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"Wish I Was Here": Zach Braff ist endlich erwachsen

Comedystar Zach Braff hat seinen neuen Film "Wish I Was Here" mit einer der erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen im Filmgeschäft finanziert.

In der TV-Serie "Scrubs - Die Anfänger" spielte er den uncoolen Jungmediziner J. D. Sein erster Film "Garden State" (2004) wurde zum Kultfilm einer Generation nachdenklicher Männer, die nicht erwachsen werden wollten. "Wish I Was Here" ist nun die zweite Regiearbeit von Zach Braff, der inzwischen grau an Bart und Schläfen wird, und handelt vom gescheiterten Schauspieler Aidan (Braff), dessen Frau (Kate Hudson) das Geld verdient. Als die Kinder von der teuren Schule fliegen, weil Opa nicht mehr das Schulgeld zahlen kann, muss Aidan Verantwortung übernehmen und beginnt, sie selbst zu unterrichten. "Wish I Was Here" ist erneut ein Film über einen sympathischen Verlierer, der die Widrigkeiten des Lebens zu umschiffen versucht. Im Interview spricht Braff über die großen Fragen des Lebens.

SN: Wenn Sie einen Film schreiben, Regie führen und selbst mitspielen - handelt der dann auch automatisch von Ihnen?
Braff: Ja, da ist vieles autobiografisch, wie schon in "Garden State". Diesmal haben mein Bruder Adam und ich gemeinsam geschrieben, die Hauptfigur Aidan ist also ein Mix aus uns beiden. Ich bin zum Beispiel kein Vater, Adam schon: Er versorgt die Kinder, während seine Frau arbeiten geht, genau wie im Film. Und ich bin in einem Alter, in dem die meisten Leute Kinder haben, da denke ich auch darüber nach, welche Art von Vater ich gern wäre. Wenn kleine Gesichter zu mir aufsehen, die mich fragen, was wir Menschen auf der Erde sollen - was würde ich da antworten? Meine Eltern rieten mir, Antworten in der Religion zu finden. Aber ich bin kein religiöser Mensch. Woran glaube ich eigentlich? Und was werde ich meinen Kindern beibringen?

SN: Spiritualität ist wichtig im Film. Ist das eine Alterserscheinung?
Ich glaube, ja. Mit Mitte zwanzig denkt niemand übers Sterben nach. Aber ich bin jetzt 39 und da wird das immer wichtiger. Auch weil mein Vater nun 80 ist und ich beginne, mir zu überlegen, was es bedeutet, die Eltern zu verlieren. Sobald man damit beginnt, denkt man über die Endlichkeit des Lebens nach, und darüber, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, all diese gigantischen Fragen. Aber keine Sorge, wir haben auch viel herumgeblödelt.

SN: Bei der Finanzierung haben Sie die Hälfte des Budgets von sechs Millionen Dollar mit Crowdfunding aufgebracht. Warum Fans zahlen lassen, wenn es Filmstudios gibt?
Der Film ist nicht gerade typisches Hollywoodmaterial, und bei einem Studio hätte ich große Kompromisse machen müssen: Viele mir wichtige Themen wären rausgeflogen, ich hätte andere Schauspieler besetzen müssen und ich hätte nicht das letzte Wort beim Schnitt gehabt. Und dieses Frankenstein-Monster von Film wäre dann vor Testpublikum gelaufen und entsprechend den Ergebnissen der Testbögen umgeschnitten worden. Das hat nichts mehr mit Kunst zu tun, das ist beschissene Collage! Wahrscheinlich hätte ich mich den Regeln trotzdem gefügt, weil ich den Film unbedingt machen wollte. Aber Crowdfunding ist zu einem Modell geworden für Leute, die Projekte realisieren wollen, ohne dass ein Großunternehmen mitmischt. Wir hatten einen Monat, um das Geld aufzutreiben. Dann waren die Fans so begeistert, dass die Summe innerhalb von 48 Stunden da war.

SN: Was haben die Fans für ihren Beitrag bekommen?
Wir haben uns alles Mögliche einfallen lassen, je nach Größe des Beitrags: ein Original-Drehbuch, ein T-Shirt, ein Vorabscreening des Films mit Publikumsgespräch, ein Besuch am Filmset, ein Spruch für den Anrufbeantworter und vieles mehr. Das hat die eine Hälfte des Budgets finanziert, und die andere Hälfte des Budgets war mein eigenes Geld. Ich werde mit dem Film wahrscheinlich kein Geld verdienen, er ist ein Experiment in künstlerischer Integrität: Was, wenn ich den Fans genau das liefere, was ich im Kopf habe? Wird das funktionieren? Innerhalb des Systems Hollywood hätte ich den Film nie so machen können.

Wish I Was Here. Tragikomödie, USA 2014. Regie: Zach Braff. Mit Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin, Josh Gad, Joey King, Pierce Gagnon, Donald Faison, Jim Parsons, Michael Weston. Start: 10. 10.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.08.2018 um 12:51 auf https://www.sn.at/kultur/film-tv/wish-i-was-here-zach-braff-ist-endlich-erwachsen-3115873

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