Kultur

Gestörte Heimgartenidylle des TiB als ironische Revue

Das Wiener Volkstheater hat die Aufführung des Theaters im Bahnhof (TiB) vor der Premiere abgesagt, am Freitag hat nun in Graz die Uraufführung von "Keine Angst. Eine Heimgartenrevue" stattgefunden. Beherrscht von der Musik werden die großen und kleinen Sorgen der Heimgärtner, aber auch ihre Eigenheiten und ihre manchmal verbohrten Ansichten knapp und oft nur in Andeutungen gekonnt dargelegt.

Ironisch, musikalisch versiert und kurzweilig - was an der Koproduktion zwischen TiB und Volkstheater für die Wiener Außenbezirke nicht tragbar war, lässt sich beim besten Willen nicht sagen. Allenfalls die wenigen Ausschnitte aus einer Schrebergarten-Doku von Elisabeth T. Spira könnte man als wenig schmeichelhafte Darstellung der Betroffenen sehen, aber an diesem Material aus den 90er-Jahren sollte heute niemand mehr Anstoß nehmen.

Die vier ausgezeichneten Darsteller zeigen mit viel Gefühl für die Musik auf, welche Bedeutung das kleine Stück Grün für viele Besitzer hat. Dass es im Heimgartenverein eine strenge hierarchische Ordnung gibt - "Was der Obmann sagt, wird gemacht" - wird ebenso wenig verschwiegen wie der Hang zu verqueren Ansichten. Eingebettet sind die Gesangsnummern in eine Protestaktion, die den Verbau der Kleingärten verhindern soll. Dazu wurde auch eine Viergesang-Gruppe gegründet, und mit heiligem Ernst ziehen die Gartenfreunde los: "Wir sind Kleingärtner, und wir singen um unser Leben" heißt es da pathetisch.

Feindbilder sind die Straßenplaner, aber auch eine grüne Bezirksvorsteherin, und letztlich schrecken die Schrebergärtner auch vor persönlicher Diffamierung eines befreundeten Politikers nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Zwischen den Bäumen, Sträuchern und Blumen werden die Strukturen sichtbar, die in dieser vermeintlich heilen Welt vorherrschen, Abgründe blitzen auf, und zuletzt kommt der schwerste Schlag aus den eigenen Reihen.

Juliette Eröd, Monika Klengel, Lorenz Kabas und Julian Loidl skizzieren unter der Regie von Ed Hauswirth starke Figuren, die in ihrem verzweifelten Klammern an der bekannten Idylle alle irgendwie scheitern. Aber das tun sie sehr musikalisch und mit einer großen Portion Menschlichkeit, die den heftigen Ausbrüchen den Stachel nimmt.

SERVICE: "Keine Angst. Eine Heimgartenrevue". Koproduktion Theater im Bahnhof und Wiener Volkstheater. Regie: Ed Hauswirth, Bühne und Kostüme: Johanna Hierzegger. Mit: Juliette Eröd, Monika Klengel, Lorenz Kabas und Julian Loidl. Weitere Termine im Kristallwerk in Graz: 4., 9., 10., 17., 19., 25. und 26.März. In Wien im Volx/Margarethen 29. und 30.4. und 1. Mai 2017. http://theater-im-bahnhof.com)

(APA)

Aufgerufen am 18.06.2018 um 05:54 auf https://www.sn.at/kultur/gestoerte-heimgartenidylle-des-tib-als-ironische-revue-143059

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