Kultur

"Ich lese keine Tweets von Donald Trump"

Wer ein Werk "Mein Amerika" nennt, könnte missverstanden werden - oder ein Träumer sein, wie Songwriter Philipp Poisel.

Amerika als Traumland: Philip Poisel. SN/grönland/christian köstlin
Amerika als Traumland: Philip Poisel.

Sechs Jahre ließ sich Philipp Poisel, der Romantischste aus der jüngeren deutschsprachigen Songwriter-Szene, Zeit. Nun trägt sein neues Album den Titel "Mein Amerika". In ungestümen Trump-Tagen mutet das eigenartig an.

Herr Poisel, sind Sie denn ein Träumer, ein Nostalgiker Poisel: Die Musik begreife ich immer als eine Variante, aus dem Alltag zu fliehen und so auch Kraft zu schöpfen. Träume waren für mich immer Selbstzweck und Schutz. Daliegen, dahinträumen - das hilft mir, einen anderen Blick auf die Dinge zu bekommen. Da lässt sich eine Welt ausmalen, die einem sonst nicht einfällt.
Nun heißt Ihr Album "Mein Amerika". Welchen Traum von Amerika haben Sie denn Zunächst war da konkret der Traum, überhaupt einmal hinzukommen, weil ich große Flugangst habe - die zu überwinden war ein gutes Gefühl. Dort auch noch Musik aufzunehmen war etwas, das ich mir immer ausgemalt hatte.
Wann stand denn der Name für das Album fest Mit dem Gedanken spielte ich schon vor fünf Jahren, als ich erste Ideen für neue Songs hatte. Da war mir nicht bewusst, dass jetzt, ein paar Jahre später, dieser Titel eine Art Brisanz bekommt.
Nun, Ihr Album bezieht sich ja auch nicht unmittelbar auf die aktuelle Situation in den USA. Von welchem Amerika erzählen Sie denn Ich habe dieses "Amerika" nicht als die "Vereinigten Staaten", den Staat sozusagen, gesehen. Ich nahm dieses "Amerika" immer gern als bloß geografischen Ort wahr, als einen speziellen Punkt mit all diesen Naturschönheiten, den besonderen Landschaften. Das hat mich immer inspiriert. Davon erzählt auch der Song "Mein Amerika" - eine romantische Sichtweise, zugegeben.
Sie erwähnen in dem Song "Woodstock" jenes Festival, das zum Symbol der Gegenkultur wurde. Ist dieses gegenkulturelle Amerika, das sich stark in Musik ausdrückte, denn verschwunden Ich denke, dass es auch damals in den 1960er-Jahren eine Krise gab, aus der heraus die Gegenkultur gewachsen ist. Vielleicht erleben wir ja nun auch so etwas, und dann haben wir ein nächstes Woodstock auf der Straße oder im Internet. Ich denke schon, dass jedes Extrem eine Gegenreaktion provoziert.

Weiterlesen mit dem SN-Digitalabo

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 25.09.2018 um 05:33 auf https://www.sn.at/kultur/ich-lese-keine-tweets-von-donald-trump-372766