Kino

Regisseur Wenders über den Papst: "Er lebt, was er sagt"

Der neue Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Wim Wenders über den Papst trägt den Titel "Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes". Er habe diesen gewählt, berichtete der Filmemacher in den "Vatican News", weil sich nach vier Gesprächen und Sichtung des Filmmaterials in den Vatikanarchiven sein erster Eindruck bestätigt habe: "Er meint alles, was er sagt, und er lebt auch, was er sagt."

Papst Franziskus. SN/APA/AFP/TIZIANA FABI
Papst Franziskus.

Am Papst habe ihn gleich in der ersten Sekunde, als er vorgestellt wurde, sein Name interessiert, erzählte der vielfach ausgezeichnete Regisseur. Die erstmalige Wahl des Namens des Heiligen Franz von Assisi sei ein großes Zeichen und auch ein Versprechen gewesen. Begeistert war Wenders auch vom ersten Auftritt des Papstes nach seiner Wahl, von seiner "unprätentiösen, einfachen und doch völlig neuen Ansprache". Und in jedem der vier gemeinsamen Gespräche für den Film habe Franziskus überzeugend vermittelt, "dass er an allen Menschen interessiert ist und er der Meinung ist, dass Gott alle Menschen gleich liebt, egal welcher Konfession oder sogar welcher Religion". Und diese Haltung ist laut Wenders "doch recht neu" und habe ihn "ziemlich bewegt".

Wim Wenders, bekannt geworden durch Filme wie "Der Himmel über Berlin" oder "Buena Vista Social Club", stammt aus einer katholischen Familie, wollte als junger Mann Priester werden und ist zweifacher Ehrendoktor der Theologie. Sein neues Filmprojekt sollte "keine Biografie über Herrn Bergoglio" sein, "sondern eine Biografie dessen, wofür Papst Franziskus steht. Und das ist sein Wort", teilte der 72-jährige Regisseur im Gespräch mit "Vatican News" mit.

Wie die Kommunikation mit dem Vatikan verlief

Im Zentrum des Films stehen die Gedanken des Papstes. Er äußere sich unter anderem zu den Reformbestrebungen innerhalb der Kirche und aktuellen globalen Herausforderungen. Während seiner mehr als zweijährigen Recherche habe Wenders "ungefähr alles gesehen, was er (der Papst, Anm.) gesagt hat". Die Kommunikation mit dem Vatikan sei "ausgesprochen unbürokratisch" gewesen; Dario Vigano, der Präfekt des Sekretariats für Kommunikation, habe das Projekt initiiert und dem Regisseur "von Anfang an gesagt, wir reden dir da nicht rein, du machst den Film, den du für richtig hältst".

Bei den gefilmten Interviews mit dem Papst habe er auch deswegen eine große Last der Verantwortung gespürt, "weil mir ja niemand hineingeredet hat". Seinem Team habe Wenders von Anfang an klar gemacht, dass Papst Franziskus niemals gebeten werde, irgendeine Frage ein zweites Mal zu beantworten. Nie wurde dem "Hauptdarsteller" eine bestimmte Geste nahegelegt oder ein Blick in die Kamera - "es war alles komplett natürlich, was er gemacht hat, er war tatsächlich nie sein Schauspieler, er war immer nur er selbst".

Für Franziskus sind alle gleich

Besonders in Erinnerung geblieben ist Wenders die Art des Papstes zu kommunizieren, "wie direkt er ist, wie er den Leuten in die Augen schaut und wie aufmerksam er jedem gegenüber steht, den er trifft". Vor dem Drehen habe er stets alle im Filmteam - Assistenten, Elektriker, Bühnenarbeiter, Produzent oder ihn selbst als Regisseur - "gleich freundlich und herzlich begrüßt, allen die Hand geschüttelt". Auch damit mache Franziskus deutlich, dass für ihn alle gleich sind.

Auf die Frage, ob es etwas gibt, dass er mit oder bei Franziskus gelernt habe, antwortete Wenders: "Das, was mir am meisten geblieben ist, ist sein Mut, seine komplette Furchtlosigkeit. Er ist wirklich einer der mutigsten Menschen, denen ich je gegenübergestanden bin." Ihn habe jedes Mal aufs Neue beeindruckt, "wie wenig Scheu er hat, wie offen er ist, wie ungeschützt er den Menschen gegenübertritt. Dazu braucht man vor allem Mut."

Quelle: SNapa/Dpa

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