Kino

Kultur-Lockdown für Kinos "der blanke Wahnsinn"

"Der blanke Wahnsinn" ist die erneute Schließung der Kinos für die Branche, wie Christian Dörfler, Präsident des Österreichischen Kinoverbands, am Sonntag gegenüber der APA sagte. Auch Franz Patay, Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und Präsident des Wiener Bühnenvereins, zeigte sich am Sonntag kritisch gegenüber den Maßnahmen. "Mir ist im Kulturbereich kein Cluster im Publikum bekannt", so Patay.

Alle Mitglieder des Bühnenvereins hätten strenge Präventions- und Hygienekonzepte umgesetzt, die vom Publikum auch penibel angenommen und umgesetzt worden seien, sagte Paty weiter. Wie sehr die alte Weisheit von der Kultur als "Lebensmittel für die Seele" zutreffe, habe sich zuletzt am Zuspruch von Publikumsseite trotz aller Unbilden gezeigt: Das Theater an der Wien (TaW) habe bei seinen "Porgy and Bess"-Vorstellungen beinahe 100 Prozent Coronaauslastung gehabt, und auch der Musicalklassiker "Cats" im Ronacher sei sehr gut verkauft gewesen. "Insofern ist die jetzige Entscheidung für uns natürlich enttäuschend", so Patay im APA-Gespräch.

Wie man nun konkret mit der Situation umgehen könne, werde sich in den kommenden Tagen entscheiden. Vermutlich werde man einen Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Kurzarbeit schicken. Bei den verkauften Karten werde man die Betroffenen kontaktieren und Umbuchungen oder auf Wunsch auch Rückzahlung anbieten. Ob die im TaW für 12. November angesetzte Premiere von Mozarts "Nozze di Figaro" in der Regie von Alfred Dorfer sowie die für 29. November angesetzte Premiere von Francesco Cavallis "Giasone" in der Kammeroper verschoben werden können oder gänzlich abgesagt werden müssen, werde man in einer Krisensitzung am Montag klären. Und was die von der Politik am Samstag angedeuteten Kompensationszahlungen für die Mitglieder des Bühnenvereins konkret bedeute, müsse erst detailliert ausgeführt werden.

Christian Dörfler sei vom nunmehrigen Lockdown aufgrund der steigenden Infektionszahlen nicht überrascht, kritisiert aber - wie bereits andere Kollegen aus dem Kulturbereich - den bisherigen Umgang mit der Pandemieeindämmung.

"Alle Statistiken zeigen, dass es in keinem einzigen Kino europaweit nachweislich eine Ansteckung gegeben hat, weil alle perfekte Maßnahmen gesetzt haben. Wenn man vorher stärker im Privatbereich - wo ja die meisten Ansteckungen stattfinden - eingegriffen hätte, hätte man sich das ersparen können", so Dörfler. Die Kinos hätten sich seit der Wiedereröffnung im Sommer "unter extrem schwierigen Bedingungen mühsamst zurückgekämpft", zumal aufgrund der verschobenen Blockbuster nur mit einem eingeschränkten Angebot aufgewartet werden konnte. "Aber auch zu Zeiten, wo es billiger gewesen wäre, zugesperrt zu bleiben, wollten wir für unsere Kunden da sein", so der Betreiber des Wiener Haydn-Kinos.

Bis Ende September habe die Branche einen Besucherrückgang von 85 Prozent verzeichnet, zugleich wurde man trotz zahlreicher Gespräche in Bezug auf eine Sonderförderung stets vertröstet. So musste die Wiedereröffnung aus eigenen Mitteln bestritten werden, ein zweites Mal sei das nicht mehr denkbar. "Wir brauchen einfach auch eine Marketingunterstützung für die Branche. Wir können das nicht noch einmal selbst stemmen. Zugesperrt ist schnell, aber bis man wieder da ist, dauert es. Das ist die wahre Katastrophe."

Quelle: APA

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