Kino

Oscar-Akademie führt Diversitätsregeln für "Besten Film" ein

Die Oscar-Akademie will künftig durch neue Standards bei der Oscar-Vergabe mehr Inklusion und Diversität in der Top-Sparte "Bester Film" erzwingen. Wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte, müssen Bewerber für den Hauptpreis des Oscar-Wettbewerbs ab 2024 mindestens zwei Vielfalts-Kriterien erfüllen, um sich zu qualifizieren.

Oscar-Preisträger im Gespräch: Regina King und Brad Pitt am 9. Februar 2020 im Dolby Theatre in Hollywood. SN/APA (GETTY IMAGES)/Handout
Oscar-Preisträger im Gespräch: Regina King und Brad Pitt am 9. Februar 2020 im Dolby Theatre in Hollywood.

Den Produzenten stehen dabei mehrere Optionen offen. Beispielsweise könnte eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören, etwa asiatischer oder hispanischer Abstammung sein. Als ein weiteres Kriterium führt die Filmakademie inhaltliche Aspekte an: Filmbeiträge sollten demnach ein Thema behandeln, das sich um Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder LGBT-Inhalte dreht - also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen. Als weitere mögliche Standards stellt der Filmverband Diversitäts-Quoten für die gesamte Rollenbesetzung oder für das Produktionsteam zur Auswahl.

Die mehr als 9.000 Academy-Mitglieder bestimmen jedes Jahr die Oscar-Preisträger. Der Verband setzte sich bisher traditionell aus überwiegend männlichen Mitgliedern weißer Hautfarbe zusammen. Der Mangel an Vielfalt führte in den vergangenen Jahren zu heftiger Kritik an der Academy. So wurden Afroamerikaner bei den Oscar-Nominierungen weitgehend übersehen.

Oscars 2016 - eine weiße Angelegenheit

Die 88. Oscar-Gala wurde in der Nacht auf den 29. Februar 2016 vom afroamerikanischen Schauspieler und Entertainer Chris Rock moderiert. "Wenn Sie Gastgeber nominieren würden, hätte ich diesen Job nicht bekommen." Rock hat dabei den Stier bei den Hörnern gepackt und gleich zu Beginn der Gala die damalige Diskussion um eine rein-weiße Nominierungsliste in den Schauspieler-Kategorien in harter, direkter Manier angesprochen.

Er verstehe die Aufregung nicht, die sich im Vorfeld um den Umstand entsponnen hatte, dass zum zweiten Mal in Folge alle 20 Nominierten in den Schauspieler-Sparten Weiße sind: "Es sind die 88. Oscars - das bedeutet, das ist schon mindestens 71 andere Male passiert." In den ersten Jahrzehnten habe nur niemand protestiert, weil es schlicht wichtigere Dinge gegeben habe: "Wenn deine Oma vom Baum hängt, ist es schwierig, sich darum zu kümmern, wer für den besten Kurzfilm nominiert ist."

Viele hätten ihm im Vorfeld geraten, die Moderation niederzulegen. "Das Komische ist: Niemand, der einen Job hat, sagt dir je, du sollst etwas hinschmeißen." Er verstehe aber natürlich, dass sich Prominente wie Jada Pinkett-Smith über die Diskriminierung aufregen würden. "Es ist nicht fair, dass Will (ihr Ehemann, Anm.) nicht nominiert war. Und es war auch nicht fair, dass Will für 'Wild Wild West' 20 Millionen Dollar erhalten hat."

Die Forderung sei dabei glasklar: "Wir wollen, dass schwarze Schauspieler die gleichen Chancen bekommen - nicht nur ab und zu."

Quelle: Apa/Dpa

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