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"Wer will schon wissen, ob alte Leute Liebesaffären haben?"

Britische Pensionisten im indischen Exil: Die gut gelaunte Fortsetzung von "The Best Exotic Marigold Hotel".



Es war heiß, stickig und laut. Trotzdem kehrte Schauspieler Bill Nighy für "The Second Best Exotic Marigold Hotel" nach Indien zurück. Der Film ist die Fortsetzung jener Komödie, in der ein Rudel britischer Pensionisten in ein baufälliges indisches Hotel übersiedelt.

SN: Beim ersten "Marigold Hotel"-Film haben nach den Dreharbeiten alle über die Hitze und den Lärm in Indien geklagt. Wie war es diesmal?

Nighy: Wir waren wieder an denselben Orten. Ich hab sogar dasselbe Hotelzimmer bekommen. Ich mag meine Routinen. Alles war entspannter. Beim ersten Film waren wir noch ein bisschen überfordert, in Indien ist immer viel los. Das Beste war, all die indischen Crewmitglieder wiederzusehen. Wir hatten nie erwartet, dass dieser Film zu so einem Hit würde. Es war toll, den Erfolg mit diesen Leuten zu teilen.

SN: Würden Sie gern eine weitere Fortsetzung drehen, um wieder im selben Hotelzimmer bleiben zu können?

Ich gebe zu, es macht mir große Freude, dieselben Dinge wieder zu tun. Natürlich nur, wenn es angenehme Dinge sind. Ich mag es, zurückzukehren an einen Ort, in derselben Ecke im selben Schatten zu sitzen, hinter denselben Vorhängen, im selben Sessel.

SN: Sie mussten hier Moped fahren, mit Dame Judi Dench. Hat das Spaß gemacht?

Es war fürchterlich. Wir mussten die Szene 17 Mal drehen und jedes Mal dachte ich wieder: "Das ist jetzt der Moment, in dem wir sterben!" Ich werde mich nie wieder auf so ein Ding setzen.

SN: Wir sehen nicht so oft Liebesgeschichten zwischen älteren Leuten im Kino.

Oh ja, nach dem 60. Geburtstag sollen wir aufhören zu existieren. Wer will schon wissen, ob alte Leute noch Liebesaffären haben? Aber ich wollte diesen Film vor allem wegen Judi Dench machen. Ich habe schon oft mit ihr zusammengearbeitet. Und dass wir da eine Affäre haben, ist einfach witzig. Die größte Herausforderung war, zu verhindern, dass sie ständig loslacht. Sie ist berüchtigt für ihre Lachanfälle. Ich sollte in einer Szene diskret im Hintergrund mit ihr tanzen. Danach war mein Hemd nass von ihren Lachtränen. Ungefähr auf Nabelhöhe, weil sie ja so klein ist.

SN: Was tun Sie an einem drehfreien Tag in Indien?

Dasselbe, was ich überall sonst mache. Ich trinke Kaffee, höre Rhythm 'n' Blues, lese, gehe spazieren und dann zum Abendessen. Das ist meine Vorstellung eines perfekten Lebens. In Indien war das Leben geradezu lächerlich angenehm. Ich saß auf dem Balkon, schaute auf einen See und überlegte, was ich zum Tee essen sollte. Das ist kein schlechtes Leben. Mehr muss für mich gar nicht passieren, solange Musik läuft und ein Buch da ist.

SN: Erzählt der Film Ihr Ideal des Pensionistendaseins?

Ja, ich liebe das ganze Konzept des Wohnens im Hotel. Ich wäre sehr glücklich im Marigold Hotel.

SN: Was mögen Sie an Hotels?

Ich mag, dass alles sofort wieder in den Ursprungszustand versetzt wird, egal was man im Zimmer anstellt. Ich mag, dass keiner reinkommt, ohne sich an der Rezeption anzumelden.

SN: Lernen Sie auch Ihren Text im Hotel?

Ich mag es nicht, wenn ich nachhechle während der Dreharbeiten. Ich muss alles können, wenn ich ans Set komme. Ich mag es nicht, wenn ich unterwegs arbeiten muss. Ich lerne zu Hause, da ist niemand, der sich gestört fühlen könnte. Die einzige Frage ist, ob ich dabei Musik höre, ich lebe nämlich ununterbrochen mit Musik: im Auto, im Trailer am Set, im Hotelzimmer, daheim.

SN: Wen hören Sie da?

Oh, ich mag Leute, die Sie erwarten würden: Ray Charles, Aretha Franklin, Prince, Marvin Gaye, John Lee Hooker, B. B. King. Bob Dylan ist vielleicht der wichtigste Künstler in meinem Leben und ich bin natürlich ein großer Stones-Fan. Ich höre Macy Gray, Taj Mahal, und Van Morrison ist natürlich ein Genie . . .

Kino: The Second Best Exotic Marigold Hotel, Komödie, GB 2015. Kinostart: 3. April.

(SN)

Aufgerufen am 19.06.2018 um 08:15 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/wer-will-schon-wissen-ob-alte-leute-liebesaffaeren-haben-2610868

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