Kino

Sein "letzter Tango": Italienischer Regisseur Bernardo Bertolucci gestorben

Bernardo Bertolucci ist im Alter von 77 Jahren in Rom gestorben. Das berichtet die römische Tageszeitung "La Repubblica" in ihrer aktuellen Ausgabe.


Bertolucci war seit Jahrzehnten eine Filmlegende. Berühmt wurden seine Werke "Der letzte Tango in Paris" und "Der letzte Kaiser".

Der 1941 in Parma geborene Regisseur inszenierte zwischen 1962 und 2012 insgesamt 16 Spielfilme. Sein Film "Der letzte Kaiser" von 1987 wurde zum Welterfolg und mit neun Oscars ausgezeichnet.

Auch die Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes und der Goldene Löwe der Filmfestspiele in Venedig zählen zu Bertoluccis Auszeichnungen.

Der Regisseur war schon seit mehreren Jahren krank und saß wegen einer misslungenen Bandscheiben-Operation im Rollstuhl. Der Regisseur starb laut Medienangaben in seiner Wohnung im römischen Viertel Trastevere. Eine private Trauerzeremonie sei geplant.

Worte zum Abschied für den "Maestro"

"Adieu, großer Maestro Bernardo Bertolucci. Mit seinen Meisterwerken hat er für ewig die Geschichte des Films geprägt", schrieb die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi auf Twitter.

Die Biennale von Venedig teilt in einer Presseaussendung mit: "Bertolucci wird als einer der Größten des italienischen und internationalen Films in Erinnerung bleiben."

Ex-Kulturminister Dario Franceschini schreibt: "Die italienische Kultur erlebt einen Trauertag. Wir verlieren einen großen Meister des italienischen Films, einen Giganten des 20. Jahrhunderts." Der Ex-Minister würdigte das Engagement und den gesellschaftspolitischen Einsatz Bertoluccis, der sich unter anderem für ein neues Gesetz zur Filmförderung in Italien stark gemacht hatte.

Größen des italienischen Films wie Franco Zeffirelli, Liliana Cavani und Marco Bellocchio würdigten den 77-jährigen Filmemacher. "Es ist sehr traurig, von einem lieben Freund und einem Regisseur großen Talents wie Bernardo Bertolucci Abschied nehmen zu müssen. Mit seinen Werken hat uns Bernardo in einmalige künstlerische Dimensionen geführt", kommentierte Franco Zeffirelli.

"Der Konformist" (Der große Irrtum, 1970)

Mit "Der Konformist" betrat Bertolucci die internationale Filmbühne. Thematisch dreht sich der Film um Italiens faschistische Vergangenheit. Dieser Film war auch der Auftakt für Bertoluccis Zusammenarbeit mit Franco Arcalli (bis zu dessen Tod 1978).

"Der letzte Tango in Paris" (1972)

Mit "Der letzte Tango in Paris" (1972) mit Marlon Brando in der Hauptrolle gelang Bernardo Bertolucci endgültig der Durchbruch. Es geht um die Midlife-Krise eines Mannes und sein Leiden an der Unterdrückung des Lustprinzips in der westlichen Kultur. Die unverblümte Darstellung von Sexszenen sorgte für Aufregung. Die Skandalisierung und Zensurversuche bewirkten einen enormen Kassenerfolg, in den USA blieb der Streifen auf Jahre hinaus der einträglichste europäische Film.

"Der letzte Kaiser"(The Last Emperor, 1987)

In diesem monumentalen Spielfilm verfilmt Bernardo Bertolucci die Biografie des Kaisers Puyi von China, der bereits als Zweijähriger den Thron besteigen, aber schon drei Jahre später wieder abdanken musste. An Originalschauplätzen in der Verbotenen Stadt in Peking entstand ein Film, der 1988 mit neun Oscars bedacht wurde.

"The Dreamers" (2003)

Die Träumer sind drei junge Menschen, die in Paris 1968 eine Dreierbeziehung leben und sich von den Ereignissen auf der Straße abkapseln.

"Io et te" (Me and You, 2012)

Bertolucci erzählt in "Io et te" nach dem Roman "Du und ich" (2010) von Niccolò Ammaniti eine Geschichte über zwei junge Menschen, die einige Tage zusammen abgeschieden von der Gesellschaft verbringen. Dabei greift Bertolucci mehrere Motive aus seinen früheren Werken auf und lässt das Ende offen. Nach Jahrzehnten drehte der Regisseur wieder in Italienisch.


Auf Bertoluccis Facebook-Seite stehen folgende Sätze von ihm, die sein Leben für den Film, für das Kino, nicht treffender beschreiben könnten: "This is something that I dream about: to live films, to arrive at the point at which one can live for films, can think cinematographically, eat cinematographically, sleep cinematographically, as a poet, a painter, lives, eats, sleeps painting."

Quelle: SN, Apa

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