Kultur

Ilse Helbich - "ich bin aus dem Wort gefallen"

Wenn eine Schriftstellerin in ein "sprachloses Schauen" übertritt, könnte dies bitter sein. Doch Ilse Helbich wirkt zielstrebig und erzählt.

Die 94-jährige österreichische Schriftstellerin Ilse Helbich verkündet, dass sie nicht mehr schreiben will. SN/privat/literaturverlag droschl
Die 94-jährige österreichische Schriftstellerin Ilse Helbich verkündet, dass sie nicht mehr schreiben will.

"Ich bin hineingefallen in ein sprachloses Schauen, in eine Einheitsbeziehung mit der Natur, empfinde mich als Teil des Naturgeschehens, aber ich bin mir noch erkennbar", sagt Ilse Helbich über ihren Istzustand. Ihre Grundbefindlichkeit ist Offenheit, die ihr im Laufe ihres Lebens immer mehr bewusst geworden ist. Mit dieser Offenheit und Neugier auf die Natur, auf Menschen, auf die Welt, fasst sie mit großer Intensität ihre Eindrücke in ihren Gedichten zusammen. Ihr jüngstes Buch mit dem Titel "Im Gehen" ist sozusagen ein Lyrik-Konzentrat aus ihrer Wort- und Empfindungswelt und beinhaltet frühe Gedichte, die zwischen 1975 und 1985 entstanden sowie Gedichte der letzten zehn Jahre - wie beispielsweise folgendes:

"Bleib bei mir", sagt sie,
und weiß nicht, wen sie meint.
Keiner da.
Nicht Auge, nicht Hand, leere Luft,
"bleib bei mir".


Der Buchtitel "Im Gehen" mutet beinahe doppelsinnig an, als hätte die charismatische Schriftstellerin den Lesern zum Abschied noch ein Geschenk hinterlassen wollen. Sie verbinde mit Gehen das "Unterwegssein, eine vage Zielvorstellung, nicht aufs Ziel gerichtete Fortbewegung", sagt die Schriftstellerin. "Die Welt ist nicht starr und fix!"

Weiterlesen wenn Sie mehr wissen wollen

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 16.10.2018 um 01:44 auf https://www.sn.at/kultur/ilse-helbich-ich-bin-aus-dem-wort-gefallen-20615521