Kino

"Death Wish" mit Bruce Willis: Ein schlechter Tag zum Sterben

Bruce Willis geht im Film "Death Wish" auf Rachefeldzug - und spielt damit der Waffenlobby in die Hände.

"Es ist wirklich nicht der Zeitpunkt für diesen Film", schreibt das Branchenblatt "Hollywood Reporter" über "Death Wish", der am Freitag ins Kino kommt. Kann es einen richtigen Zeitpunkt geben für einen Film, der Waffenbesitz so unhinterfragt rechtfertigt? "Death Wish", in dem ein Vater und Ehemann auf blindwütigen Rachefeldzug geht, nachdem ihm Frau und Tochter bei einem brutalen Raubüberfall genommen wurden, ist die zweite Verfilmung des Romans von Brian Garfield aus dem Jahr 1972.

In der ersten Verfilmung mordete sich Charles Bronson 1974 durch die New Yorker Unterwelt, unter der Regie von Michael Winner und zu einem Soundtrack von Herbie Hancock, nur halbherzig verfolgt von der Polizei, der in vielen Fällen - fehlende Beweise, Gesetze und ähnliche Unannehmlichkeiten weiter - die Hände gebunden waren. Nun ist es Bruce Willis, der eigentlich längst einen gemütlichen Karriereabend als Protagonist herbstlicher Romanzen in der Bretagne verdient hätte. Hier darf er einmal noch das machen, womit er in den Achtzigerjahren seine Karriere zementiert hatte, die "Stirb langsam"-Kiste, bei der ein eigentlich ganz normaler Bürger durch die Umstände zum Ausrasten quasi gezwungen wird.

Es ist ein Subgenre des Thrillers, das in den letzten Jahren vor allem Liam Neeson geprägt hatte: Immer war da irgendeine ermordete Ehefrau im Hintergrund, eine böse Scheidung, eine entführte Tochter oder dergleichen, eine verletzliche Frau als Requisit und Motivation für den Helden. Bei "Death Wish" übernimmt nun wieder Bruce Willis, in einem Film, der etwa so subtil und überraschend ist wie ein zweistündiger Werbespot der US-Waffenlobby NRA - mit dem einen Unterschied, dass hier der berüchtigte Splatter-Horrorregisseur Eli Roth Regie geführt hat. Fans von Roth seien allerdings gewarnt: Nur in einer Szene quellen Gedärme, das allerdings sieht dann in etwa so realistisch aus wie in C-Movies der Siebzigerjahre.

Die Frage bleibt: Welcher Teufel reitet Filmverleiher, einen solchen Film ins Kino zu bringen, in einem gerade erst neun Wochen alten Jahr, das in den USA bereits ein Dutzend tödliche Schulmassaker gesehen hat? Zu einem Zeitpunkt, an dem sich internationale Konzerne von der NRA abwenden und in dem, wie aus Trotz, der US-Präsident als Lösungsansatz laut überlegt, Lehrer zu bewaffnen? Es ist derselbe hirnrissige Schluss, zu dem auch "Death Wish" kommt, im Gegensatz zur lustvoll eskalierenden Erstverfilmung diesmal vorgeblich vernünftig: Illegale Selbstjustiz sei zwar verständlich, aber tendenziell abzulehnen. Eine legale Bewaffnung bis an die Zähne sei aber auch für Privatleute unbedingt empfehlenswert, um allfälligen Kleinkriminellen den Kopf vom Körper zu schießen. Und das ist dann, weit jenseits von allfälligem Spaß an übertriebener Splattergewalt, nur noch reine Propaganda.

Film: Death Wish. Action, USA 2018. Regie: Eli Roth. Mit Bruce Willis, Elisabeth Shue, Camila Morrone. Start: 9. 3.

Quelle: SN

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