Kino

Filmfestspiele Venedig: Die Stadt gibt ein Lebenszeichen

Nach dem coronabedingten Lockdown des Kulturleben ist Venedig ab kommendem Mittwoch das erste große Filmfestival, das stattfindet. Fest steht: Vieles wird anders sein als bisher.

Lange Zeit schien es unsicher. Doch das Filmfest Venedig hat an seinen Plänen festgehalten und findet nun trotz der Coronakrise statt. Viele andere Festivals wurden in den vergangenen Monaten abgesagt oder zeigten ihre Filme nur online. Venedig ist nun das erste der weltweit großen Festivals, das seit dem Ausbruch der Pandemie stattfindet - wenn auch mit etwas reduziertem Star-Glamour.

Die Eröffnung an Mittwoch (2. September) mit dem italienischen Familiendrama "Lacci" mit Alba Rohrwacher gilt als wichtiges Signal für die Filmbranche. Nach Monaten der Ungewissheit, geschlossenen Kinos und unzähligen auf Eis gelegten Filmproduktionen gibt es nun wieder einen Funken Hoffnung auf Rückkehr zum Normalbetrieb. Immerhin war Venedig in den Vorjahren der Startschuss für die Preissaison, gewannen beim Festival gezeigte Werke später doch später regelmäßig Golden Globes und Oscars.

Heuer aber spielt der Umgang mit Corona erwartungsgemäß auch beim Filmfest eine wichtige Rolle. Festivalleiter Alberto Barbera kündigte umfangreiche Maßnahmen an. Weniger Filme und mehr Kinos sollen die Lage entzerren. Außerdem wird beim Einlass auf das Festivalgelände bei den Besuchern die Körpertemperatur gemessen, es gelten Maskenpflicht (selbst während der Filmvorführungen) und Abstandhalten, auch im Saal. Wie aber werden die Pressekonferenzen abgehalten? Wie sieht es auf dem roten Teppich beim Flanieren der Stars aus? Das wird sich erst im Laufe der nächsten Festivaltage zeigen.

Auch sonst wird in diesem Jahr einiges anders sein als sonst. In der offiziellen Festivalauswahl etwa sind weniger US-Produktionen vertreten. Möglicherweise sind die großen Studios weiter unsicher, welche Filme sie in dieser Situation starten oder doch lieber auf 2021 schieben wollen. Hollywoodglanz gibt es aber trotzdem: Oscarpreisträgerin Cate Blanchett ist Präsidentin der internationalen Jury, zu der auch Schauspieler Matt Dillon und die österreichische Regisseurin Veronika Frantz gehören. Sie werden am 12. September die Preise für die Wettbewerbsbeiträge vergeben. Auch dort finden sich bekannte Gesichter.

Auch Österreich ist dabei

Im Rennen um den Goldenen Löwen für den besten Film sind unter anderem "Nomadland" mit Frances McDormand, "The World to Come" mit Casey Affleck sowie "Pieces of a Woman" mit Shia LaBeouf. Auch Österreich ist in diesem Reigen mit der Koproduktion "Quo Vadis, Aida?" der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic und der Schauspielerin Edita Malovcic präsent.

Außer Konkurrenz ist "The Duke" von "Notting Hill"-Regisseur Roger Michell und mit Jim Broadbent und Helen Mirren in den Hauptrollen zu sehen, während Oscargewinnerin Regina King ("If Beale Street Could Talk") ihr Regiedebüt "One Night in Miami" über den Abend des Sieges von Boxer Cassius Clay im Jahr 1964 vorstellt. Überhaupt sind auffällig viele Regisseurinnen vertreten - von den 18 Wettbewerbsbeiträgen stammt fast die Hälfte von Frauen.

Eine Dokumentation stellt die Klimaaktivistin Greta Thunberg in den Mittelpunkt, und der Italiener Luca Guadagnino ("Call Me By Your Name") beobachtet im Kurzfilm "Fiori, Fiori, Fiori!", wie seine Freunde in Sizilien mit der Pandemie umgingen. Auch Pedro Almodovar hat dieses Mal einen Kurzfilm dabei: "The Human Voice" mit Tilda Swinton. Die 77. venezianische Festivalausgabe bedeutet also noch keine Rückkehr zum Normalbetrieb der Kinobranche. Aber es ist immerhin ein wichtiger Neustart.

Quelle: Apa/Dpa

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