Kino

Bond-Bösewicht Rami Malek: "Man erinnert sich nicht nur an die Schurken"

Ramik Mali spielt in "Keine Zeit zu sterben" den Schurken und spricht über heikle Feindbilder und Änderungen im Drehbuch des neuen 007-Films.

Rami Malek SN/danjaq, llc and mgm/nicola dove
Rami Malek

Manche sagen, ein James-Bond-Film sei nur so gut wie sein Bösewicht. Was halten Sie davon? Rami Malek: Oh, da stimme ich überhaupt nicht zu. Wenn wir an all diese Filme denken, erinnert sich natürlich jeder an die Schurken, aber es erinnert sich auch jeder an James Bond. Und ich finde, Daniel (Craig, Anm.) hat einen bleibenden Eindruck bei uns allen hinterlassen.

Sie sprechen im Film mit einem Akzent, was für einer ist das? Ich habe mit Regisseur Cary Fukunaga über Kleidung, Ethnie, Dialekt und Akzent gesprochen. Ich habe gesagt: Wie wäre es, wenn Safin eine Mischung aus Ost und West ist? Wir wissen nicht wirklich, wo er herkommt, denn ich glaube, je weniger man über jemanden weiß, desto mehr kann er einem Angst machen. Man sieht es in der Politik und in der Gesellschaft - was fremdartig ist, finden wir manchmal beängstigend. Warum sollte ich mir das nicht zunutze machen?

Das Drehbuch wurde nach Beginn der Dreharbeiten mehrfach angepasst. Hat sich das auf Ihre Rolle ausgewirkt? Ja. Wir haben kontinuierlich Dinge moduliert. Wenn etwas nicht passte, haben wir es verbessert. Das ist der Luxus, wenn man an einem richtig großen Film wie "Keine Zeit zu sterben" arbeitet - dass man die Gelegenheit hat, alles genau auszuarbeiten. Diese Filme werden in der Kinogeschichte ewig weiterleben. Also müssen wir uns die Zeit nehmen, es richtig zu machen.

Das heißt, Sie selbst konnten auf Szenen und Dialoge Einfluss nehmen und in Absprache mit Regisseur Cary Fukunaga Dinge ändern? Ja, mit Feingefühl. Nicht nur mit Cary, auch mit den Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson. Und natürlich hat Daniel Craig auch ein großes Mitspracherecht. Aber man muss sich als Schauspieler rechtzeitig zu Wort melden, wenn man das Gefühl hat, in der Entwicklung der Rolle macht etwas keinen Sinn, denn sonst ist es irgendwann zu spät.

Früher waren die Feinde russische Spione, Deutsche, auch mal ein Chinese. Mittlerweile vermeidet man politische Gegner oder bestimmte Nationen. Dabei gibt es doch eine dunkle Spionage-Welt, wie der Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal in England oder der Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi gezeigt haben. Sind solche Themen heute zu heikel fürs Kino? Vielleicht für einen James-Bond-Film. Andere Filme sind da wohl weniger vorsichtig. Das hat sehr viel mit Kommerz zu tun. Wenn man ein bestimmtes Land beleidigt, verliert man eine gewisse Summe an Geld, die der Film einnimmt. Leider ist das in den meisten Fällen so.

Es heißt, Safin bedrohe die Welt mit einem gefährlichen Virus. Hat durch Corona die Realität die James-Bond-Story eingeholt? Nein, überhaupt nicht. Es ist eine ziemlich einzigartige Geschichte, Sie werden es sehen. Was Safin vorhat, ist ziemlich fürchterlich, aber wirklich einzigartig.

Glauben Sie, dass der Film ein so großer Erfolg werden kann, wie er es vermutlich ohne die Pandemie geworden wäre? Ich betrachte den Film schon jetzt als Erfolg, einerseits, weil ich ihn gesehen habe, und anderseits, weil er in die Kinos kommt. Das ist etwas, wo wir vor Monaten noch dran gezweifelt haben.

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