Kino

"Crossing Europe": Filmfestival beginnt mit einem "Linzer Candy Boy"

Trotz der Coronakrise wird das Linzer Festival Crossing Europe seine Eröffnung mit einem Dokumentarfilm feiern und dann zehn Filme aufführen - es findet als Online-Ausgabe statt.

157 Filme, sechs Festivaltage, ein Tribut für Valie Export zu deren 80. Geburtstag, Musikvideos und Kurzfilme, Diskussionen, Ausstellungen und Konzerte: Das Programm des Filmfestivals Crossing Europe in Linz hätte am Dienstag beginnen sollen. Doch bald nach Beginn der Coronakrise wurde deutlich: Das wird sich nicht ausgehen. Trotzdem werde das Festival stattfinden, wenn auch auf Umwegen, sagt Intendantin Christine Dollhofer im SN-Gespräch. "Wir haben Alternativen gefunden, zumindest Teile des Programms zu präsentieren, unter anderem durch Einladung der VOD-Plattformen" - gemeint sind Flimmit und der Kino-VOD-Klub. Dort werden zehn Filme aus fünf Festivalsektionen von 21. April bis 20. Mai zu sehen sein, darunter die warmherzige griechische Globalisierungsdoku "When Tomatoes met Wagner" über die Bemühungen von Dorfbewohnern, ihre Paradeissoße in ganz Europa zu vermarkten, und "L'Angle mort" über einen Pariser, der die Fähigkeit besitzt, sich unsichtbar zu machen, was hier aber weniger Superheldentum als Melancholie bewirkt.

Die Auswahl dieser zehn Filme sollte repräsentativ sein, sagt Dollhofer. Und: "Alle diese Filme sind österreichische Erstaufführungen und die internationalen Rechteinhaberinnen mussten auch einverstanden sein - und das geht natürlich nur bei Filmen, die bereits die Chance hatten, vor Publikum zu laufen." Die neueren Filme, die erst kurz vor dem Lockdown fertig geworden sind, haben dafür die Zusage, nächstes Jahr in Linz zu laufen.

Ein Filmfestival lebe schließlich vom Zusammenspiel von anwesenden Filmgästen und Publikum, sagt Christine Dollhofer. Darauf wolle sie nicht verzichten. Daher soll das umfangreiche Valie-Export-Tribut etwa beim Ars-Electronica-Festival im September gezeigt werden. Das dem britischen Filmschaffenden Mark Jenkin gewidmete Special wird im Österreichischen Filmmuseum gastieren. Und ebenfalls ab September wäre jeden Dienstag um 18 Uhr im Linzer Citykino eine Crossing-Europe-Premiere geplant - immer vorausgesetzt, dass dann Kinovorstellungen möglich sind.

Trotz aller Coronavirusbeschränkung gibt es einen Eröffnungsabend: In Kooperation mit dem Partner DorfTV wird zur Eröffnung Michael Pfeifenbergers Dokumentarfilm "Micha Shagrir - The Linzer Candy Boy" gezeigt, ein Porträt des israelischen Filmemachers Shagrir. Dessen Familie hatte in der Linzer Bischofstraße ein Zuckerlgeschäft besessen und wurde nach dem "Anschluss" 1938 vertrieben. Shagrir war als alter Herr nach Linz zurückgekehrt und hatte das Filmfestival jahrelang begleitet, "er war ein Netzwerker par excellence, eine sehr offene, liebenswerte Persönlichkeit. Es war mir ganz wichtig, ihn noch einmal zu würdigen", sagt Dollhofer, die am Eröffnungsabend auch Filmempfehlungen geben wird. Zudem wird bis spät in die Nacht die heurige Musikvideoselektion gezeigt werden.

Zumindest für dieses Jahr stehe das Festival trotz des Ausfalls an Ticketerlösen weitgehend stabil da, "wenn wir im Herbst Veranstaltungen machen, müssen wir das personell dann eben auf kleiner Flamme tun", sagt Christine Dollhofer.

Sorgen mache ihr die weitere Zukunft, insbesondere wie Kulturbudgets nach einer vom Coronavirus ausgelösten Wirtschaftskrise aussehen würden. "Das Wichtigste ist, dass die Kinos bald wieder durchatmen können. Ohne Kinos gibt's keine Festivals." Es sei wichtig, dass nicht alles online gehe, "sondern dass das, wofür wir stehen, nämlich ein kollektives Kinoerlebnis, bald wieder funktioniert".

Festival: Crossing Europe, https">www.crossingeurope.">https://www.crossingeurope. at/news/details/extracts-vod-
angebot-ab-21-april.html sowie
https://dorftv.at/home

Quelle: SN

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