Kultur

Heumarkt-Gegner warnen: "Die Marke Wien wird entwertet"

Die Gegner der Heumarkt-Neugestaltung machen weiter Stimmung gegen das Projekt mit seinem 66 Meter hohen Wohnturm. Für eine Pressekonferenz am Mittwoch hat man sich auch Vertreter der UNESCO bzw. des Denkmalrats ICOMOS mit aufs Podium geholt. Die Stadt opfere das Weltkulturerbe zugunsten eines Investors, lautete der Tenor. Gefordert wurde einmal mehr: zurück an den Start.

Die Heumarkt-Neugestaltung erregt die Gemüter in Wien.  SN/APA (ISAY WEINFELD)/UNBEKANNT
Die Heumarkt-Neugestaltung erregt die Gemüter in Wien.

Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission, verwies darauf, dass das historische Zentrum den Welterbestatus erlangt habe, weil Wien selbst diesen beantragt habe. Dabei handle es sich um ein Schutzinstrument. Das Problem sei allerdings: Es gebe keine verbindlichen rechtlichen Rahmenbedingungen oder Schutzbestimmungen, die für die Bewahrung des Weltkulturerbes garantieren würden. "Das Problem ist immer dasselbe: Projekte werden entwickelt, ohne die Auflagen der UNESCO zu berücksichtigen", verwies sie etwa auf die Causa Wien-Mitte. Der Bahnhofskomplex war ursprünglich höher geplant, wurde nach Interventionen des Welterbekomitees allerdings gestutzt.

ICOMOS-Präsident Wilfried Lipp formulierte es drastischer. In der Wiener Stadtplanung habe eine "Eskalationsdynamik" eingesetzt, die dem Motto folge: immer mehr, immer höher, immer weiter. Er kritisierte die "Vertikalisierung": "Es ist, wie wenn ein Flugzeug Hochhausdünger über die Stadt versprüht hat und dort, wo Investoren sind, wachsen Hochhäuser heraus." Lipp betonte weiters, dass die hiesige Kulturerbezone weniger als zwei Prozent der Stadtfläche betrage.

An vorderer Front gegen die Heumarkt-Pläne kämpft auch die IG Kultur, die laut eigenen Angaben inzwischen mehr als 1.600 Unterschriften für eine Petition gesammelt hat. Geschäftsführer Gerhard Ruiss ärgerte sich über den "Affront" der Stadt: "Die Marke Wien wird entwertet." Er wundere sich über die "dümmlichen Argumente", die für die Durchsetzung des Vorhabens bemüht würden: "Wo bitte ist hier der verwaiste Platz? Was ist hier hinterhofästhetisch? Und ich sehe nicht, wo der Mehrwert für die Kultur liegen soll." Der zusätzliche Eingang ins Konzerthaus könne damit wohl nicht ernsthaft gemeint sein.

Initiiert wurde die Pressekonferenz von der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege. Deren Präsident Friedmund Hueber betonte heute, dass es hier nicht nur um das Heumarkt-Projekt gehe. Er sieht auch Gefahr für die gesamte Ringstraßenzone.

Die Neugestaltung des Heumarkt-Areals von Hotel Intercontinental bis Konzerthaus sorgt seit Monaten für Debatten. Grund ist vor allem die Drohung der UNESCO, die Innenstadt infolge des projektierten 66-Meter-Turms auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten zu setzen. In weiterer Folge droht die Aberkennung des Kulturerbestatus.

Nach der neuerlichen Kritik haben die Wiener Grünen die angedachte Heumarkt-Neugestaltung samt 66-Meter-Turm mit Verweis auf den öffentlichen Nutzen verteidigt. Die Eislauffläche bleibe erhalten und werde auch im Sommer nutzbar, das Konzerthaus baulich freigespielt. "Das werte ich als Erfolg", befand Planungssprecher Christoph Chorherr.

In die Entwicklung des Areals mit einem Hotelneubau und einem Wohnturm, der sechs Geschoße höher sein wird als der jetzige Bestand, seien zahlreiche heimische und internationale Architektur- und Stadtplanungsexperten eingebunden gewesen, betonte Chorherr am Mittwoch in einer Aussendung. Zum Vorwurf der Investorenhörigkeit merkte der grüne Planungssprecher an: "Einer der wesentlichsten Erfolge der Grünen in der Stadtregierung ist die Einführung von städtebaulichen Verträgen, die den Mehrwert für die Bevölkerung klar und nachvollziehbar in einer bindenden Vereinbarung regeln."

City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) appellierte indes an "alle handelnden Personen, Schritte zu unternehmen, damit der Welterbestatus aufrecht bleibt". Er verwies dabei auch auf einen Antrag von Ende 2016, in dem sich die Bezirksvertretung Innere Stadt mehrheitlich für den Erhalt des Weltkulturerbes ausspricht.

Es müsse in Wien möglich sein, Zukunftsentwicklung mit Historie und Weltkultur in Einklang zu bringen, ergänzte Figl. Es brauche aber auch Planungssicherheit für Investoren, denn sonst werde sich niemand mehr finden, der sich bereit erklärt, Projekte zu entwickeln.

Quelle: APA

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