Kultur

"Kong: Skull Island" - Die Jagd nach dem ewigen Monster

Der größte Affe der Kinogeschichte ist wieder erwacht: In "Kong: Skull Island" begegnet ihm Oscarpreisträgerin Brie Larson.

Kong ist wieder da: "Kong: Skull Island" erzählt davon, wie eine Gruppe von Forschern, Abenteurern und Soldaten am Ende des Vietnamkriegs auf einer einsamen Pazifikinsel auf einen gigantischen Affen und allerlei andere Überraschungen stößt. "Gutes, altmodisches Monsterspektakel", sagt Hauptdarsteller Tom Hiddleston über die King-Kong-Ursprungsgeschichte, die bis zu einer Filmserie in den 1920ern reicht. Seine Filmpartnerin Brie Larson (Oscarpreisträgerin für "Raum") spielt in dem Film eine tollkühne Antikriegsfotografin, und sie findet, in Wahrheit geht es um Humanismus und Pressefreiheit. Beides ist richtig: "Kong: Skull Island" ist ein überdimensionaler Kinospaß mit Herz und Hirn.

Die Rolle der Frau, die King Kong begegnet, ist ikonisch - Fay Wray hat sie 1933 gespielt, Jessica Lange 1976, Naomi Watts 2005. Sie spielen eine radikal modernisierte Version, ist Ihnen aber das Erbe bewusst?
Larson: Stimmt, die Fußstapfen sind groß, in die ich da trete. Das waren dermaßen elegante, schöne, starke Frauen, dass für mich die einzige Möglichkeit war, einen Schritt weiter zu gehen und die Figur diesmal ganz anders zu spielen. Ich finde es spannend, dass wir diese Metapher, diesen Archetypus der Begegnung zwischen Frau und Riesenaffe, genommen haben und einen anderen Aspekt davon erkunden.

Sie spielen im Film eine Antikriegsfotografin, hatten Sie da ein reales Vorbild?
Wenn Sie sich für Kriegsreporterinnen interessieren, kann ich sehr einen Artikel in "Vanity Fair" empfehlen, "The Girls at the Front", über Frauen wie Christiane Amanpour und Marie Colvin. Ich finde diese Korrespondentinnen unglaublich faszinierend und die haben mich auch inspiriert für die Rolle. Die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten ist heute wichtiger als je zuvor. Es ist unglaublich, dass wir diesen Film vor einem Jahr gedreht haben und er in den 1970er-Jahren spielt, und doch fühlt er sich an, als würde er von unserer unmittelbaren Gegenwart handeln.

Oscarpreisträgerin Brie Larson in „Kong: Skull Island“. SN/warner bros
Oscarpreisträgerin Brie Larson in „Kong: Skull Island“.

Haben Sie in dem Spektakel auch einen poetischen Gedanken gefunden?
Ja, klar, denn die Kernaussage ist ja, dass wir Menschen zwei Seiten haben, zwischen denen wir uns grundsätzlich entscheiden müssen: Auf der einen Seite ist da dieser Drang zu erobern, zu dominieren und zu kontrollieren, immer die Besten und die Mächtigsten zu sein. Und dann gibt es die andere Seite, die versteht, dass es keine Besten gibt, sondern nur das Leben, und Einigkeit und Frieden und Mitgefühl und Verständnis, und wir müssen uns nicht anderen Leuten aufzwingen.

Sie sind voriges Jahr fast jedes Wochenende in Hollywood für Ihre Arbeit in "Raum" ausgezeichnet worden, zugleich waren aber noch die Dreharbeiten im vietnamesischen Dschungel im Gange. Wie war das parallel möglich?
Ich hab diese Zeit immer noch nicht ganz verdaut, weil der Kontrast zwischen diesen beiden Welten so heftig war: Unter der Woche war ich im Nirgendwo, wir sind durch den Schlamm gestapft, hatten Erde unter den Fingernägeln und so viel Dreck in den Haaren, dass ich fünf Mal duschen musste, bis alles raus war. Und fast jeden Freitagabend bin ich dann ins Flugzeug gestiegen und über Nacht nach Los Angeles geflogen, hab mich für die jeweilige Award Show herausgeputzt - und Sonntagabend bin ich wieder zurückgeflogen, um Montag wieder zurück im Dreck zu stecken und zu drehen. Ich bin damals direkt vom Dreh in Vietnam zu den Oscars geflogen, und am nächsten Tag wieder zurück. Das war völlig surreal.

Sie arbeiten an Ihrer ersten eigenen Regie, demnächst kommt der kleine Actionfilm "Free Fire" ins Kino, Sie spielen Captain Marvel in den nächsten beiden "Avengers"-Filmen - was muss ein Projekt haben, um Sie zu reizen?
Ich genieße es, wandlungsfähig zu sein, und probiere gern neue Sachen aus. Und ich habe inzwischen erfreulicherweise wirklich die Wahl und bekomme ganz kleine reizvolle Projekte ebenso angeboten wie riesige Produktionen. Entscheidend ist immer, was die Geschichte für eine Botschaft hat. Wir brauchen Filme, die die Leute und die Wirklichkeit herausfordern.

Sogar eine Comicverfilmung muss eine Botschaft haben?
Ja, ich sehe gerade in diesen Filmen eine Botschaft, und die muss mir gefallen. Das Marvel-Comic-Universum ist da besonders faszinierend, weil das letztlich die Mythen unserer Gegenwart sind. Es sind archetypische Geschichten, die von Konflikten handeln, nicht nur Gut gegen Böse, meistens ist es viel komplexer: wie ein Team zusammenarbeitet, wie eine Regierung. Wir können darin unsere Wirklichkeit wiedererkennen, genauso wie bei diesem Film hier: Es ist eine sichere Metapher, um Dinge anzusprechen, die uns Angst machen.

Film: Kong: Skull Island. USA 2017. Regie: Jordan Vogt-Roberts. Mit Brie Larson, Tom Hiddleston, Sam Jackson, John C. Reilly, Corey Hawkins.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.11.2018 um 11:51 auf https://www.sn.at/kultur/kong-skull-island-die-jagd-nach-dem-ewigen-monster-310453

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