Kino

"Die Schneiderin der Träume": Sie schneidert ihr Leben zurecht

Manche Lebensrealitäten sind nur in Märchen verpackt erträglich.

Klassengrenzen zu überwinden ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, sogar im Märchen. Selbst Aschenputtel war "die Tochter eines wohlhabenden Mannes" und nicht wirklich eine Magd, wie bei den Gebrüdern Grimm nachzulesen ist. Daher sieht es auch schlecht aus für Ratna (Tilotama Shome), Titelheldin des indischen Dramas "Die Schneiderin der Träume", obwohl sie schon viel geschafft hat: Als Teenagerin war sie verheiratet worden, mit 19 wieder Witwe und hatte dann erkämpft, ihr Dorf verlassen zu dürfen, um in Mumbai zu arbeiten. Sie will Modedesignerin werden, und ihrer Schwester will sie die Handelsschule finanzieren, außerdem muss sie den Schwiegereltern monatlich Geld überweisen, damit sie in der Stadt bleiben darf. So weit ist die Aufstiegsfantasie noch überschaubar. Aber dann lässt Ratnas Arbeitgeber Ashwin (Vivek Gomber) seine Verlobte am Altar stehen, sie zieht gekränkt aus und Ratna ist plötzlich Haushälterin eines traurigen, alleinstehenden, liberal orientierten, attraktiven jungen Mannes mit gutem Einkommen und sehr guter Herkunft. Ein paar tröstende Worte, ein wenig zwischenmenschliches Einverständnis - und mit einem Mal sieht Ashwin Ratna nicht mehr als nützliches Möbelstück, sondern als liebenswerte Frau. Das kann nicht gut gehen. Obwohl: Im Märchen vielleicht doch.

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 24.01.2019 um 02:19 auf https://www.sn.at/kultur/kino/die-schneiderin-der-traeume-sie-schneidert-ihr-leben-zurecht-63811210