Kino

In Locarno startet die Jagd auf den Goldenen Leoparden

Kino-Zauber unter freiem Himmel, eine der größten Filmleinwände der Welt und kühle Cocktails zum Filmgenuss: Mit seinen Aufführungen unterm Sternenzelt bietet das Internationale Filmfestival im Schweizer Locarno Einmaliges. Nach der pandemiebedingt nur für ein Fachpublikum interessanten kleinen Online-Ausgabe im Vorjahr lädt das Festival in diesem Jahr ab 4. August wieder Publikum ans Ufer des Lago Maggiore. Um den Goldenen Leoparden rittert auch ein österreichischer Beitrag.

Locarnos Piazza Grande in Vor-Corona-Zeiten SN/APA/KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
Locarnos Piazza Grande in Vor-Corona-Zeiten

Dabei handelt es sich um Peter Brunners neueste Arbeit "Luzifer". Hier hat Shootingstar Franz Rogowski die Hauptrolle inne. Er spielt Johannes, der ein einfaches Gemüt hat und mit seiner gläubigen Mutter (Susanne Jensen) und seinem Adler in einer Almhütte lebt - bis die touristische Erschließung und die damit einhergehende Bedrohung des Idylls den sprichwörtlichen Luzifer weckt. Brunners Arbeit ist eine von 17 Filmen aus aller Welt, die im Hauptbewerb laufen.

Unter den vier internationalen Produktionen mit deutscher Beteiligung findet sich etwa der mit Spannung erwartete Thriller "Zeros and Ones" vom US-amerikanischen Star-Regisseur Abel Ferrara ("Bad Lieutenant") mit Hollywoodstar Ethan Hawke ("Boyhood") in der Hauptrolle. Deutschland zeigt sich im Wettbewerb vor allem als starke Schauspielnation. In mehreren Filmen aus anderen Ländern agieren Prominente des deutschen Kinos. Neben Rogowski in "Luzifer" spielt etwa Luna Wedler ("Auerhaus") in der Schweizer Großstadtballade "Soul of a Beast" mit.

Hauptanziehungspunkt des Festivals dürften auch in diesem Jahr die Freiluftaufführungen sein. Dort feiert auch "Hinterland", der neue Streifen des österreichischen Oscar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky, seine Weltpremiere. Im Zentrum des Historiendramas steht der einstige Kriminalbeamte Peter Perg (Murathan Muslu), der nach Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrt, sich in der veränderten Welt des Nach-Habsburg-Österreichs nicht mehr zurecht findet und nach einem brutalen Mord mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Und mit "Monte Verità" des Schweizer Regisseurs Stefan Jäger ist überdies eine (minoritär) österreichische Koproduktion in Locarno vertreten. Auch Jäger entführt wie Ruzowitzky an den Anfang des 20. Jahrhunderts und widmet sich dabei den ersten Aussteigern der Zeit wie Hermann Hesse oder dem Psychoanalytiker Otto Gross, die sich am titelgebenden Monte Verità in der Schweiz einfinden.

In der Regel finden dabei bis zu 9.000 Filmfans auf der malerischen Piazza Grande von Locarno Platz. Aufgrund der Corona-Regeln ist die Zahl der Plätze in diesem Jahr reduziert.

Das Festival von Locarno, das heuer bis 14. August über die Bühne geht, gilt als eine der weltweit wichtigsten Tribünen engagierter Filmkunst. Das Motto ist "Hier sind die Filme die Stars!". Junges Kino dominiert. Nach dem Rücktritt der erst 2019 angetretenen Französin Lili Hinstin als künstlerische Leiterin will ihr Nachfolger Giona A. Nazzaro die Tradition fortführen.

Zu seinen Ansprüchen hatte der 1966 in Zürich geborene Italiener der dpa anlässlich seiner Wahl zum künstlerischen Leiter von Locarno Ende vergangenen Jahres gesagt: "Die Kultur wird uns vielleicht ein bisschen gegen den Populismus schützen. Und deswegen müssen wir auch die Filme, Bücher, Musik, Theater unterstützen."

Neben Anspruchsvollem offeriert der bisherige Leiter der Kritikerwoche der Filmfestspiele von Venedig viel kommerzielles Kino. Abends auf der Piazza gibt es denn auch Star-Power. Erwartet werden zum Beispiel aus Hollywood Jung-Star John David Washington ("Tenet"), der Sohn von Oscar-Preisträger Denzel Washington ("Malcolm X"). Angekündigt hat sich auch Regielegende John Landis ("Blues Brothers"). Er wird vom Festival für sein Lebenswerk geehrt.

Die diesjährige Festival-Ausgabe zeigt mehr als 200 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Eröffnet wird das 74. Internationale Filmfestival Locarno am 4. August mit dem italienischen Action-Thriller "Becket". Die Werbung zum Film verspricht eine kluge Balance von Publikumswirksamkeit und Anspruch. Wenn es stimmt, entspricht der Eröffnungsfilm genau dem bewährten Erfolgsrezept von Locarno.

(S E R V I C E - https://www.locarnofestival.ch/LFF/home.html)

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