, Galaxien und Wesen. Ermöglicht, durch ein prozedural generiertes Universum, das unendlich viele Abenteuer verspricht. So etwas lässt keinen Zocker kalt. Nach den ersten Trailern und Präsentationen gab es eine regelrechte Hysterie um das Game. "

Jetzt, nachdem das Spiel veröffentlicht und ausgiebig getestet wurde, macht sich Ernüchterung bis Enttäuschung breit. Nicht nur, weil Features, die angekündigt wurden, im fertigen Game nicht mehr zu finden sind. Auch, weil vieles unfertig wirkt. Zeitweise tummeln sich weniger als 1.000 Spieler gleichzeitig auf den Servern. Ein Desaster, zumindest für einen Titel mit solch einer Publicity im Vorfeld.

Trotzdem ist "No Man´s Sky" kein totaler Reinfall. Es ist ein mutiges und durchaus schönes Projekt - ein mathematisches Experiment, das einen spannenden Blick auf die Zukunft der Gaming-Industrie ermöglicht. In den unendlichen Weiten des "No Man´s Sky"-Universums wird niemand an die Hand genommen. Es gibt keine Geschichte, keinen Leitfaden. Kein Ende. Auch kein Ziel - außer so viele unerforschte Planeten wie möglich zu bereisen, um dort seine Fußspuren zu hinterlassen. Für Gelegenheitsspieler ist das sicher schwierig. In diesem zufallsgenerierten Niemandsland kann man sich und auch die Motivation rasch verlieren. Zudem sind die Steuerung und die Verwaltung des Inventars recht kompliziert.

Zumindest in Ansätzen aber ist das Spiel echt grandios. Nirgendwo sonst kommt man in den Genuss dieses überwältigenden Gefühls, wenn man aus dem All in die Atmosphäre eines fremden Planeten eindringt, um auf der Oberfläche einen geeigneten Landeplatz zu finden. Wenn man die unerforschte Umgebung erkundet und dabei auf haushohe Lebewesen trifft - immer im Ungewissen, ob die Wesen friedlich oder aggressiv sind.

Nach einer längeren Spielphase folgt Gewissheit: "No Man´s Sky" wiederholt sich. Die Kreaturen, die Planeten, die Aufgaben. Irgendwann ist alles repetitiv - mehr oder weniger. Ohne Handlung braucht es da schon viel Fantasie und Entdeckergeist, um sich für diese unendliche Reise zu motivieren.

Info
No Man´s Sky
Hello Games
PS4 (Test), Xbox One, PC-Download
USK: 6

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.08.2018 um 07:46 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/unendlich-lange-weiten-in-no-man-s-sky-1010380

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