Kultur

Kinderfestspiele: Frau Fuchs ist "nicht happy"

Auf das Land kommt etwas zu. Exakt auf Landesrat Heinrich Schellhorn. Aber er weiß es noch nicht.

Sie hat mit der Philharmonie Salzburg vermutlich das coolste junge Orchester Salzburgs "erfunden". Und obendrein die Kinderfestspiele. Die firmieren unter dem Titel "Große Musik für kleine Zuhörer" und werden heuer zehn Jahre alt.

Der gleichnamige Verein ist mittlerweile größter Konzertveranstalter für Kinder, Jugendliche und Familien in Salzburg. Die Konzertzyklen mit sechs Produktionen pro Saison brachten es zuletzt allein in der Stadt auf 25.000 Besucher. Elisabeth Fuchs, treibende Kraft hinter all dem: "Mit den Workshopkonzerten in der Stadt erreichen wir jährlich über 7000 Kinder aller sozialen Schichten. Und neu, in Zell am See, sind es 3000." Fuchs, studierte Mathemati kerin, hat permanent den Turbo eingeschaltet.

Jetzt gehorcht ihr offenbar auch noch das Universum: Vor Kurzem entdeckten Astronomen im 40 Lichtjahre von der Erde entfernten System Trappist-1 sieben erdgroße Planeten. Sie umkreisen einen Stern. Die Entdeckung gelang just vor dem sogenannten Symphonic Talk3 - auch eine Erfindung von Frau Fuchs. Gunkl (Günther Paal) und Florian Freistetter von den "Science Busters" präsentieren dabei in der Aula der Universität ein skurriles Wissenschaftskabarett (Sa., 11. März). Sie sprechen mit Fuchs über Gott, die Welt und die Sterne. Und danach dirigiert sie dann auch noch die Philharmonie. Auf dem Programm: Die grandiose Orchestersuite des englischen Komponisten Gustav Holst namens "Planeten" und der intergalaktische Soundtrack zu "Star Wars", komponiert von John Williams. Übrigens: Der "Symphonic Talk" wird mit Teil 4 am 22. April fortgesetzt. Thematisch und musikalisch dreht sich dann alles um "Die Zauberflöte".

Zu Gast ist dann Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. "Sie hat ,Die Zauberflöte' unzählige Male erlebt. Aber niemand fragt sie. Ich schon!", sagt Elisabeth Fuchs - und lacht schon wieder.

Bei den Erfolgsmodellen Philharmonie und bei den Kinderfestspielen bleiben, scheint's, keine Fragen offen. Oder doch?

2016 spielte die Philharmonie 101 Konzerte. Davon 65 für Familien und Kinder, 36 in anderen klassischen Bereichen. "Die Musiker leiteten 362 Workshops für Schulklassen und Kindergartengruppen. Es wurden 17.000 CDs mit ,Peter und der Wolf' an Kinder verteilt, die zuvor Konzerte besuchten. Der Gesamtumsatz beider Vereine (Philharmonie einerseits, Kinderfestspiele andererseits) belief sich auf rund 1,4 Mill. Euro." Der Anteil der Subventionen für die Kinderfestspiele betrug knapp 22 Prozent: Die Stadt Salzburg gab 52.000, das Land Salzburg 12.000 Euro, die Stadt Zell am See 10.000. Aber: Die Subventionen für die Philharmonie blieben mit sieben Prozent einstellig. "Da bin ich echt nicht happy", sprudelt es aus Elisabeth Fuchs nur so heraus und sie kündigt energiegeladen an, in dieser Causa vor allem Gespräche mit dem Land und dem Kulturlandesrat suchen zu wollen. Es sei inakzeptabel, dass trotz starker kultureller Leistung mit großer Breitenwirkung nur Hungerlöhne für Musiker übrig blieben.

Feinfühlig ist: Die "Symphonic Talks" finden jeweils an Samstagen von 18.15 bis 19.30 Uhr statt. "Weil dann noch Zeit für ein Essen bleibt und auch Babysitter nicht überanstrengt werden." So etwas fällt nur einer Frau ein, die Mutter und Dirigentin ist.

Der größte Chor Salzburgs

Auch heuer finden wieder zwei Lehrlingskonzerte und ein Schülerkonzert im Großen Festspielhaus statt (Do. 9 März und Frei., 10. März). Präsentiert wird ein speziell für Jugendliche konzipiertes Programm. Nach seinem Triumph bei "From Broadway to Hollywood' ist der erst 17-jährige Salzburger Ausnahmemusiker Lorenz Widauer zurück auf der Bühne des Festspielhauses. Mitsingen und gemeinsam Musizieren bei manchen Kompositionen ist ausdrücklich erwünscht. Wenn bei der 9. Beethovens alle 2000 Schüler/Lehrlinge im Saal mitsingen, entspricht das dem größten Chor Salzburgs.

Aufgerufen am 22.08.2018 um 04:11 auf https://www.sn.at/kultur/kinderfestspiele-frau-fuchs-ist-nicht-happy-59989

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