Kultur

Gunkl in Salzburg: Fast vorbei ist auch getroffen

Was lässt sich in der Kluft zwischen Ist- und Sollzustand lernen? Gunkl zeigte es in Salzburg.

Gunkl. SN/www.gunkl.at
Gunkl.

Nur weil einer lieber zum Zahnarzt geht als auf Partys, muss er nicht gleich unter Humormangel leiden. Erst recht nicht, wenn er seine Vorlieben mit so klaren Argumenten untermauern kann wie Gunkl. "Beim Zahnarzt weiß ich wenigstens, wofür es gut ist", sagt der Kabarettist. Bei einem Fest hingegen, das vor allem dem Zweck diene, dass sich Menschen gegenseitig ihrer Anwesenheit vergewisserten, "verebbt irgendwann alles ins Undeutliche". Und das sei für jemanden mit seiner Diagnose nichts Verlockendes, erzählt der Kabarettist in seinem jüngsten Solo, das am Montag Salzburg-Premiere beim MotzArt-Festival in der ARGEkultur hatte.

Welche Diagnose? Mithilfe eines Selbsttests im Internet habe er bei sich ein tatsächliches Defizit festgestellt, erläutert Gunkl: Auf ihn träfen die Merkmale des Asperger-Syndroms zu. "Das ist eine Art Autismus light." Und so regungsfrei, wie er auf der Bühne steht, und zwischen sich und dem Publikum einen Wall aus Satzungetümen baut, nimmt man das der Bühnenfigur von Günther Paal glatt ab. Gunkl ist der Grundlagen-Theoretiker unter den Kabarettisten. "Beobachtungen machen und daraus Vermutungen anstellen", so lautet seine Berufsbeschreibung. Dass er sie auf der Bühne wie geballten Seminarstoff präsentiert, ist Teil des Vergnügens.

In labyrinthisch verzweigten Sätzen geht der ehemalige "Experte für eh alles" auch diesmal erhellend auf philosophische Fragen ein: Kann man etwas vermissen, von dem man gar nicht wusste, dass es existiert? Hat es Sinn, jemand anderer sein zu wollen, wenn einem doch dann erst recht der Vergleich zu sich fehlen würde?

Auf theoretische Distanz statt schnelle Pointen setzt er auch, wenn der Monolog zu politisch aktuellen Themen führt. Was läuft falsch, wenn sich eine Gruppe nur durch die Abgrenzung gegen die anderen definiert? In Gunkls Worten: "Wenn eine Gruppe nur ist, was sie nicht nicht ist, dann ist das ein bisschen wenig."

Dass es zwischendurch auch Längen zu überbrücken gilt, gehört zur Dramaturgie. Je länger er knapp am Thema vorbeiphilosophiert, desto besser sitzt dann die Pointe. "Fast vorbei ist auch getroffen", sagt Gunkl in Umkehrung einer Binsenweisheit. Für einen selbst ernannten "Sozialasketen" gibt sich Paal im Programm "Zwischen Ist und Soll - Menschsein halt" dann aber auch wieder recht leutselig und erzählt etwa, was das Problem dabei ist, keinen Alkohol mehr zu trinken: "Nüchternheit als Ersatzdroge funktioniert auch nur eine Zeitlang. Man kann ja schlecht die Dosis erhöhen."

Quelle: SN

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