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"Wie der Vater, so der Sohn": Der Stoff, aus dem Vaterliebe ist

Vertauschte Söhne: Ein Film geht der Frage auf den Grund, was die Beziehung zwischen Eltern und Kind wirklich ausmacht.

Mein Kind, ein Fremder: Es ist ein Elternalbtraum, dem der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda in dem herzzerreißenden Drama "Wie der Vater, so der Sohn" nachgeht: Ein Vater erfährt, dass sein Sohn vor sechs Jahren nach der Geburt im Spital mit einem anderen Baby vertauscht wurde. Doch was sind die Konsequenzen?Stolz auf den eigenen SohnRyota Nonomiya (Masaharu Fukuyama) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er ist stolz auf seinen kleinen Sohn Keita (Keita Ninomiya). Zwar nimmt er sich nicht viel Zeit für den Buben, der in der Schule Papierdrachen bastelt, mit Mama Midori (Machiko Ono) daheim Klavier spielen lernt und schon ins Bett muss, wenn der Vater heimkommt. Geliebt wird er aber über alles. Dann kommt die Nachricht, die alles auf den Kopf stellt: Bei einem Bluttest, der vor der Aufnahme in die weiterführende Volksschule gemacht wird, stellt sich heraus, dass Keita nicht der Sohn von Ryota und Midori ist. Eine Kommission ernster Herren überbringt die Botschaft und eine Entschuldigung. Die Schockstarre nimmt ÜberhandMidori und Ryota sind wie in Schockstarre. Als sie mit der Familie zusammentreffen, die ihren leiblichen Sohn bisher aufgezogen hat, tut sich ein Abgrund auf: Die biologischen Eltern von Keita sind komplett gegensätzlich, sie haben ein ganzes Rudel Kinder, der Vater ist ein liebenswürdiger Chaot, der mit seinen Söhnen und Töchtern in Hüpfburgen herumkugelt, für die Kinder da ist, aber seiner Frau die Verantwortung überlässt. Ryota ist hin- und hergerissen zwischen Faszination und Kopfschütteln.

Und ja, dieser Mann liebt seine Kinder, aber der Bub, den er da aufgezogen hat, ist ein kleiner Rabauke. Wie kann Ryota seinen Keita dieser fremden Familie überlassen? Und wie dieses fremde, dabei leibliche Kind bei sich aufnehmen? Und wie gehen die Buben mit dem unverständlichen Unglück um, dass sie ihre Familie wechseln sollen?Vergleichbare Fälle in den 60er-JahrenIn den Sechzigerjahren gab es in Japan einige ähnliche Fälle, die er auch recherchierte, doch Kore-eda kam auf die Idee zu diesem Film, weil er selbst darum rang, was Vaterschaft bedeutet. "Wie der Vater, so der Sohn" findet keine endgültigen Antworten darauf. Ist es das Erbgut, das Menschen teilen, das Familienbande ausmacht, oder ist es die gemeinsam verbrachte Zeit?

Gelungen ist Kore-eda ein unvergesslicher Film über Elternschaft und darüber, was ein Kind von seinen Eltern und die Eltern von ihrem Kind erwarten dürfen, ein Film, der feinen Humor und große Ernsthaftigkeit vereint. In Cannes erhielt der Regisseur 2013 den Jurypreis. Wie der Vater, so der Sohn. Drama, Japan 2013. Regie: Hirokazu Kore-eda. Mit Masaharu Fukuyama, Keita Ninomiya, Machiko Ono. Start: 17. 10.

Quelle: SN

Aufgerufen am 15.08.2018 um 08:46 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/wie-der-vater-so-der-sohn-der-stoff-aus-dem-vaterliebe-ist-3091807

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