Need for Speed: Payback

Wer bremst, verliert

Ganoven auf der Überholspur: "Need for Speed: Payback" startet mit halsbrecherischen Stunts, furiosen Verfolgungsjagden und einer Rachegeschichte neu durch.

Schnelle Autos, furiose Action und ein Plot, der selbst Vin Diesel, Protagonist der "Fast & Furious"-Filmreihe, gefallen dürfte: Eine Clique halbstarker Kleinkrimineller schmiedet einen einfachen, todsicheren Plan. Zusammen will man einen exklusiven Supersportwagen stehlen. Doch der ist nicht nur super schnell und super teuer - er gehört blöderweise auch der lokalen Mafia, die die Casinos, Kriminellen und Polizisten der Stadt kontrolliert. Es kommt wie es kommen muss: Der Raub geht schief, die Bande wurde verraten. Tyler Morgan, ehemaliger Streetracer und Kopf der Truppe, sinnt im Exil auf Rache. Um seine Crew wieder zu vereinen, muss er zahlreiche Straßenrennen gewinnen und letztlich das Kartell "The House" zu Fall bringen.

Anders als bei andere Rennspielen gibt es bei "Need for Speed: Payback" eine fortlaufende Story mit Videosequenzen und Schauspielern. Schnelle Schnitte und Zeitlupenaufnahmen erinnern dabei an Hollywoodfilme á la "Nur noch 60 Sekunden" oder "Fast & Furious". Ein interaktives Action-Kino, wenn man so will. Die Idee ist gut und passt zur "NfS"-Reihe, auch wenn viele Szenen im Spiel klischeehaft sind, die Figuren oft miserabel spielen und die Dialoge eher plump sind. Mit der Zeit wächst einem die bunte Truppe aber irgendwie ans Herz. Und ein bisschen Trash darf ja auch sein. Dank einer packenden Inszenierung und einer zusammenhängenden Story über Verrat, Treue und Familie bleibt das Game zumindest bis zum Schluss spannend und abwechslungsreich.

Im Fokus stehen natürlich leistungsstarke Autos. Diese sind in fünf Klassen unterteilt - Rennen, Drift, Offroad, Drag und Flucht. Ja nach Situation eignen sich manche Flitzer besser als andere. So lassen sich Polizeiwagen mit einem gepanzerten Fahrzeug prima von der Straße drängen. Wenn sich die Autos der Verfolger dann im Rückspiegel in Slow-Motion überschlagen, sieht das schon ziemlich spektakulär aus. Ähnlich wie schon im - deutlich schwächeren - Vorgänger aus dem Jahr 2015 kann der Spieler in "Payback" eine offene Welt erkunden, Autos stehlen und sie beliebig aufmotzen. Aus rollenden Schrottkarren werden so Tuning-Boliden.

 SN/ea games

Das von Las Vegas inspirierte Fortune Valley dient dabei als gigantischer Spielplatz für Bleifüße. Berge, Canyons, Wüsten und Städte können befahren und erkundet werden - ein Areal, größer als alle bisherigen "NfS"-Welten, sagen die Macher. Weitläufig ist es allemal. Zudem verfügt jedes Gebiet über seine eigenen Sehenswürdigkeiten und Events. Auch das Fahren an sich gefällt: Im Einstellungsmenü lassen sich die Autos auf die individuelle Fahrweise abstimmen. Schon nach kurzer Zeit gelingen lange Drifts durch Haarnadelkurven und man bleibt selbst unter Druck immer in der Spur. "Payback" ist auch hübsch anzusehen. Glänzende Karosserien, eine klare Sicht, scharfe Texturen und schöne Details in der Landschaft laden zum Verweilen ein. Wer beispielsweise nachts abseits der Piste durch den Dreck driftet, sieht in weiter Ferne die Lichter der Stadt funkeln.

Leider gibt es keinen Wetterwechsel. Mäßig gelungen ist auch das Schadensmodell der Autos, das alles andere als glaubwürdig ist: Selbst nach heftigen Kollisionen bleibt meist nur ein Kratzer im Lack. Das ist unrealistisch und nicht mehr zeitgemäß. Insgesamt hat dem Game der Spurwechsel aber richtig gut getan. Ein bisschen weniger Hochglanz, eine bessere Geschichte und Charaktere, die mehr sind, als bloß Stereotypen und aus "Need for Speed" könnte ein richtig faszinierendes Spiel werden, das nicht nur Fans der Reihe anspricht.

Info
Need for Speed: Payback
EA
USK: 12
PC, Xbox One, PS4 (Test)

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Aufgerufen am 17.04.2021 um 11:18 auf https://www.sn.at/kultur/kino/wer-bremst-verliert-21020254

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